Kultur
Fondation Beyeler zeigt Wiener Moderne um 1900
Die neuste Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen (BS) läuft unter dem Motto «Wien 1900 - Klimt, Schiele und ihre Zeit». Im Mittelpunkt der rund 200 Werke umfassenden Schau stehen Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Gustav Klimt und Egon Schiele.
Wiener Moderne ist ein umfassender epochaler Begriff. Er steht für Aufbruch, für Erfindungen, Umwälzungen, revolutionäre Neuerungen in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.
Zugerechnet werden ihr nicht nur bildende Künstler, sondern auch Architekten (Adolf Loos, Otto Wagner), Schriftsteller (Karl Kraus, Robert Musil, Hugo von Hofmannsthal), Komponisten (Arnold Schönberg), Philosophen (Ernst Mach, Friedrich Nietzsche), Sprachwissenschaftler (Ludwig Wittgenstein), aber auch Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse.
Klimt als zentrale Lichtgestalt
Der künstlerische Zweig dieser Strömung verstand sich als geistige Gegenströmung zum vorherrschenden Naturalismus. Ihre zentrale «Lichtgestalt» - so die Fondation Beyeler - war Gustav Klimt (1862-1918), Hauptvertreter des Wiener Jugendstils.
Die Fondation Beyeler präsentiert mit Leihgaben wichtiger Museen und Privatsammlungen eine hochkarätige Ausstellung. Zu sehen sind etwa Klimts berühmte symbolistische Landschaft «Attersee» (1910), sein für die damalige Zeit skandalöser Frauenakt «Goldfische» (1901/02) und das ornamentale Frauenporträt «Judith II» (1909).
Im gleichen Atemzug mit Klimt ist Egon Schiele zu nennen, jener geniale Maler und Zeichner, der ebenfalls 1918 und erst 28-jährig in Wien starb. Schiele, von Klimt tatkräftig gefördert, stellte 1909 auf der Internationalen Kunstschau in Wien erstmals aus. Künstlerische und materielle Erfolge feierte er allerdings erst im Todesjahr an der 49. Secessionsausstellung.
Wie bei Klimt stellt bei Schiele die Erotik ein wichtiges Thema dar. Im Vergleich zu Klimt zeigt er sie allerdings ungeschminkter und schreckte auch nicht vor gesellschaftlichen Tabubrüchen zurück. Schönstes Beispiel für seine künstlerische Frech- und Freiheit ist das Gemälde «Kardinal und Nonne (Liebkosung)» von 1912. Es zeigt einen kirchlichen Würdenträger, der eine verängstigte Nonne gierig und rücksichtlos packt.
Umfassende Kunstepoche
Mit Klimt und Schiele belässt es die Ausstellung nicht. Integriert hat sie Porträts des jungen Oskar Kokoschka (1886-1980), Selbstbildnisse des jung verstorbenen Richard Gerstl (1883-1908) und sogar malerische Werke von Arnold Schönberg (1874-1951), dem Begründer der Zwölftonmusik.
Schliesslich wirft die Ausstellung Blicke auf das in dieser Zeit so wichtige Gesamtkunstwerk. Gemeint ist damit das häufig gepflegte Zusammenspiel der Kunst mit der Architektur, dem Design, dem Kunsthandwerk der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte. So gelingt es der Gastkuratorin Barbara Steffen, ein umfassendes Bild der avantgardistischen Wiener Kunstepoche um 1900 zu vermitteln.
(sda/bers)
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