International
Hunderttausende protestieren in Frankreich gegen Rentenreform
Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen sind in Frankreich hunderttausende Menschen gegen die Rentenreform der Regierung auf die Strasse gegangen. Die Gewerkschaften sprachen von landesweit rund drei Millionen Demonstranten. Das Präsidialamt ging von weit geringeren Zahlen aus und wertete dies als Zeichen einer wachsenden Zustimmung zu der Reform.
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Die zentrale Kundgebung gegen die Erhöhung des Rentenalters von 60 auf 62 Jahre fand in Paris statt. Die Demonstranten trugen Schilder mit Aufschriften wie «Gefangene der Arbeit» oder «Sarkozy in Rente, Rassist!».
EU-weit niedrigstes Rentenalter
Das zentrale Reformprojekt, das der Präsident trotz aller Proteste und Widerstände unbedingt durchsetzen will, wurde vergangene Woche von der Nationalversammlung gebilligt und muss noch im Senat verabschiedet werden.
Zwar hat die Regierung auch hier eine Mehrheit, einige konservative Senatoren haben aber geringfügige Konzessionen angekündigt. Frankreich hat mit 60 Jahren EU-weit das niedrigste Rentenalter. Zwei Drittel der Wähler halten die Reform gemäss Umfragen für ungerecht.
Kern der geplanten Rentenreform
Die Rentenreform beinhaltet eine deutliche Anhebung des Rentenalters. Wer mindestens 40,5 Jahre Rentenbeiträge gezahlt hat, kann derzeit in Frankreich mit 60 Jahren ohne Kürzungen in den Ruhestand gehen. Diese Altersgrenze soll nun bis 2018 schrittweise auf 62 angehoben werden.
Auch der Mindestzeitraum für die Beitragszahlungen soll steigen. Wer nicht lange genug arbeitet hat, soll künftig erst mit 67 eine volle Rente bekommen können. Bislang war dies bereits mit 65 Jahren möglich.
Die Proteste führten auch am Donnerstag wieder zu Behinderungen und Verspätungen im Nah-, Fern- und Flugverkehr. Jeder zweite Zug sollte in Frankreich am Donnerstag ausfallen. Auch viele U-Bahnen in Paris mussten gestrichen werden, wobei die Unternehmensleitung weniger Streikende als vor zwei Wochen meldete.
Wie die französische Staatsbahn SNCF mitteilt, wird ihr Personal ab Freitagmorgen ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen.
Am Pariser Flughafen Orly wurde mit einem Ausfall der Hälfte aller Flüge und am Flughafen Charles de Gaulle mit der Streichung von rund 40 Prozent aller Flüge gerechnet. Betroffen waren auch etliche Zug- und Flugverbindungen in die Schweiz.
Für nähere Informationen sehen Sie den Newsfeed der SBB oder die Teletext-Seite 487.
(agenturen/bers/hesa)
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