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Bundesratswahl 2010

Schweiz wird erstmals von Frauenmehrheit regiert

Mittwoch, 22. September 2010, 17:52 Uhr

Nach der Wahl von Simonetta Sommaruga verfügt die Schweiz im internationalen Vergleich über einen der höchsten Frauenanteile in der Regierung. Die Alt-Bundesrätinnen Ruth Dreifuss (SP) und Elisabeth Kopp (FDP) zeigten sich erfreut. Wobei Kopp jedoch betont, dass es sich dabei um eine «Momentaufnahme» handle.

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Die frühere SP-Bundesrätin Ruth Dreifuss zeigte sich über die Wahl einer vierten Frau in die Landesregierung «sehr glücklich». Sie freue sich darüber, dass es nun nach einem «langen Kampf» schneller vorwärts gehe.

Dieser Erfolg der Frauen sei ein gutes Omen für die eidgenössischen Wahlen 2011. «Viele Schweizer sind nun dazu bereit, fünf Frauen im Bundesrat zu akzeptieren», sagte Dreifuss.

Das Ziel des Kampfes der Frauen dürfe nicht einfach sein, mehr verantwortungsvolle Aufgaben zu erhalten. Die Frauen müsste diese Verantwortung nutzen, um Fortschritte im Alltag zu erzielen, sagte Dreifuss weiter.

Sommaruga über die neue Frauenmehrheit

Die Frauenmehrheit in der Landesregierung ist auch für FDP-Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp eine «grosse Freude». Sie weiss aber auch, dass sich das schnell wieder ändern kann. Gemäss Kopp müssen beide Geschlechter angemessen im Bundesrat vertreten sein.

«Wenn es an den eidgenössischen Wahlen 2011 wieder zu einer Männermehrheit kommt, dürfen die Frauen sich nicht beklagen», sagte die Zürcher Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp. Sie plädiert für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis.

Langer Weg

Es hatte bis 1971 gedauert, bis die Frauen auf eidgenössischer Ebene nach mehreren Anläufen das Stimmrecht erhielten. Erst dreizehn Jahre später (und nach einer gescheiterten SP-Frauenkandidatur von Lilian Uchtenhagen 1983) wurde am 2. Oktober 1984 die freisinnige Zürcher Nationalrätin Elisabeth Kopp zur ersten Bundesrätin gewählt.

Sie musste Anfang 1989 im Zuge der «Telefon-Affäre» zurücktreten und wurde durch ihren Parteikollegen Kaspar Villiger ersetzt. Zwischen 1989 und 1993 war der Bundesrat wieder frauenlos.

«10vor10», 22.09.10: Frauen-Mehrheit im Bundesrat

Am 3. März 1993 verlor die offizielle SP-Kandidatin Christiane Brunner das Rennen um die Nachfolge von Bundesrat René Felber gegen den Neuenburger Francis Matthey. Nachdem dieser unter dem Eindruck landesweiter (Frauen-)Proteste und dem Druck seiner Fraktion verzichtet hatte, wurde am 10. März 1993 Ruth Dreifuss zum 100. Mitglied der Landesregierung gewählt.

Erst 1999 zwei Frauen

Eine zweite Frau stiess erst 1999 dazu: Die Innerrhoder Regierungsrätin Ruth Metzler (CVP). Bestand haben sollte die Doppelvertretung nur gerade vier Jahre. Im Dezember 2002 trat die Genfer SP-Staatsrätin Micheline Calmy-Rey die Nachfolge von Ruth Dreifuss an.

Ein Jahr danach verlor Ruth Metzler aber ihren Sitz zugunsten von Christoph Blocher. Erst zweieinhalb Jahre später wurde im Juni 2006 mit Doris Leuthard (CVP) wieder eine zweite Bundesrätin gewählt. Im Dezember 2007 erhöhte sich nach der Abwahl Blochers und der Wahl Eveline Widmer-Schlumpfs (BDP) die Zahl der Frauen auf drei.

Seit damals bekleidet mit Corina Casanova (CVP) auch eine Frau das Amt als Bundeskanzlerin. Dieser Posten gilt als achter Bundesrat.

(sda/hesa)