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Bundesratswahl 2010

Bundesratswahlen: Kampf der Parteien und Geschlechter

Dienstag, 14. September 2010, 16:55 Uhr, Aktualisiert 17:39 Uhr

Die anstehenden Bundesratswahlen versprechen Spannung: Wie viele Frauen werden in der Regierung vertreten sein? Wie taktieren die Parteien in Hinblick auf ihre eigenen Sitzansprüche? Fragen, die bereits früher zu reden gaben - ob bei der Geburt der Zauberformel, der Nicht-Wahl Lilian Uchtenhagens oder der Abwahl Christoph Blochers. Ein Blick ins Archiv.

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1848 war zumindest oberflächlich gesehen alles noch viel einfacher. Wer Bundesrat wird und wer nicht, bestimmte nur die FDP - denn diese hatte bis 1891 alle sieben Sitze inne. 1891 erhielten die Katholisch Konservative Partei (heute CVP) und 1929 die Bauern-, Gewerbe und Bürgerpartei (heute SVP) jeweils ihren ersten Bundesrat - ein erster, kleiner Schritt hin zur Konkordanzregierung.

(sf/frua)

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(admin.ch)

Die SP zum ersten Mal im Bundesrat

Nach Ende des Ersten Weltkriegs ist die SP in der politischen Landschaft der Schweiz noch isoliert. Die Partei hatte 1918 den Landesstreik mitorganisiert. Doch in den folgenden Jahren bewegt sich die Partei hin zur Mitte und übernimmt in verschiedenen Kantonen Regierungsverantwortung. Spätestens mit dem Bekenntnis zur Landesverteidigung und dem Erfolg der Nationalratswahlen 1943 wird die SP auch im Bundesrat tragbar. Und so wird noch im selben Jahr Ernst Nobs (ZH) erster sozialdemokratischer Bundesrat.

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Die Zauberformel wird geboren

Erstmals seit 1891 und 1929 verändert sich in der Schweiz die parteipolitische Zusammensetzung des Bundesrats tiefgreifend. Anlass ist die Neubesetzung von vier Bundesratssitzen. Im Nachgang zu den Nationalratswahlen 1959 werden sich die vier grössten Parteien einig: Gemäss inhaltlichem Konsens und arithmetischen Wähleranteilen soll der Bundesrat künftig aus je zwei Mitgliedern von SP, FDP und KCV (heute CVP) und einem der BGB (heute SVP) bestehen.

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Die Männerbastion Bundesrat hält vorerst

Lilian Uchtenhagen hätte die erste Frau im Bundesrat werden sollen. 1983 nominiert die SP die Zürcher Ökonomin, die 1971 als erste Frau in den Nationalrat gewählt worden war, als einzige Kandidatin für die Nachfolge Willy Ritschards (SO). Doch der Bürgerblock hält, und anstelle Uchtenhagens wird SP-Mann Otto Stich (SO) gewählt. Stich nimmt die Wahl an und stellt die Partei damit vor eine Zerreissprobe.

(keystone)

Elisabeth Kopp als erste Frau im Bundesrat

Nicht die Sozialdemokraten, sondern die FDP kann sich auf die Fahnen schreiben, die erste Frau im Bundesrat gestellt zu haben. Am 2. Oktober 1984 wählt die Vereinigte Bundesversammlung Elisabeth Kopp (ZH) in die Regierung. Jahre später wird Kopp mit grossem Getöse wieder gehen müssen. Eine Affäre um ihren Mann und der grosse Druck von Politik und Medien werden ihr zum Verhängnis.

(keystone)

Francis Matthey - der Mann, der verzichten muss

Für die SP war die Ausgangslage klar: Nach dem Rücktritt René Felbers (NE) war es wieder Zeit für eine Frau im Bundesrat. Gemäss Zauberformel und mit Rücksicht auf die Romandie schlug die Partei mit Christiane Brunner (GE) der Vereinigten Bundesversammlung eine Einzelkandidatur vor - und scheiterte. Stattdessen wurde am 3. März 1993 SP-Mann Francis Matthey (NE) gewählt. Die SP-Fraktion und Matthey verlangen Bedenkfrist.

(keystone)

Ruth Dreifuss - der 100. Bundesrat ist eine Frau

Eine Woche nach der dramatischen Nicht-Wahl Christiane Brunners für den Bundesrat schafft der gewählte SP-Mann Francis Matthey klare Verhältnisse und lehnt seine Wahl ab. Damit ist der Weg frei für einen erneuten Versuch der SP, einer Frau ins Amt zu verhelfen. Die Partei tritt wiederum mit Christiane Brunner an, nominiert aber auch Ruth Dreifuss (GE) als offizielle Kandidatin. Am Ende steht fest: Die Vereinigte Bundesversammlung verschmäht Brunner erneut, verschafft den Frauen mit Dreifuss aber nach fünf Jahren wieder einen Platz im Bundesrat.

(keystone)

Blocher will in den Bundesrat - und scheitert

Als wählerstärkste Partei beansprucht die SVP 1999 bei den Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats einen zweiten Sitz im Gremium. Partei-Chef Christoph Blocher (ZH) greift den Sitz von SP-Frau Ruth Dreifuss an. Aber die SVP und Blocher scheitern deutlich. Die Zauberformel bleibt bestehen - doch Blocher bläst zum Kampf.

(keystone)

Die Zauberformel fällt - Blocher triumphiert

10. Dezember 2003 - ein Tag für die Geschichtsbücher: Christoph Blocher schafft es bei der Gesamterneuerungswahl in den Bundesrat. Mit dem zweiten SVP-Sitz im Bundesrat fällt nach 44 Jahren die Zauberformel. Und erstmals seit 1872 wird ein amtierender Bundesrat abgewählt - denn Blochers Wahl geht zu Lasten der CVP-Frau Ruth Metzler (AI).

(keystone)

Blocher abgewählt - Widmer-Schlumpf im Bundesrat

Nur vier Jahre nach der Wahl Christoph Blochers in den Bundesrat wird dieser 2007 wieder abgewählt. Die Bündner SVP-Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf ist neu Bundesrätin. Während dem sich namentlich SP und CVP darauf berufen, eine SVP-Vertreterin gewählt zu haben und somit nicht gegen die Konkordanz verstossen zu haben, kommt es innerhalb der SVP zum Bruch. Ein Teil der Partei spaltet sich in der Folge ab - es entsteht die BDP.