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Kokain-Netzwerke funktionieren wie moderne Unternehmen

Mittwoch, 8. September 2010, 15:43 Uhr, Aktualisiert 17:12 Uhr

Die Strukturen des Kokainhandels in der Schweiz sind nur schwer zu knacken. Die oft afrikanischen Netzwerke sind verästelt. Sie operieren überregional und hochflexibel - wie erfolgreiche Unternehmen. Und deren Bekämpfung ist so mühsam, wie deren Kosten hoch sind.

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Bild Ein Polizist führt einen Delinquenten an Handschellen ab.
Erfahrungsgemäss bedient sich der Kokainhandel der Ärmsten der Armen. keystone / symbolbild

Schmuggelrouten, Kurier und Vertriebskanäle im Kokainhandel veränderten sich ständig, sagte Michael Perler, Chef der Bundeskriminalpolizei (BKP), vor den Medien in Aarau. Auf verstärkte Kontrollen von Zoll und Polizei reagierten die Schmuggler, indem sie die Kurierfahrten von unauffälligen EU-Bürgern durchführen liessen.

Bis zu 1,3 Kilo Kokain im Körper

Das Kokain werde von der Schweiz aus telefonisch in Nigeria bestellt. Das weisse Pulver werde dann in grossen Mengen aus Südamerika nach Europa geliefert. In Spanien oder Holland werde das Kokain umgeschlagen und für den Verkauf in die Schweiz transportiert.

Die Schmuggler schluckten teilweise bis zu 1,3 Kilogramm Drogen, die in Dutzende sogenannte Fingerlinge verpackt seien. In der Schweiz werde das Kokain auf mehrere Akteure verteilt, sagte Perler weiter.

Unterste Schicht wird eingespannt

Auf der tiefsten Ebene bewegten sich die Strassenhändler, berichtete Patric Looser von der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen. Es handle sich meistens um Asylbewerber aus Nigeria.

Die Strassenhändler nutzen gemäss Looser die Zeit bis zur Ausweisung oder Ausreise dazu, möglichst viel Geld zu verdienen. Die Gewinne aus dem Kokain-Handel würden regelmässig mit Bargeldübermittlungsdiensten ins Heimatland gesandt.

Als Zwischenhändler im Einsatz seien meist abgewiesene Asylbewerber aus Nigeria. Sie würden entweder illegal in der Schweiz leben oder hätten ihren Aufenthalt durch eine Heirat legalisiert.

Fast eine Million für Telefonabhörung

Die Ermittlungen gegen mutmassliche Kokainhändler sind sehr aufwändig und kostspielig. Im Aargau entstanden bei den 33 Fällen in den letzten anderthalb Jahren Verfahrenskosten von 1,25 Millionen Franken.

Allein die Kosten für die Übersetzung der abgehörten Telefongespräche beliefen sich auf 900'000 Franken, wie Urs Winzenried, Kripo-Chef der Kantonspolizei, sagte. In einem Fall seien 13 Mobiltelefone sichergestellt worden.

(sda/from)