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Schweizer Autorin in der engsten Auswahl für den Deutschen Buchpreis

Mittwoch, 8. September 2010, 16:08 Uhr

Grosserfolg für die Zürcherin Melinda Nadj Abonji: Mit ihrem Werk «Tauben fliegen auf» hat sie es auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2010 geschafft. Die Liste umfasst noch sechs Titel. Der Deutsche Buchpreis gilt als populärste literarische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum.

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Bild Die Schweizer Autorin Melinda Nadj Abonji
Im Rennen um den renommierten Deutschen Buchpreis: Die Schweizer Autorin Melinda Nadj Abonji. keystone

«Poetisch, komisch, experimentell» - das teilen nach den Worten von Jury-Sprecherin Julia Encke die sehr unterschiedlichen Bücher der sechs Finalisten. «Es sind Romane, deren Gemeinsamkeit wohl vor allem in ihrer Welthaltigkeit zu finden ist», erklärte die Literaturkritikerin der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Die weiteren Anwärter auf die prestigeträchtige Auszeichnung sind: «Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag» von Jan Faktor, «September» von Thomas Lehr, «Andernorts» von Doron Rabinovici, «Rabenliebe» von Peter Wawerzinek sowie «Dinge, die wir heute sagten» von Judith Zander.

Einen Tag lang habe die siebenköpfige Jury über die Kandidaten für die Shortlist diskutiert, sagte Jurysprecherin Encke: «Nicht immer, das gehört dazu, waren wir uns einig.»

Prominente auf Longlist

Die Jury traf eine Auswahl aus den 20 Titeln der Longlist. Darauf fanden sich auch Werke von Kristof Magnusson (»Das war ich nicht»), der 2005 Stadtschreiber in Langenthal BE war, sowie von Thomas Hettche (»Die Liebe der Väter»), der in Erschmatt VS und in Berlin lebt. Ursprünglich waren 148 Titel im Rennen um den Preis.

Der Gewinner der mit insgesamt 37'500 Euro (50'300 Franken) dotierten Auszeichnung wird am 4. Oktober, am Vorabend der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben.

Preis mit viel Resonanz

Der Deutsche Buchpreis, vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels organisiert, wird in diesem Jahr zum sechsten Mal vergeben. Er gilt inzwischen als die literarische Auszeichnung mit der grössten öffentlichen Resonanz im deutschsprachigen Raum.

Im vergangenen Jahr hatten Peter Stamm mit «Sieben Jahre» und die Wahlzürcherin Sibylle Berg mit «Der Mann schläft» einen Platz auf der Longlist erreicht. Auf die Shortlist kamen ihre Werke nicht. Dafür stand 2008 «Nach Hause schwimmen» des Zürchers Rolf Lappert in der Endauswahl.

«Tauben fliegen auf»: Bereits ein Verkaufsschlager

Melinda Nadj Abonji erzählt in «Tauben fliegen auf» die Geschichte einer ungarischen Familie aus der serbischen Provinz Vojvodina. Die Eltern dislozieren in die Schweiz und holen später, in den 1970er Jahren, ihre Töchter nach. Laut einer Buchkritik «ein bunter Schmöker voller Schalk und Melancholie“ mit vielen Schauplätzen: Von der serbischen Vojvodina über das Goldküsten-Café bis zur Zürcher Besetzerszene.

Von «Tauben fliegen auf» wurden bislang 6000 Exemplare verkauft, was sehr viel sei «für eine Schweizer Autorin bei einem kleinen österreichischen Verlag», wie Regina Rumpold von Jung und Jung in Salzburg sagte.

Derzeit sei das Buch vergriffen, eine zweite Auflage werde jedoch noch diese Woche ausgeliefert, erklärte Rumpold. Die dritte Auflage wird demnach bereits vorbereitet. Melinda Nadj Abonji wurde 1968 in Becsej/Serbien geboren. 2004 nahm die Autorin und Musikerin am renommierten Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil.

(sda/vaid)

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