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Prominente in Portugal als Kinderschänder verurteilt

Freitag, 3. September 2010, 15:05 Uhr, Aktualisiert 20:56 Uhr

Im bisher grössten Kinderschänder-Prozess Portugals hat das Gericht alle Angeklagten für schuldig befunden. Sechs der sieben Personen wurden zu Haftstrafen zwischen 6 und 18 Jahren verurteilt worden. Die Richter sprachen die sieben Personen, unter ihnen Prominente aus Politik und Medien, des Kindsmissbrauchs, der Vergewaltigung und der Kuppelei schuldig.

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Bild Zeichnung der Richter.
Die Richter befanden die 7 Angeklagten für schuldig. keystone

Die einzige Frau auf der Anklagebank wurde zwar auch schuldig gesprochen, wegen einer Gesetzesänderung aber nicht zu einer Haftstrafe verurteilt, erklärte das Gericht ohne weitere Erläuterung.

600-faches Verbrechen

Die Angeklagten wurden schuldig gesprochen, in den 90er-Jahren Minderjährige und Heranwachsende missbraucht, Kinder vergewaltigt und in dem staatlichen Kinderheim «Casa Pia» in Lissabon einen Pädophilen-Ring betrieben zu haben. Am längsten muss ein Fahrer des Heims ins Gefängnis, der mehr als 600 Straftaten gestanden hatte.

Der 53-Jährige hatte mit seinen Aussagen Mitangeklagte belastet, darunter einen Karrierediplomaten und früheren UNESCO-Botschafter, der 6 Jahre und 8 Monate ins Gefängnis muss, und ein populärer TV-Moderator, der 7 Jahre Haft erhielt.

Jahrelange Ermittlungen

Staatsanwalt Miguel Matias sagte, die die nun zwischen 16 und 22 Jahre alten Opfer seien mit dem Urteil zufrieden.

Die 32 Opfer hatten detailliert über ihre Peiniger ausgesagt und sie identifiziert, indem sie mit dem Finger auf sie zeigten. Mehr als 800 Zeugen und Experten sagten aus.

Der Skandal war 2002 durch einen Tipp bekanntgeworden, die lange Aufarbeitung hatte die Öffentlichkeit empört. Die Urteilsbegründung der drei Richter umfasst knapp 2000 Seiten;

«Das sind einige der schrecklichsten Geschichten, die ich in meinem Leben gehört habe.»
Ehemalige «Casa-Pia»-Heimleiter

Eines der Opfer sagte, er fühle sich erleichtert. «Das Gericht hat anerkannt, dass wir die Wahrheit gesagt haben», sagte er. «Es ist ein glückliches Ende für uns. Die Pädophilen gehen ins Gefängnis.»

Die angeklagte ehemalige Leiterin des Kinderheims «Casa Pia» sagte, sie werde nicht feiern, dass sie nicht ins Gefängnis muss. «Niemand, der voll bei Sinnen ist, kann nach so einem Fall glücklich sein», sagte sie. «Das sind einige der schrecklichsten Geschichten, die ich in meinem Leben gehört habe.»

Vertrauen in Kinderheime zerstört

In den über ganz Lissabon verteilten «Casa-Pia»-Häusern sind rund 4500 Minderjährige untergebracht.

Das Kinderhaus «Casa Pia» trage eine Mitschuld, da es die Verbrechen nicht aufgedeckt habe, erklärte die Vorsitzende Richterin Anna Peres während des Prozesses.

Der Umstand, dass Kinder eines staatlichen Heimes über Jahre von einem Pädophilenring ausgebeutet wurden, hat das Vertrauen vieler Portugiesen in die Institutionen des Landes erschüttert.

Für einige der Opfer hat der Prozess eine solche Belastung dargestellt, dass sie nach Angaben des leitenden Staatsanwalts versuchten, sich das Leben zu nehmen.

(sda/godc)

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