Kultur
Ein «Friedensschrei» für Nahost
Schon am zweiten Tag wird das Filmfestival Venedig politisch. Der New Yorker Maler und Regisseur Julian Schnabel bricht mit «Miral» eine Lanze für die Palästinenser. Und für eine Lösung des Nahostkonflikts. Einen «Schrei nach Frieden» nennt er das.
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In seinem fünften Film «Miral» zeichnet Schnabel («Le Scaphandre et le Papillon») das Leiden palästinensischer Frauen nach. Sollte Venedig heuer einen «politischen Löwen» vergeben wollen, gäbe es für die Jury unter Quentin Tarantino bereits einen Anwärter. Auch wenn «Miral» etwas schlicht daherkommt, und mit erhobenem Zeigefinger.
Die internationalen Medien nahmen etwas zurückhaltend auf, was am Abend nach dem Gang über den roten Teppich Weltpremiere haben sollte: Der Regisseur mit den jüdischen Wurzeln griff den erfolgreichen Roman «Miral» der muslimisch-arabischen Schriftstellerin Rula Rebreal auf.
Bildung führt zu Frieden
Die Geschichte von vier palästinensischen Frauen wird aus deren Sicht gezeigt: 1948 nimmt die engagierte Hind Husseini 55 Waisenkinder auf, Opfer der Gewalt im Zuge der Gründung des Staates Israel. Tausende werden es später sein, die in dem zur Schule umgebauten Haus ihrer Familie eine Bleibe finden.
Dazu stösst Miral («Slumdog Millionaire»-Beauty Freida Pinto). Die Liebe zu einem politischen Aktivisten bringt sie zeitweise vom Weg ab, doch kehrt Miral zur Ersatzmutter und zu deren Losung zurück - Bildung ebnet den Weg zum Frieden, nicht die Gewalt.
«Ein Dialog ist möglich, was gut ist für die Palästinenser, das ist auch gut für die Israelis», so Schnabel am Lido: «Der Konflikt muss so schnell wie möglich beendet werden.» Die Menschen beider Seiten verbinde mehr als sie trenne.
Langatmiges aus Japan
Um Liebe, Leiden und Tod dreht sich auch alles in dem japanischen Wettbewerbsfilm «Norwegian Wood» von Tran Anh Hung. Auf mehr als zwei Stunden in die Länge zieht der Löwen-Gewinner von 1995 («Cyclo») das nach einem Beatles-Song benannte Werk.
Der junge Watanabe kommt nicht von seiner seelisch stark geschädigten Liebe Naoke los. Er fühlt sich für sie verantwortlich und kann sich erst nach ihrem Selbstmord einer so ganz anders gepolten Frau zuwenden.
Wer sich auf den ruhigen und elegischen Film mit seinen überzeugenden Schauspielern einlässt, kommt auf seine Kosten.
(sda/dpa/engf)
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