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Chile: Bohrer frisst sich zu Kumpel in 700 Metern Tiefe

Mittwoch, 1. September 2010, 2:05 Uhr, Aktualisiert 02:08 Uhr

In Chile haben Experten einen Spezialbohrer in Betrieb genommen, der sich einen Weg zu den eingeschlossenen 33 Bergleuten in 700 Metern Tiefe bahnen soll. Damit steht die Rettungsaktion aber erst am Anfang: Die Kumpel können vermutlich erst Ende Jahr geborgen werden. Die Zeit drängt jedoch, denn viele der Verschütteten kommen physisch und psychisch an ihre Grenzen.

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Abgeschirmt von den bangen Blicken der Angehörigen und Medien hat der 31 Tonnen schwere Spezialbohrer seine Arbeit aufgenommen. Dieser bohrt einen 33 Zentimeter breiten Schacht zu den eingeschlossenen Bergleuten.

Dies reicht jedoch noch nicht. Ein zweiter Bohrer wird den Schacht anschliessend auf die doppelte Breite vergrössern. Erst dann ist dieser breit genug, um mit einer Rettungskapsel die Bergleute nacheinander bergen zu können.

Bohrer frisst sich langsam in die Tiefe

Diese Rettung ist nicht nur aufwändig, sondern braucht auch viel Zeit. Das Bohrgerät kann pro Tag zwischen 8 und 15 Meter in die Tiefe vordringen. Es könnte deshalb laut Experten bis zu vier Monate dauern, bis der Schacht fertiggestellt und die Eingeschlossenen an die Oberfläche geholt werden können.

Die Helfer müssen zudem äusserst vorsichtig vorgehen, da weitere Einstürze drohen. Zusätzlich gefordert sich auch die Verschütteten, die bis zu 4000 Tonnen herabfallendes Gestein wegräumen müssen.

Die 33 Kumpel sitzen seit einem Grubenunglück am 5. August im Bergwerk San Jose in der Atacama-Wüste fest. Sie harren in einem 50 Quadratmeter grossen Schutzraum aus und werden über ein kleines Bohrloch versorgt.

Mit Hilfe von Plastikröhren werden Lebensmittel in die Tiefe gelassen. Auch eine Gegensprechanlage wurde installiert. Am Sonntag konnten sie erstmals mit ihren Angehörigen sprechen.

Bild Karte Chile
Das Grubenunglück ereignete sich in der Atacama-Wüste nördlich von Santiago. sf

Den Verschütteten geht es den Umständen entsprechend gut. Wegen der feuchten und heissen Luft sind jedoch erste Krankheiten ausgebrochen. Einige leiden nach Angaben von Gesundheitsminister Jaime Mañalich an Infektionen und Hautgeschwüren. Zudem zeigten einige Anzeichen von Depressionen.

Es sei «eine nie zuvor bewältigte Aufgabe», die Männer unter Tage so lange gesund zu halten, sagte Mañalich. Experten zufolge ist es wichtig, dass die Männer geistig und körperlich fit bleiben.

Eingeschlossen in 700 Metern Tiefe

Den betroffenen Kumpels droht eine harte Zeit mit einer Achterbahn der Gefühle. Lesen Sie hier die Einschätzungen eines Fachpsychologen bei der Krisenintervention Schweiz.

Um die Bergleute zu unterstützen, hat die US-Raumfahrtbehörde NASA vier Experten nach Chile geschickt. Sie sollen ihre Erfahrungen mit Astronauten nutzen, wenn diese lange im All sind. «Die Umgebung mag anders sein, aber mental und hysisch ist es eine vergleichbare Situation», sagte NASA-Chefmediziner Michael Duncan.

(agenturen/meip)

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