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International

«Sarkozys Roma-Politik wird zum Boomerang»

Viviane Bühr
Dienstag, 24. August 2010, 20:23 Uhr

Präsident Nicolas Sarkozys neue Ausschaffungs-Politik bei Roma verärgert nicht nur Politiker. Jetzt schaltet sich auch die katholische Kirche ein. Laut SF-Korrespondent Adrian Arnold könnte dies den Präsidenten teuer zu stehen kommen. Denn viele seiner Wähler sind katholisch.

Bild Polizei und Roma-Familie
Die Polizei evakuiert eine Roma-Familie von einem illegalen Lager in der Nähe von Lille. reuters

Vertreter der katholischen Kirche wehren sich gegen die Räumung von Roma-Lagern und deren Ausschauffung. Am Montag forderte Papst Benedikt XVI. französische Pilger in einer Rede auf, ihre Kinder zur «universellen Brüderlichkeit» zu erziehen.

Ein französischer Priester, der die Roma seit Jahren unterstützt, drückte sein Missfallen deutlicher aus. «Das ist ein regelrechter Krieg, den die Romas ertragen müssen», sagte Frère Arthus. «Verzeihen sie mir, aber ich bete dafür, dass Sarkozy einen Herzinfarkt erleidet.» Später hat sich der Priester für diese Aussage entschuldigt. Sein Verdienstkreuz der französischen Republik, das er vor vier Jahren von der Regierung für seinen Einsatz für Menschenrechte erhalten hatte, will er nun zurückschicken.

Verzeihen Sie mir, aber ich bete dafür, dass Sarkozy einen Herzinfarkt erleidet.
Frère Arthur, katholischer Priester von Lille

SF-Korrespondent Adrian Arnold hält die Reaktionen der katholischen Kirche für gefährlich, denn: «Sarkozy hat so viele katholische Wähler wie seit 20 Jahren kein Präsident vor ihm.» Sarkozy reagierte darum rasch: Bereits hat Innenminister Brice Hortefeux die katholische Kirche um ein persönliches Treffen gebeten. Zwar ist die Trennung von Kirche und Staat in Frankreich heilig, jedoch soll die Kirche ihre Meinung wie jeder Bürger kund tun dürfen.

«Ein Schandfleck für unser Land»

Auch Sarkozys Erz-Rivale, der ehemalige Premierminister Dominique de Villepin, nimmt das Thema dankbar auf. Er nennt die Roma-Politik einen «Schandfleck für unser Land».

Die ehemalige Präsidentschafts-Kandidatin Ségolène Royal bläst ins gleiche Horn. Sie bezeichnet den Schachzug Sarkozys als Boomerang und hält ihn für ein Ablenkungsmanöver von der Spendengeld-Affäre. Die Multimilliardärin Liliane Bettencourt soll den Präsidenten vor seiner Wahl nämlich mit unerlaubt hohen Beträgen unterstützt haben.

De Villepin und Royal wettern gegen Sarkozys Roma-Politik.

Diese Meinung teilt auch SF-Korrespondent Adrian Arnold: «Bestimmt wollte er von der Bettencourt-Affäre ablenken». Die Roma-Massnahmen seien einen Tag vor der Anhörung von Arbeitsminister Eric Woerth angekündigt worden, welcher ebenfalls in die Spendengeld-Affäre verwickelt ist.

Moral und Gesetz

Jaque Myard, ein konservativen Politiker der Regierungspartei UMP, verteidigt die Politik von Sarkozy in einer Medienmitteilung. In einer Demokratie dürfe jeder seine Meinung ausdrücken, auch die Kirche, so Myard. Doch neben der moralischen bestehe auch eine gesetzliche Verpflichtung. Viele Roma seien illegal in Frankreich, und das Gesetz gelte für alle. Die Würde der Romas würde jedoch gewahrt.

Auch der Regierungssprecher Frédérich Lefèvre verteidigt Sarkozy: « Wenn Menschen illegal in unserem Land sind, dann wenden wir das Gesetz an, wie es sich für eine Demokratie gehört. Da muss uns niemand erklären, was Recht ist, und was nicht.»

Wenn Menschen illegal in unserem Land sind, dann wenden wir das Gesetz an, wie es sich für eine Demokratie gehört.
Frédérich Lefèvre, Abgeordneter Regierungspartei UMP

Obwohl viele der Wähler Sarkozys eine Politik der Sicherheit erwarten, hält Adrian Arnold das Vorgehen gegen Roma für einen undurchdachten Schnellschuss. «Er hat die falschen Opfer ausgesucht, denn es sind ja nur wenige, und es sind die Armen und Wehrlosen, was vielen gegen den Strich geht.»

55 Prozent würden Sarkozy nicht mehr wählen

Tatsächlich machen sich viele Franzosen Sorgen um ihr Ansehen im Ausland. So sprach die US-Zeitung «New York Times» über «Gestapo-Erinnerungen», die bei der Sarkozy-Politik hochkämen – ein Stich ins Herz der Franzosen, im Land der Menschenrechte.

Laut einer aktuellen Umfrage würden 55 Prozent der französischen Bevölkerung den amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy nicht mehr wiederwählen. Gewünscht wird eine neue, stärker linksorientierte Regierung.

55 Prozent der Franzosen wünschen eine neue Regierung («Tagesschau» vom 23.08.2010)
Kommentare aktiv...

B. Leser, Waubaubau
(Leser Mann)
Verfasst am: 27.8.2010 1:39

@

"55 Prozent würden Sarkozy nicht mehr... mehr

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H. Bruhin, Lugano
(secutor Mann)
Verfasst am: 26.8.2010 0:45

Nur Sarkosy kann

in Frankreich Ordnung schaffen, weil er selber... mehr

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B. Bedi, Alpnach
(bedis Mann)
Verfasst am: 25.8.2010 14:16

Katholische Kirche

Die katholische Kirche hat keine Macht mehr über... mehr

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