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Eingeschlossene in Chile: Achterbahn der Gefühle in 700 Metern Tiefe

Dienstag, 24. August 2010, 18:37 Uhr

Die nach einem Mineneinsturz im Norden Chiles eingeschlossenen Bergleute werden nach bisherigen Informationen noch lange ausharren müssen. Den betroffenen 33 Kumpels droht eine harte Zeit mit einer Achterbahn der Gefühle.

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Wenn die eingeschlossenen 33 Bergleute noch monatelang bis zu ihrer Rettung ausharren müssen, wird es enorme Gefühlsschwankungen – eine Achterbahn der Gefühle – geben. Dies sagte Christoph Müller, Fachpsychologe für Psychotherapie bei der Krisenintervention Schweiz, auf Anfrage von «tagesschau.sf.tv». Die Stimmungsbreite wird von himmelhoch jauchzend bis zur tiefsten Betrübung gehen.

Bild Zeitungsausschnitt mit den Porträts der 33 Bergleute
Die 33 Eingeschlossenen müssen möglicherweise bis Dezember auf ihre Befreiung warten. reuters

Derzeit herrscht fast 700 Meter tief im Berg sicher eine sehr grosse Euphorie vor, weil die Leute wissen, dass sie gerettet werden, sagte der Experte, der sich mit akuten Krisen befasst und auch als Notfallpsychologe tätig ist. Je länger die Rettung aber auf sich warten lässt, umso mehr wird der Koller aufkommen.

Gewisse Leute reagieren dann mit Depression, Resignation, Energieverlust und Apathie. Andere reagieren eher mit aggressivem Verhalten. «Das kann sogar so ausarten, dass sie aufeinander losgehen», sagte Müller. «Es kann Dramen geben bis hin zur Körperverletzung.»

Das lange Warten ist hart

Positiv wäre es, wenn jemand den Lead übernehmen würde, der einen klaren Kopf behält und vernünftig bleibt. Es kommt aber auch vor, dass sich rigide Strukturen entwickeln, indem die einen eine «Aufseher-Rolle» übernehmen und die anderen unterdrücken.

Bild Ein Angehöriger spricht der Funktelefon mit einem der Eingeschlossenen.
Immerhin gibt es jetzt Kontakt zu den Bergleuten, die in 700 Meter Tiefe ausharren müssen. reuters

Wenn die Langeweile überhand nimmt, steigt die Gefahr von aggressivem Verhalten laut Müller enorm an. Um das Warten erträglicher zu gestalten, wären Gespräche oder Spiele nicht die schlechteste Möglichkeit. «Die werden viele Spiele erfinden – der Mensch ist erfinderisch», fügte er hinzu.

«Den Ernstfall kann man simulieren, aber es bleibt eine Simulation.»
Christoph Müller, Fachpsychologe für Psychotherapie

Das eigene psychologische Verhalten in derart ausserordentlichen Situationen kann laut Müller nicht geübt werden. Der Ernstfall könne zwar simuliert werden, aber es bleibe lediglich eine Simulation, erklärte der Psychologe.

Im zwischenmenschlichen Bereich ist es in derartigen Extremsituationen möglich, dass sich eine Solidarität entwickelt, wo sie noch nicht vorhanden war. Es kann aber auch sein, dass alte Freundschaften zerbrechen und sich Beziehungen völlig neu gestalten, wie Müller erklärte.

Nach der Rettung droht die Traumatisierung

Nach der Rettung ist für die 33 Kumpels nicht einfach alles vorbei. Zum einen müssen sie lernen, mit der Öffentlichkeit umzugehen. «Die sind schon jetzt berühmt und werden es nicht gewöhnt sein, im Rampenlicht der Aufmerksamkeit zu stehen.» Laut Müller gibt es Leute, die das nicht ertragen und daran zerbrechen.

Zum anderen kann ein derartiges Erlebnis eine bleibende Traumatisierung bewirken. Symptome dafür sind etwa Angstträume, Schlaflosigkeit, plötzlich auftauchende Erinnerungen auch am Tag, oder Unruhe und Schreckhaftigkeit. Es kann auch ein gewisses Vermeidungsverhalten geben, indem sich Betroffene beispielsweise nicht mehr in einem dunklen Raum aufhalten oder nicht mehr in einem derartigen Umfeld arbeiten können. Wer das nicht verarbeiten kann – sei es alleine oder mit professioneller Hilfe, kann im Extremfall ein ganzes Leben lang darunter leiden.

(sf/coro)

Kommentare aktiv...

X. non-eu-päer, Zensoren+Ficheuren
(ch-ur-eingeborener Mann)
Verfasst am: 24.8.2010 21:57

...NOCH MONATE LANG EINGESCHLOSSEN !

...WELCHER MENSCH HÄLT EINEN SOLCHEN... mehr

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