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International

Flutopfer in Pakistan: «Allah bestraft uns für unsere Sünden»

Montag, 16. August 2010, 12:07 Uhr

Pakistan kommt nicht zur Ruhe. Der Regen hat vor einigen Stunden wieder eingesetzt. Während hunderttausene Flutopfer in provisorischen Zelten ausharren, warnen die Behörden vor neuen Überschwemmungen. Viele Flutopfer hadern mit ihrem Schicksal.

Der Unmut der Überlebenden verstärkt sich von Tag zu Tag. Einige Hundert Menschen blockieren mittlerweile eine Schnellstrasse in dem besonders betroffenen Gebiet Sukkur. Sie beklagen, dass sie wie Tiere behandelt würden und Regierungsvertreter nur Lebensmittel verteilen würden, wenn Medien dabei seien. «Sie schmeissen Lebensmittelpakete auf uns, als wenn wir Hunde wären», sagte ein Demonstrant.

«Das Hochwasser scheint uns überallhin zu verfolgen»
Augenzeuge

«Das Hochwasser scheint uns überallhin zu verfolgen», sagte ein anderer Mann, der am Rande einer Hauptstrasse in Sukkur sein Zelt errichtete. «Allah bestraft uns für unsere Sünden.»

Einschätzungen von Erwin Schmid, SF-Sonderkorrespondent, Karachi

Derweil erklärte der zuständige Minister in der Provinz Sindh, dass der Damm im Bezirk Sukkur grossen Belastungen ausgesetzt sei. «Die kommenden vier bis fünf Tage sind entscheidend», sagte er.

Sarkozy fordert Hilfe für Flutopfer

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy fordert angesichts der Flutkatastrophe eine europäische Eingreifmission. Frankreich sei bereit, die logistischen Mittel seiner Streitkräfte zu mobilisieren, um im Rahmen der NATO mit Flugzeugen und Schiffen Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete zu bringen, schreibt er in einem Brief an EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

«Überall ist Wasser»

Am Wochenende traf die Flut eine arme Region an der Grenze zwischen den Provinzen Sindh und Baluchistan. Die zweieinhalb Meter hohen Wassermassen hätten 25'000 Familien obdachlos gemacht, sagte ein Regierungsvertreter. Etwa 4000 Dörfer seien entweder abgeschnitten oder überflutet worden. «Überall ist Wasser», sagte er.

Bisher wurden rund 20 Millionen Menschen in Pakistan obdachlos. 160'000 Quadratkilometer, rund ein Fünftel des Landes, sind betroffen.

Am Sonntag besuchte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon das Katastrophengebiet und forderte schnellere Hilfe für die Opfer. Die Vereinten Nationen haben zunächst um Finanzhilfen in Höhe von 460 Millionen Dollar gebeten, davon gingen bisher 60 Prozent ein. Für den Wiederaufbau nach den Überschwemmungen sind nach Einschätzung der UNO mehrere Milliarden Dollar nötig.

Eine Satellitenkarte

Satellitenbilder als Orientierung

In Pakistan kommen bei der Organisation der Nothilfe Satellitenbilder zum Einsatz. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt stellt den Hilfsorganisationen aktuelle Daten zur Verfügung. Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation

(ap/widb)