Schweiz
Schelte für Pendlerzeitungen und Online-Portale
Unter der Veränderung in der Schweizer Medienwelt leidet die Qualität und damit auch die Demokratie. Dies zeigt eine Studie der Universität Zürich. Zerstörerisch seien der Vormarsch der Gratiszeitungen sowie die Gewohnheit der Konsumenten, nicht zu zahlen. Boulevard würde überbewertet und die Welt auf Agenturmeldungen reduziert. Allerdings: Der Präsident der Schweizer Presse kann der Studie gar nichts abgewinnen.
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Bekannt ist, dass im einstigen «Presseland Schweiz» Abonnementszeitungen deutlich Terrain verlieren und redaktionellen Ressourcen schwinden.
Gleichzeitig hat die Gratiskultur mit den Onlinemedien und den Pendlerzeitungen auf Seiten der Konsumenten das Kostenbewusstsein für professionellen Journalismus zerstört. Diese Situation zeigt das jetzt herausgegebene Jahrbuch 2010 Qualität der Medien - Schweiz des FÖG (Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft).
Lebrument ist mit der Studie nicht einverstanden
Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbandes der Schweizer Presse, widerspricht den Autoren in fast allen Punkten. Er findet, dass die Qualität in den letzten Jahren wesentlich besser geworden sei. Ausserdem ist er der Meinung, die Politik werde heute über die Medien für die Bevölkerung besser zugänglich und er ist froh darüber, dass die Leute "immerhin" Gratiszeitungen lesen.
Die Autoren sehen dadurch ein Qualitätsgefälle zwischen schwindenden Bezahl- und wachsenden Gratismedien. Das entsprechende Publikum wolle unterschiedlichen Inhalt. Durch diese Entwicklungen werde der wichtigste Service Public in der Demokratie geschwächt: Denn die Qualität der demokratischen Auseinandersetzung ist von den Vermittlungsleistungen der Informationsmedien abhängig, heisst es in der Mitteilung.
Qualitätsschwache Medien im Vormarsch
Die publizistische Versorgung durch qualitätsschwache Gratismedien Online wie Offline hat in der Schweiz markant zugenommen. Gleichzeitig steckt die Kaufpresse in einer grundsätzlichen Finanzierungskrise. Die Nutzung von Gratiszeitungen und Onlinemedien wird im Vergleich zur Abonnementspresse, sowie dem öffentlichem Radio und Fernsehen weiter zunehmen. Zu diesem Schluss kommen die Wissenschaftler.
Denn vor allem jüngere Altersgruppen zwischen 15 und 34 wurden in einer Gratiskultur sozialisiert, in der das Kurzlebige und der Human Interest, z.B. Boulevard, eine grosse Wichtigkeit hat. Dies gilt gerade auch für die Online-Newssites, die von der Reputation der Medientitel leben. Diese verfügen aber über zu wenig Ressourcen, um journalistischen Qualitätsanforderungen zu genügen.
Minarettinitiative: Form statt Inhalt
Dass der Qualitätsverlust der Medien in der Schweiz negative Folgen für die Qualität demokratischer Diskurse zeigt, beobachteten die Autoren unter anderem in der Vertiefungsstudie zur Minarettinitiative: Auffallend ist die Ungleichvertretung zwischen den das Verbot befürwortenden Parteien (drei Viertel der Parteienresonanz) und den ablehnenden Parteien (ein Viertel der Parteienresonanz).
Damit kehren sich in der Medienberichterstattung die Mehrheitsverhältnisse im Parlament exakt um. PR-Aktionen wie das Minarettplakat erreichen intensive mediale Beachtung. Entsprechend ist die Diskussion stark durch eine Fokussierung auf Formfragen (Stil, Tabubrüche) anstatt auf Inhalte charakterisiert.
Mehr Oberlunkhofen als Nordkorea
Das Buch hält fest, dass ausgerechnet im Zeitalter der Globalisierung und zum Zeitpunkt der globalen Wirtschaftskrise schwindet die Weltbeobachtung. Dafür erhält Nationales und vor allem Regionales eine grosse Bedeutung. Die Binnenorientierung der schweizerischen Medien auf Kosten der Auslandsberichterstattung hat im Zeitverlauf bemerkenswert zugenommen.
Studie zur Qualität im Journalismus
Das Ziel des Jahrbuchs ist die Stärkung des Qualitätsbewusstseins in den Medien. Resultate können im Internet abgerufen werden.
Die neuen Medien – Gratiszeitungen und die Newssites –, jedoch auch die Privatradios und viele Abonnementszeitungen reduzieren die Welt auf Agenturmeldungen. Nutzergruppen, die diese Medien konsumieren, nehmen eine Welt jenseits der Schweiz zur Kenntnis, die nur noch aus einer Abfolge von Krisen, Kriegen, Katastrophen und Affären besteht.
Bei der regionalen Orientierung im privaten Rundfunk und auch bei der regionalen Abonnementspresse ist darüber hinaus eine journalistische Orientierung festzustellen, die dem Human Interest und dem Sport im Vergleich überdimensionale Bedeutung verleiht.
Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbandes der Schweizer Presse, widerspricht fast den Autoren in fast allen Punkten. Er findet, dass die Qualität in den letzten Jahren wesentlich besser geworden sei. Ausserdem ist er der Meinung, die Politik werde heute über die Medien für die Bevölkerung besser zugänglich und er ist froh darüber, dass die Leute "immerhin" Gratiszeitungen lesen.
(sf/FÖG/engf)
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U. Keller, Klaeng
)
(sailer
Verfasst am: 15.8.2010 14:03
Zerstörerisch
Zerstörerisch sei der Vormarsch der... mehr
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R. Anderegg, Buchs
)
(karthago_77
Verfasst am: 15.8.2010 9:15
So ein Blödsinn, auch die bezahlten
Medien sind für die Demokratie nicht förderlich... mehr
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U. theiler, ettenhausen
)
(scara
Verfasst am: 14.8.2010 8:11
das problem
scheint ja zu sein, dass es die sogenannten... mehr
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