Schweiz
Flut in Nordindien: Ein Schweizer Augenzeuge berichtet
Über 150 Menschen starben, mindestens 300 werden noch vermisst: Die nordindische Himalaya-Region Ladakh leidet noch immer an den Folgen der Unwetter vom letzten Freitag. Ein Augenzeuge berichtet auf «tagesschau.sf.tv» über die Situation vor Ort.
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Betroffen ist auch der Schweizer Fotograf Martin Bissig. Er und sein Team stecken derzeit im kleinen Ort Tugje fest. Er beschreibt die Situation in der Katastrophenregion als «sehr unübersichtlich»: «Es fehlen verlässliche Informationen, wir können uns kaum ein Bild von der Lage machen», so Bissig.
Niemand könne ihnen sagen, welche Strassen befahrbar sind und welche nicht. Überschwemmungen und Erdrutsche haben Brücken, Strassen und Häuser zerstört. Deshalb verzögere sich ihre Reise zurück nach Leh, der Hauptstadt Ladakhs. «Wir sind aber in der glücklichen Lage, noch ein paar Tage ausharren zu können. Wir haben genügend zu essen», sagt Bissig.
Keine Nachricht von den eigenen Kindern
Tragisch ist die Situation für die Einheimischen. «Viele haben keine Ahnung, wie es ihren Verwandten geht, die anderswo in Ladakh leben», sagt Bissig. Er erzählt von Nomadenfamilien aus dem Hinterland, die bis jetzt nicht wissen, wie es ihren Kindern geht, die in Leh zur Schule gehen.
Sie können keinen Kontakt mit Leh aufnehmen, da die Telefonverbindungen in der ganzen Region unterbrochen sind. Auch per Handy könne man nicht telefonieren: «Das Hochwasser hat Mobilfunkantennen weggeschwemmt», sagt Bissig.
Seine Gruppe verfügt über ein Satellitentelefon, über das Bissig noch mit der Aussenwelt kommunizieren kann. Die spärlichen Informationen, die er auf diesem Weg in Erfahrung bringen kann, leitet er weiter an die Bevölkerung.
Touristen sind ohne Kenntnis der Region unterwegs
Auch viele ausländische Touristen wurden von den plötzlichen Überschwemmungen überrascht, zahlreiche sind noch immer von der Aussenwelt abgeschnitten. Drei Franzosen, ein Italiener und ein Spanier kamen in Ladakh ums Leben.
«Viele Leute, die hier unterwegs sind, sind schlecht vorbereitet», beobachtet Bissig. Sie begäben sich blauäugig auf die Reise, ohne die Region zu kennen. «In einer Katastrophensituation wird es dann gefährlich.»

200 Schweizer in der betroffenen Region
Das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat Kontakt zu rund 200 Schweizer Touristen, die sich in der Region Ladakh befinden. Die meisten sind in der Regionalhauptstadt Leh auf und in Sicherheit. Das EDA hat keine Hinweise auf Todesfälle oder Verletzungen von Schweizerinnen und Schweizern.
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