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Wenig Aufregung um Zombie-Porno in Locarno

Tobias Bühlmann, Locarno
Freitag, 6. August 2010, 18:53 Uhr

Gleich am ersten Tag hat am Filmfestival Locarno ein Film aus dem internationalen Wettbewerb für Aufsehen gesorgt. Spät abends lief der pornographisch angehauchte Zombie-Film «LA Zombie». Dieser hatte unlängst einige Wellen geworfen, als er wegen seines anstössigen Inhalts in Australien verboten wurde. Entsprechend gross war das Interesse in Locarno.

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Der neue künstlerische Leiter des Festivals, Olivier Père, versucht seiner ersten Ausgabe einen neuen Anstrich zu verpassen und den Horizont von Locarno zu erweitern. Dass er gerade «LA Zombie» des kanadischen Regisseurs Bruce LaBruce zeigt, dürfte aber auch an der Lust an der Provokation liegen. Schliesslich bringt nichts so viele Schlagzeilen wie ein kleiner Skandal.

Australische Sittenwächter schritten ein

Der Andrang an der Medienkonferenz vor der Ausstrahlung des Films schien Père recht zu geben. Etliche Kamerateams drängten sich im Konferenzraum, als der Direktor höchstpersönlich Regisseur Bruce LaBruce und sein Team vorstellte. Für kontroverse Diskussionen oder gar Entsetzen vermochte der Streifen - wenigstens bei den Journalisten - jedoch nicht zu sorgen.

Interview mit Regisseur Bruce LaBruce

In Australien hatte «LA Zombie» dagegen durchaus die Gemüter aufgeheizt: Das Filmfestival von Melbourne wollte den Film vor kurzem seinem Publikum zeigen. Den Sittenwächtern war der Film allerdings zu brisant, weshalb sie die Vorführung kurzerhand verboten. Zu viele Tabus brach der Streifen, der unter anderem Geschlechtsverkehr unter Homosexuellen und gar Nekrophilie zeigt.

Entsprechend gespannt wartete das Publikum von Locarno auf die Vorführung des Films. Gezeigt wurde er, wie es sich für einen Zombie-Streifen gehört, erst spät am Abend - womit Père gegen den früheren Festival-Usus verstossen hat, dass Filme des Internationalen Wettbewerbs jeweils nachmittags laufen. So versammelte sich kurz vor 23 Uhr eine beachtliche Zuschauerschar vor dem Kino, um sich ein eigenes Bild vom vermeintlichen Aufreger zu machen.

Offenes Publikum

Die bekannte Gelassenheit und das Interesse des Locarneser Publikums waren aber stärker als der Skandal, das Gezeigte vermochte die Gemüter kaum zu erhitzen. Geduldig sahen sich mehrere hundert Zuschauer «LA Zombie» an. Erstaunlich wenige verliessen den Saal vor dem Ende der Vorführung, und nur wenige nahmen Anstoss am Gezeigten.

Bei der grossen Mehrheit derer, die bis zum Ende geblieben sind, hielt sich allerdings auch die Begeisterung in Grenzen. Denn für einen wirklichen Skandal taugte «LA Zombie» nicht, die Billigst-Produktion hat dafür einfach zu wenig Sprengkraft. Olivier Père konnte mit der Auswahl des Films jedoch beweisen, dass er es ernst meint mit dem neuen Wind fürs Filmfestival Locarno und dafür auch Wagnisse eingeht.

«Kulturplatz extra» zieht Bilanz über das 63. Filmfestival von Locarno: 15. August um 22.45 Uhr auf SF 1.

Kommentare aktiv...

J. Simon, Bern

Verfasst am: 7.8.2010 4:15

wenig Anstoss am Gezeigten,

soll man sich wundern in unserer maßlos... mehr

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H. Löbli, Basel
(Getso Mann)
Verfasst am: 6.8.2010 20:26

Bruce LaBruce = Vice Magazine-Mitarbeiter

Wer dieses Blättchen und dessen Hintergründe... mehr

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