International
Öl-Leck: «Kritischste Phase überstanden»
Mehr als drei Monate nach der Bohrinsel-Explosion im Golf von Mexiko ist das Bohrloch nach Angaben des Ölkonzerns BP nun erfolgreich verschlossen worden. Matthias Reich, Experte für Öl-Bohrungen, erklärt, was genau das britische Unternehmen nun erreicht hat und was noch getan werden muss, damit das Leck endgültig verschlossen bleibt.
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Der «static kill» genannte Einsatz habe das «gewünschte Ergebnis» erbracht, teilte BP mit. Der Konzern hatte bereits am Dienstag damit begonnen, acht Stunden lang eine zähe Bohrspühlung von einem Schiff aus in das Bohrloch zu pumpen.
Nun sei das Bohrloch mit dieser zähen Flüssigkeit verschlossen worden. Das britische Unternehmen sprach dabei von einem «Meilenstein» im Kampf gegen die bislang grösste Ölpest in der US-Geschichte.
Die Ölkatastrophe im Zeitraffer
«sf.tagesschau.tv» wollte von Matthias Reich, Professor für Bohrtechnik, wissen, wie diese Aussage zu werten ist.Zudem schätzt er das Risiko als gering ein, dass das Leck künftig wieder aufbrechen könnte.
Herr Reich, wie gut sehen Sie die Chancen, dass BP mit dieser Aktion «static kill» nun das Leck tatsächlich versiegeln kann?
Die Chancen stehen meiner Meinung nach sehr gut. Der kritischste Teil ist geschafft: Die schwere Bohrspülung kann in die Bohrung eingepumpt werden.
Wie sieht dieser Vorgang konkret aus?
Am Anfang führte die Bohrspülung zu einem weiteren Druckanstieg, der theoretisch noch Schäden am Bohrloch hätte anrichten können.
Mit jedem Liter Bohrspülung, die nun eingepumpt wird, wird aber der flüssige «Stopfen» auf dem Öl schwerer und drückt es nach unten. Entsprechend nimmt der Druck am Bohrlochkopf auf dem Meeresboden immer weiter ab, das Bohrloch gerät so immer weiter unter Kontrolle.
Wenn der Druck komplett vom Bohrlochkopf genommen ist, hat man das Bohrloch wieder richtig unter Kontrolle.
Livestream vom Bohrloch
Auf der Internetseite des Erdölkonzerns BP kann die Operation «Static Kill» zur Schliessung des Bohrlochs live mitverfolgt werden.
Dann kann Zement eingebracht werden. Dieser wird möglichst tief unten in die Bohrung eingebracht und soll dort abbinden und aushärten.
Damit ist der Ausgang der Lagerstätte wieder vollständig verschlossen und das Öl ist wieder dort eingeschlossen, wo es vor der Havarie auch schon Jahrmillionen war: in der Lagerstätte.
Welches Risiko besteht, dass dieses Leck künftig wieder aufbrechen kann?
Das Risiko, dass das Leck wieder aufbricht, ist sehr gering, da der Zement –wenn er ordnungsgemäß eingebracht wird- stabiler ist, als das umgebende Gestein.

Matthias Reich: Experte für Bohrtechnik
Matthias Reich ist Professor für Bohrtechnik, Spezialtiefbauausrüstungen und Bergbaumaschinen an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Deutschland. Seit 2007 ist er ausserdem Direktor des Instituts für Bohrtechnik und Fluidbergbau.
2009 erschien sein Buch «Auf Jagd im Untergrund», in dem interessierten Laien in verständlicher Weise erklärt wird, wie Tiefbohrungen nach Öl und Gas abgeteuft werden.
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