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International

Aufgetauchte Millionen kratzen am «Mythos Haider»

Franziska Engelhardt
Montag, 2. August 2010, 14:17 Uhr

Versteckte der verstorbene österreichische Rechtspopulist Jörg Haider Millionen auf geheimen Konten? Die Ermittlungen laufen und eines scheint schon jetzt klar: Das in Liechtenstein entdeckte Geld lasse den strahlenden Mythos des Politikers erblassen, sagt ein österreichischer Politikwissenschaftler.

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Die bisher unbekannten Konten von Jörg Haider in der Höhe von fünf Millionen Euro wurden am vergangenen Samstag publik. Deshalb sei es noch schwierig zu sagen, wie sich dies konkret auf das Bild Jörg Haiders auswirken wird, erklärt Peter Filzmaier, Politikwissenschaftler an der Donau-Universität Krems gegenüber «tagesschau.sf.tv». Dennoch zeigten sich bereits Reaktionen.

Ehemalige Verbündete distanzieren sich

«Die rechten Parteien in Kärnten gehen seit dem Wochenende auf Distanz. Das rechtspopulistische Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), welches von Haider geführt wurde, und die Freiheitliche Partei (FPÖ) hatten sich nach dem tödlichen Autounfall noch darum gestritten, wer das Erbe Jörg Haiders besser betreue.»

Bild Porträt von Politikwissenschaftler Peter Filzmaier.
Laut Peter Filzmaier ist die Narrenfreiheit, die Haider zu Lebzeiten genoss, vorbei. Donau-Universität Krems

Auch im Volk sieht Filzmaier den Mythos Haider langsam ermatten. «Die Narrenfreiheit, die Jörg Haider zu Lebzeiten genossen hatte, dürfte vorbei sein.» Exorbitante Spesenausgaben für Hubschrauber-Flüge zu Veranstaltungen oder das Flair für teure Autos waren bekannt.

Seine finanziellen Extravaganzen wurden ihm bis jetzt immer verziehen. « Es war bemerkenswert, wie sich der reiche Haider trotz der hohen Ausgaben als Vertreter des kleinen Volkes positionieren konnte», doch das jetzt sei zu viel, erklärt er.

Auf Haiders Konten stiessen die Ermittler per Zufall. Diese untersuchten in Österreich, Deutschland und Liechtenstein mögliche Fälle von Untreue, Betrug und Bestechung rund um den Verkauf der inzwischen verstaatlichten Kärntner Hypo Group an die BayernLB im Jahr 2007.

«Brisant wird es, wenn herausgefunden wird, dass auch politische Weggefährten von den Konten wussten.»
Politikwissenschaftler Peter Filzmaier

Im Zuge der Ermittlungen wurden insgesamt 46 Briefkastenfirmen in Vaduz und Schaan geöffnet. Wie das österreichische Magazin «profil» am Samstag berichtet hatte, sollen bei 12 solcher Firmen auch Konten von Haider gefunden worden sein, in denen dieser 5 Millionen Euro deponiert habe. Vor Spekulationsverlusten solle der Wert dieser Konten gar rund 45 Millionen Euro betragen haben

Gerüchte um Spenden von Gaddafis Sohn

«Es stellt sich die Frage, ob dies ausschliesslich Privatgeld war? Er war zwar vermögend, aber 45 Millionen Euro sind nun doch etwas viel», gibt der Wissenschaftler zu bedenken. Haider wurde durch ein Erbe reich. «Die grosse Frage ist, woher die 45 Millionen stammen. Es gab bereits Gerüchte, wonach ein Sohn Gaddafis grosszügig für den Wahlkampf gespendet hatte», weiss Filzmaier.

Gewaltige politische Sprengkraft

Für die weitere Entwicklung ist nun die Schlüsselfrage, wer von den Konten wusste. «Wer waren und sind die Zeichnungsberechtigten. Dies lässt sich relativ einfach nachvollziehen», erklärt Filzmaier. Die Behörden in Liechtenstein und Österreich erklärten die Ermittlungsergebnisse jedoch zur Verschlusssache und geben keine Details preis.

«Brisant wird es, wenn herausgefunden wird, dass auch politische Weggefährten von den Konten wussten. Dies hätte eine gewaltige politische Sprengkraft».

Die Betroffenen dementieren, dass sie von den Konten wussten. Haiders Pressesprecher Stefan Petzner hielt seinem einstigen engen Freund die Treue: Richter und Staatsanwälte seien von der Regierung beeinflusst und würden versuchen, Haider kaputt zu machen und Kärnten zu schaden. «Das lasse ich nicht zu», sagte Petzner, der zwar die Existenz der Konten nicht bestritt, jedoch glaubt, dass bei der Grössenordnung Euro- mit Schilling-Beträgen verwechselt worden seien.

Claudia Haider, die Witwe des früheren Kärntner Landeshauptmannes, sagte dass sie nichts von den Konten wisse. Der Chef der Freiheitlichen in Kärnten, Uwe Scheuch, sagte ebenfalls, er wisse von nichts. «Ich kann nur ausschliessen, dass die Partei in irgendeiner Form darin verstrickt ist», sagte er dem ORF.

Geldflüsse an Parteien und Politiker sind in Österreich nur schwer nachzuvollziehen. Grössere Spenden müssen zwar dem Rechnungshof gemeldet werden, sind dort aber unter Verschluss

Kommentare aktiv...

H. ott, zürich
(prekarier Mann)
Verfasst am: 2.8.2010 21:37

warum diese aufregung?

da hat doch nur einer die portokasse des herrn... mehr

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S. Segal, Zürich
(O.S. Frau)
Verfasst am: 2.8.2010 18:20

Welcher Mythos?

Für mich bestätigt sich eher das bürgerliche... mehr

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R. Meier

Verfasst am: 2.8.2010 17:33

Von den aufrechten Spezis in der Schweiz

ist ja doch schon Herr Dr. Giezendanner als... mehr

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