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Lokführer schuld an Glacier-Express-Unglück

Freitag, 30. Juli 2010, 11:14 Uhr, Aktualisiert 16:48 Uhr

Das tragische Zug-Unglück im Kanton Wallis vor einer Woche wurde durch menschliches Versagen verursacht. Der Lokführer des Glacier-Express hatte an der Unglücksstelle zu früh beschleunigt, teilten die Verantwortlichen an einer Medienkonferenz mit.

Bild Ein Mann steht vor einer Leinwand und zeigt auf etwas.
Der Lokführer hatte zu früh Gas gegeben, wie der UUS-Leiter Walter Kobelt erläuterte. sf

An der Stelle galt zur Zeit des Unglücks wegen Instandsetzungsarbeiten eine Temporeduzierung.

«Der Lokführer durfte noch nicht beschleunigen.»
Walter Kobelt, Leiter der Unfall-Untersuchungsstellen Bahnen und Schiffe

Der Zugführer fuhr an der Unglückstelle zunächst mit 35 km/h, beschleunigte dann auf 56 km/h und musste dann eine Vollbremsung durchführen. Dies ergab die Analyse des Fahrdatenschreibers, erklärte Walter Kobelt, Leiter der Unfall-Untersuchungsstellen Bahnen und Schiffe (UUS).

Diese Daten zeigen, dass der Lokführer zu früh beschleunigte, da er dies erst gedurft hätte, wenn alle Wagen das Temposchild von 55 km/h passiert haben. Zuvor galt eine Tempolimite von 35 km/h.

Der Lokführer gab allerdings bereits Gas als die Lokomotive das Temposchild von 55 km/h passierte. Dadurch wurde die Zentrifugalkraft auf die hinteren Wagen zu stark, so dass diese entgleisten und umkippten, erklärte Kobelt.

Walter Kobelt, UUS-Leiter über den Unfallhergang

Lokführer unter Zeitdruck?

Anonyme Quellen hatten zuvor gegenüber dem «Walliser Boten» erklärt, dass die Lokführer der Matterhorn-Gotthard-Bahn aufgrund des sehr engen Fahrplans unter enormen Zeitdruck stünden.

Auf die Frage von SF-Korrespondentin Silvia Graber, ob dies den Tatsachen entspreche, sagte Hans-Rudolf Mooser, Direktor der Matterhorn-Gotthard-Bahn: Die Sicherheit stehe an erster Stelle und dies wüssten auch die Lokführer. Zwar sei der Fahrplan eng, aber durchaus fahrbar. Dies sei von Experten überprüft worden. Die Matterhorn-Gotthard-Bahn weise daher alle derartigen Vorwürfe von sich.

Zuvor hatte Mooser die Schwere des Unglücks hervorgehoben. Gleichzeitig nahm er jedoch den Lokführer des verunglückten Zuges in Schutz.

Hans-Rudolf Mooser, Direktor der Matterhorn-Gotthard-Bahn

Wetter, Geologie und Material unverändert

Keinen Einfluss auf das Unglück hatten dagegen das Wetter, die geologischen Begebenheiten der Unglücksstelle sowie der Zustand des Materials, erklärte Kobelt in seinen Ausführungen.

Die Temperaturen lagen mit 12 bis 28 Grad Celsius im Normalbereich. Sie hatten damit keine Auswirkungen. Auch das Rollmaterial, der Wagenkasten und die Gleise zeigten keine Auffälligkeiten.

Ein geologisches Gutachten zeigte zudem, dass keine ungewöhnlichen Veränderungen an der Unglücksstelle bestanden. Vor allem das Gelände unter den Schienen hatte sich nicht abgesenkt, wie es zwischenzeitlich vermutet worden war, sagte Kobelt.

Entschuldigung und Bedauern

Der Vize-Präsident des Staatsrats Kanton Wallis, Jacques Melly, sprach der Familie des Opfers sein tiefes Beileid aus. Auch gegenüber den Verletzten zeigte er sein tiefes Bedauern und entschuldigte sich für das Unglück. «Wir sind alle erschüttert, ob so viel Leid», sagte er.

Jacques Melly, Vize-Präsident des Staatsrats Kanton Wallis

Der Direktor des Gesundheitsnetz Wallis, Dietmar Michlig, sprach ebenfalls sein Beileid gegenüber der Familie der Getöteten aus. Zudem informierte er über den Zustand der Verletzten.

Dietmar Michlig, Direktor Gesundheitsnetz Wallis über Zustand der Verletzten

Auch Jean-Pierre Schmid, Präsident des Verwaltungsrats der Matterhorn-Gotthard-Bahn zeigte sich tief bewegt durch das Unglück. «Wir sind bestürzt über das Unglück und dass dieses auf menschliches Versagen zurückzuführen ist, beschämt uns ganz besonders.»

Eine Tote und mehrere Verletzte

Vor genau einer Woche kippten kurz vor Fiesch (VS) die hintersten beiden Wagen des Panoramazuges des Glacier-Express‘. Der Zug war mit ungefähr 200 Passagieren unterwegs vom Wallis in Richtung Bündnerland.

Der Lokomotivführer hatte ausgesagt, er habe vor dem Unfall eine Verformung der Schienen gesehen, habe jedoch nicht mehr bremsen können. Ob es diese Deformationen wirklich gegeben hat, konnte im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden, da die Schienen wegen des Unfalls zu sehr beschädigt waren.

Bei dem Unglück ist eine 64-jährige Touristin aus Japan ums Leben gekommen. 40 weitere Personen wurden teils schwer verletzt.

(sf/kokb/gern)

Kommentare aktiv...

R. Kher
(Rajvr )
Verfasst am: 4.8.2010 0:46

Accident victim

I really don't know whether the driver is at... mehr

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L. andreas, breitenbach
(LFP Mann)
Verfasst am: 3.8.2010 23:20

Alles im Butter...

Die Japaner können in ihrem Land einen... mehr

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D. S, Gossau ZH
(ddss Mann)
Verfasst am: 1.8.2010 12:36

Tatsächlich...

...hat es sich ganz anders zugetragen. Das... [1]  mehr

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