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Gianfranco Fini: Vom Neofaschisten zum Berlusconi-Herausforderer
Mit dem eklatanten Bruch zwischen dem italienischen Premier Silvio Berlusconi und dem Präsidenten der Abgeordnetenkammer Gianfranco Fini geht eine politische Allianz und eine persönliche Freundschaft zu Ende. Sie hatte die italienische Politik 17 Jahre lang geprägt.
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Noch vor eineinhalb Jahren hatten Berlusconi und Fini gemeinsam die Mitte-Rechts-Partei «Popolo della Libertà» (PdL - Volk der Freiheit) durch eine Fusion ihrer Gruppierungen Forza Italia und Alleanza Nazionale gemeinsam ins Leben gerufen.
Nun verzichtet Berlusconi nicht nur auf seinen bis vor wenigen Monaten zuverlässigsten Verbündeten, sondern vor allem auch auf einen der brillantesten Strategen der italienischen Politik und einen Protagonisten der Mitte-Rechts-Allianz.
Aufstieg bei den Neofaschisten
Der 1958 in Bologna geborene Fini hatte sich als Student der neofaschistischen MSI angeschlossen. Fünf Jahre lang leitete er die Jugendorganisation der MSI und schrieb gleichzeitig für das Parteiblatt «Il Secolo d'Italia». Er wurde zum Kronprinzen des Neofaschistenführers Giorgio Almirante, eines ehemaligen Mitstreiters von Benito Mussolini, und wurde 1983 zum Abgeordneten gewählt.
Drei Jahre nach dem Tod des charismatischen MSI-Gründers Almirante wurde Fini 1991 zum neuen Parteichef ernannt. In wenigen Jahren gelang es Fini, die intern und international isolierte MSI-Partei in eine moderatere Rechtsbewegung umzuwandeln, die vor allem Jugendliche anspricht.
Wahlallianz eingegangen
Die Wende wurde 1994 endgültig vollzogen: Fini wandelte die MSI in die Rechtspartei Alleanza Nazionale (AN) um und suchte den Dialog mit anderen politischen Gruppen. Er ging zur faschistischen Vergangenheit der Partei auf Distanz, besuchte das KZ in Auschwitz und fand wachsenden Zuspruch beim Bürgertum.
Danach ging er eine Wahlallianz mit der Partei Forza Italia ein, die Berlusconi 1994 gegründet hatte. Bei den Parlamentswahlen 1994 erhielt Finis Gruppierung 13,5 Prozent der Stimmen und wuchs somit zur drittstärksten Partei in Italiens Parlament an.
Trotz internationaler Proteste durfte die AN den Vizepremier stellen und fünf Ministerposten besetzen. Fini verteidigte sich eloquent gegen die internationalen Attacken. Nur eine Minderheit in der AN sei «neofaschistisch», beteuerte er.
Konkurrenz für Berlusconi
Nach Berlusconis erneutem Wahlsieg 2001 übernahm Fini den Posten des Vizepremiers. Zwischen 2004 und 2006 besetzte er auch das Amt des Aussenministers. Er arbeitete unermüdlich am Image der von ihm aufgebauten «neuen Rechten».
Während Berlusconis zweiter Regierungszeit erwies sich Fini als ein treuer Verbündeter Berlusconis, wurde zugleich aber zu seinem gefährlichsten Konkurrenten im Mitte-Rechts-Lager: Fini leugnete nie, dass er gern die Führung der Mitte-Rechts-Allianz übernehmen würde, sollte Berlusconi seine politische Karriere beenden.
Nach Berlusconis neuem Wahlsieg 2008 wurde Fini zum Präsidenten der Abgeordnetenkammer gewählt. Seine institutionelle Rolle hinderte ihn jedoch nicht daran, immer wieder, seine Meinung zu äussern, die oft mit der Linie des Regierungschefs in Konflikt stand.
Fusion grösster politischer Fehler
Im März 2009 machte Fini wohl seinen grössten politischen Fehler. Unter dem Druck des Medienzars Berlusconi, der seine Machtposition im Mitte-Rechts-Lager konsolidieren und die italienische Parteienlandschaft vereinfachen wollte, stimmte er der Auflösung seiner Alleanza Nazionale und deren Fusion mit Berlusconis Forza Italia zu.
Damit entstand die Mitte-Rechts-Partei «Popolo della Libertà», in der Fini und seine Vertrauten jegliche Führungsposition verloren. Im Bestreben, sich politisch zu profilieren und seine Identität innerhalb der neuen Gruppierung zu bewahren, geriet der ambitionierte Fini immer öfter mit Berlusconi in Konflikt.
Seit Monaten sind die Beziehungen zwischen Fini und Berlusconi äusserst gespannt. Nachdem er vergangene Woche eine Moralisierungskampagne in der von Korruptionsskandalen geplagten Partei gefordert und Kritik an einem umstrittenen Abhörgesetz Berlusconis geübt hatte, verlor der Premierminister die Geduld und drängte Fini aus der Partei.
(sda/hesa)
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