International
Bettencourt-Affäre: Polizei befragt Woerth
In der Spendenaffäre um die L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt hat der französische Arbeitsminister Eric Woerth die gegen ihn während eines Verhörs erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Er wird verdächtigt, illegale Parteispenden von Bettencourt erhalten zu haben. Als Schatzmeister der Regierungspartei UMP soll er zudem von der Milliardärin eine Spende in Höhe von 150'000 Euro in bar entgegengenommen haben.
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Er habe als Schatzmeister im Präsidentschaftswahlkampf 2007 nur Geld angenommen, das nach dem Gesetz zulässig gewesen sei, sagte Woerths Anwalt, Jean-Yves Le Borgne, zur Einvernahme Woerths durch die Polizei.
Den Gerüchten ein Ende machen
Woerth, der sein Amt als Schatzmeisters von Sarkozys Partei UMP Ende des Monats abgibt, habe auch erklärt, bei Bettencourt nicht auf eine Einstellung seiner Frau Florence als Finanzberaterin gedrungen zu haben. Das hatte in ihrer Vernehmung auch Florence Woerth gesagt.
Anwalt Le Borgne berichtete weiter, dass die Vernehmung des Ministers lange gedauert habe. Dies weil «Eric Woerth seit langem die notwendigen Erklärungen abgeben wollte, um einigen Gerüchten ein Ende zu machen, die nichts als Fantasie sind».
Der Minister hatte in den vergangenen Wochen mehrfach gesagt, er wolle so schnell wie möglich vernommen werden, um für «Transparenz» zu sorgen und die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen. Er hatte unlängst auch Anzeige wegen Verleumdung erstattet.
Auch Frankreichs Justiz im Fokus
Woerth gilt als einer der wichtigsten Minister und als Vertrauter Sarkozys. Nicht nur deshalb stellen sich die Franzosen die Frage, ob die Justiz überhaupt ein Interesse an einer Aufklärung hat.
In die Kritik war Woerth geraten, als heimliche Tonaufnahmen aus Bettencourts Villa an die Öffentlichkeit gelangt waren.
Aus den Tonbändern geht hervor, dass die Hauptaktionärin des Kosmetikkonzerns L'Oréal knapp 80 Millionen Euro am französischen Finanzamt vorbei auf zwei Schweizer Konten deponiert haben soll. Zudem soll sie eine angeblich 500 Millionen teure Insel auf den Seychellen nicht in der Steuererklärung angegeben haben soll.
In einem von der Regierung in Auftrag gegebenen Untersuchungsbericht wurde Woerth aber bescheinigt, er habe sich als damaliger Haushaltsminister nicht in die Steuersache Bettencourt eingemischt.
Verästelte Affäre
In der verästelten Affäre um die 87-jährige Milliardärin laufen derzeit verschiedene Ermittlungsverfahren - unter anderem nach einer Anzeige von Bettencourt, die sich gegen den «Lauschangriff» in ihrer Villa wehrt.
Der langjährige Butler von Bettencourt hatte seit Mai vergangenen Jahres gut ein Jahr lang zahlreiche Gespräche zwischen seiner Arbeitgeberin und ihrem Vermögensberater sowie Notar heimlich aufgezeichnet. Er gab die Aufnahmen dann Bettencourts Tochter, die ihre Mutter entmündigen lassen will und die Tonbänder an die Polizei weiterreichte.
Nach Einschätzung der Tochter wird die schwerhörige Bettencourt von ihren Beratern und Vertrauten ausgenutzt. So soll ein langjähriger Freund der Milliardärin, gegen den die Tochter klagt, die alte Dame im Lauf der Zeit um rund eine Milliarde Euro in Form von Lebensversicherungen, Immobilien, Gemälden und Schecks erleichtert haben.
(sda/apn/bers/godc)
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