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Vermischtes

Sauber und schnell rund um die Welt

Sabina Hübner
Freitag, 23. Juli 2010, 7:33 Uhr

Toys for Boys: Von Kindesbeinen an haben Tobias Wülser Kabinenmotorräder fasziniert. Nur das Design, das fand er schon immer schrecklich. Eine Ausbildung bei Sauber Petronas später ändert eine rote Ampel sein Leben. Im August steht er mit seinem eigenen Elektro-Kabinenmotorrad am Start eines Rennens rund um die Welt.

Der Rest der Geschichte schreibt sich wie Schicksal. Als die rote Ampel auf grün schaltet, wird Wülser von einem Zweirad überholt. Er folgt dem Einspurfahrzeug und kommt mit dem Besitzer ins Gespräch. Der Fahrer entpuppt sich als Felix Wagner, der CEO der Peraves AG in Winterthur, der bei seinen Zweirädern seit Jahren auf Energieeffizienz setzt.

Wülser nimmt seinen Mut zusammen und schenkt Wagner reinen Wein ein. Seine Motorräder seien zwar klasse, aber man müsste sie schon vom Aussehen her neu gestalten.

Vom Monotracer zum Zerotracer

Wülser schlägt vor, im Rahmen seiner Diplomarbeit eine Designstudie zu einem Kabinenmotorrad zu erarbeiten. Das Resultat überzeugt – daraus entsteht der Monotracer, ein Kabinenmotorrad bei Peraves AG.

Doch Wülser will noch weiter gehen. Angeregt oder nach seinen Worten «infiziert» mit dem Gedanken hat ihn der Solartaxi-Pionier Louis Palmer. Als erster Mensch umrundet Palmer 2008 mit einem ausschliesslich solarenergiebetriebenen Auto die Welt. Palmer plant noch während seiner Weltreise einen weiteren Coup: Ein Rennen mit Elektroautos rund um die Welt.

Bild Der Zerotracer.
Etwas für's Auge: Der Zerotracer als neue Generation von Elektrofahrzeugen. design-werk

Wülser wittert seine Chance und findet innerhalb von kürzester Zeit Sponsoren. Überzeugen kann vor allem sein Argument: Keine Emissionen. Innerhalb von wenigen Monaten ist der Prototyp fertig: Der Zerotracer. 300'000 Franken hat es gekostet, bis Wülser mit Schnelligkeit und Bequemlichkeit zufrieden ist.

Technische Daten zum Zerotracer

Passagiere 2
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in weniger als 4,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Maximales Gewicht 850 kg
volles Nachladen der Batterien rund 90 Minuten
Schnelles Nachladen (80 %) weniger als 30 Minuten
Reichweite mit einer Ladung max. 500 km
Leistung 4 kW/100 km

Seine Mischung aus Motorrad und Auto bringt über 180 PS auf die Strasse, hat eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 250 km pro Stunde und bietet zwei Personen Platz. Das wohl schnellste Elektrogefährt weltweit.

In 80 Tagen um die Welt

Doch der ultimative Lackmustest steht noch bevor. Am 15. August fällt der Startschuss in Genf. Dann wird sich zeigen, ob der Prototyp auch den Strassentest besteht.

Animation der Weltreise mit mehreren Stationen.

Tobias Wülser tritt mit seinem Teamkollegen Frank Loacker gegen sechs Teams mit anderen Elektroautos an. Der Zerotracer bietet genügend Platz für Schlafsäcke, Zelt, Essen und Wasser. Dem Team geht es aber nicht darum, die Schnellsten zu sein – «Geschwindigkeitsbussen könnten wir uns gar nicht leisten», meint Wülser. Er sieht das Rennen mehr als Test und Vermarktungsmöglichkeit für sein Fahrzeug.

Bild Tobias Wülser und sein Teamkollege Frank Loacker.
Die beiden Schweizer Pioniere Tobias Wülser und Frank Loacker. design-werk

Für Wülser sind Autos oder Fahrzeuge, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, die Zukunft. Sein Ziel ist, weltweit auf deren Attraktivität und Umweltfreundlichkeit hinzuweisen. Auch wenn dabei einige Schlaglöcher überwunden werden müssen. Insbesondere könnte das Aufladen der Fahrzeuge unterwegs zur Bewährungsprobe werden. Doch Wülser ist optimistisch: «Es gibt immer noch mehr Steckdosen auf der Welt als Tankstellen.»

Zerotracer fährt mit Solarstrom

Nicht immer wird der Strom auf der Rennstrecke aus erneuerbaren Energien stammen. Deshalb haben die Teilnehmer so etwas wie ein Stromkonto eingerichtet.

Für den Zerotracer produziert Hauptsponsor Oerlikon Solar Solarstrom entsprechend der verbrauchten Menge. Es wird laut Tobias Wülser sogar rund 10 Prozent mehr produziert als verbraucht. Dieser «Zusatzstrom» landet im öffentlichen Netz.

Zusätzlich müssen die Fahrzeuge auch einige Strecken per Schiff bewältigen. Damit das Rennen auch wirklich keine Emissionen produziert, wird die Bilanz über die internationale Klimaschutzorganisation myclimate CO2-neutral ausgeglichen. Myclimate unterstützt mit dem Geld Umweltprojekte weltweit.