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Die Öl-Katastrophe vor der US-Küste im Zeitraffer
Bei der Explosion der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April 2010 waren elf Arbeiter ums Leben gekommen. Über Wochen flossen rund 780 Millionen Liter Öl ins Meer. Erst nach über drei Monaten, am 4. August, konnte das Leck in 1500 Metern Tiefe versiegelt werden. Die Ölkatastrophe im Zeitraffer.
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Februar 2001
Die von Hyundai in Südkorea gebaute Öl-Bohrinsel «Deepwater Horizon» (Bild) wird im Golf von Mexiko in Betrieb genommen. Eigentümerin ist das in Zug beheimatete Unternehmen Transocean. BP schliesst für die Anlage einen Leasing-Vertrag bis 2013 ab.
20. April 2010:
Auf der Bohrinsel ereignet sich eine Explosion (Bild) offenbar wegen Fehlfunktion eines Sicherheitsventils. Darauf bricht ein Brand aus. 115 Arbeiter können gerettet werden, elf kommen ums Leben.
22. April
Die Bohrinsel sinkt. An der Unglücksstelle laufen gewaltige Erdölmengen ins Meer. BP versucht vergeblich mit Tauchrobotern den Abfluss zu unterbinden. Ferner setzt sie Chemikalien (Corexit) ein, um das Öl aufzulösen.
29. April
Erste Ausläufer des Ölteppichs tauchen vor Inseln im Mississippi-Delta (Louisiana) auf. Die US-Regierung erklärt die Ölverschmutzung zur nationalen Katastrophe und setzt neue TiefseeBohrungen aus.
2. Mai
US-Präsident Obama besucht die betroffene Region und verspricht der Bevölkerung Hilfe. Nach Louisiana und Florida rufen auch die Bundesstaaten Alabama und Mississippi den Notstand aus.
8. Mai
Der Versuch, das offenstehende Bohrloch mit einer riesigen Stahlglocke zu verschliessen und so das Öl abzupumpen, scheitert. Eiskristalle verstopfen die Öffnungen.
11. Mai
Bei einem Hearing des US-Senats machen sich die Vertreter der beteiligten Firmen BP America, Transocean und Halliburton (die für die Verschalung des Bohrloches zuständig war) gegenseitig für die Katastrophe verantwortlich.
16. Mai
Nach mehreren Fehlschlägen gelingt es Experten, ein Absaugrohr in die defekte Steigleitung einzuführen und einen kleinen Teil des Öls auf ein Schiff abzupumpen.
17. Mai
Der für die Kontrolle der Tiefsee-Bohrungen zuständige Abteilungsleiter der US-Behörde für Mineralienförderung (MMS), Chris Oynes, tritt zurück. Zuvor hatte Präsident Obama die Lizenz-VergabePraxis der Behörde und das Sicherheits-Regime für Tiefseebohrungen kritisiert.
20. Mai
Im Bundesstaat Louisiana wird dickflüssiges Schweröl angespült und in die empfindlichen Sumpfgebiete des Marschlandes getrieben. In den Medien wird über mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen bei den Tiefseebohrungen spekuliert.
25. Mai
Wegen der Ölpest rufen die USA in Louisiana, Mississippi und Alabama den Fischereinotstand aus. Der Fischfang kann mit Bundesmitteln unterstützt werden.
26. bis 30. Mai
BP versucht, mit zähem Schlamm und Zement das leckgeschlagene Bohrloch zu stopfen («Top Kill»-Methode), was aber misslingt. Nun soll ein Steigrohr zur Quelle am Meeresgrund abgesägt und auf die Öffnung eine Kuppel gestülpt werden. Dort soll ein Grossteil des Öls aufgefangen und durch eine Leitung zu einem Schiff geleitet werden.
4. Juni
Den Ingenieuren gelingt es, einen Behälter über dem Leck zu platzieren. Allerdings strömt weiterhin Öl ins Meer, nur ein kleiner Teil kann kontrolliert zu einem Schiff abgeleitet werden. Ölklumpen erreichen inzwischen die Strände von Florida.
10. Juni
Allein in Louisiana haben inzwischen mehr als 70 Menschen ärztliche Hilfe gesucht - wegen Übelkeit, Kopfschmerzen, entzündeten Augen und Atembeschwerden. Mindestens 1100 ölverschmierte Vögel wurden gefunden, der grösste Teil von ihnen tot.
11. Juni
Wissenschafter der US-Geologiebehörde gehen davon aus, dass täglich bis zu 5400 Tonnen Öl aus dem Bohrloch schiessen könnten.
16. Juni
In seiner ersten Rede aus dem Oval Office wendet sich Obama direkt an die Nation. Die Ölpest werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. In ihrer Energiepolitik müssten die USA eine Wende einleiten. BP zahlt 20 Milliarden Dollar in einen unabhängigen Entschädigungsfonds.
17. Juni
BP-Chef Tony Hayward (Bild) muss sich einem sechsstündigen Kreuzverhör im US-Kongress stellen.
22. Juni
Ein US-Gericht erklärt ein von Obama verhängtes Verbot von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko für nichtig.
30. Juni
Der im Golf von Mexiko tobende Tropensturm «Alex» entwickelt sich zum Hurrikan. Darunter leiden die Bemühungen zur Eindämmung der Ölpest.
13. Juli
BP stülpt einen 68 Tonnen schweren Zylinder über die Quelle. Zwei Tage später ist sie komplett verschlossen. Parallel arbeitet der Konzern an einem Nebenzugang zum Hauptbohrloch.
15. Juli
Erstmals seit drei Monaten fliesst kein Öl mehr in den Golf von Mexiko. Den BP-Experten gelingt es, alle Ventile des neuen Auffangzylinders zu schliessen.
18. Juli
Die Tests mit der provisorischen Abdeckkappe werden um weitere 24 Stunden verlängert. Die Belastungsphase wird durch BP ausgedehnt, weil die gelieferten Messdaten für das endgültige Verschliessen der Quelle genutzt werden können.
19. Juli
Das Ölleck bleibt dicht, allerdings tauchen neue Bedenken auf. Die Wissenschaftler sorgen sich um den zu geringen Druck in den Abdeckventilen. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Öl an einer anderen Stelle aussickert.
21. Juli
Um die Schäden bezahlen zu können, verkauft BP für sieben Milliarden Dollar Öl- und Gasfelder in den USA, Kanada und Ägypten.
22. Juli
Wegen eines drohenden Tropensturms wird die Entlastungsbohrung zur endgültigen Versiegelung des Lecks für rund drei Tage unterbrochen.
27. Juli
BP erklärt den Rücktritt von Vorstandschef Tony Hayward zum 1. Oktober 2010, seine Nachfolge übernimmt der Amerikaner Bob Dudley.
3. August
Bisher sind 780 Millionen Liter Öl aus dem Bohrloch geflossen. Laut Forschern bedeutet dies, dass die Katastrophe im Golf von Mexiko die grösste Ölpest aller Zeiten ist. BP führt die letzten Vorbereitungen für die Operation «Static Kill» durch. Damit soll das Bohrloch endgültig versiegelt werden.
4. August
BP meldet Erfolg der Operation «Static Kill», bei der schwerer Schlamm in die Steigleitung im Meeresboden gepumpt wurde, um das Leck zu versiegeln.
5. August
BP beginnt mit der dauerhaften Versiegelung des Bohrlochs. Dabei wird Zement in den Bohrschacht gepumpt.
4. September
BP hat ein defektes, 450 Tonnen schweres Sicherheitsventil auf dem Bohrloch ausgetauscht. Um das Leck für immer zu stopfen, sollen mit der Operation «Bottom Kill» nun auch noch von unten Schlamm und Zement in die Quelle tief unter dem Meeresboden gepumpt werden.
8. November
Rund vier Monate nach dem Untergang der BP-Plattform «Deepwater Horizon» hat sich erneut eine Explosion auf einer Ölplattform im Golf von Mexiko ereignet.
16. November
Knapp sieben Monate nach Beginn der Ölkatastrophe ist das Fischen im Golf von Mexiko fast überall wieder erlaubt. Die Behörden haben weitere rund 22'000 Quadratkilometer für den Fang freigegeben.
15. Dezember
Das US-Justizministerium hat gegen den Ölkonzern BP und acht weitere Unternehmen eingereicht. In dem Verfahren will die US-Regierung in vollem Umfang Schadenersatz in Milliardenhöhe für die Bekämpfung der Ölpest.
6. Januar 2011
Die Ölpest im Golf von Mexiko war die Folge von vermeidbaren Fehlern der an der Bohrung beteiligten Unternehmen und Aufsichtsbehörden.Zu diesem Schluss kommt eine von Präsident Barack Obama eingesetztes unabhängiges Expertengremium zur Untersuchung der grössten Umweltkatastrophe der USA. Demnach resultierten die Fehler zumeist aus Entscheidungen der Firmen, mit denen Zeit- und Kosten eingespart werden sollten.
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