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International

Die Öl-Katastrophe vor der US-Küste im Zeitraffer

Freitag, 16. Juli 2010, 20:24 Uhr, Aktualisiert 16:43 Uhr

Bei der Explosion der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April 2010 waren elf Arbeiter ums Leben gekommen. Über Wochen flossen rund 780 Millionen Liter Öl ins Meer. Erst nach über drei Monaten, am 4. August, konnte das Leck in 1500 Metern Tiefe versiegelt werden. Die Ölkatastrophe im Zeitraffer.

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Februar 2001

Die von Hyundai in Südkorea gebaute Öl-Bohrinsel «Deepwater Horizon» (Bild) wird im Golf von Mexiko in Betrieb genommen. Eigentümerin ist das in Zug beheimatete Unternehmen Transocean. BP schliesst für die Anlage einen Leasing-Vertrag bis 2013 ab.

20. April 2010:

Auf der Bohrinsel ereignet sich eine Explosion (Bild) offenbar wegen Fehlfunktion eines Sicherheitsventils. Darauf bricht ein Brand aus. 115 Arbeiter können gerettet werden, elf kommen ums Leben.

Video          Gesunkene Bohrinsel: Ölteppich vor US-Küste breitet sich aus

22. April

Die Bohrinsel sinkt. An der Unglücksstelle laufen gewaltige Erdölmengen ins Meer. BP versucht vergeblich mit Tauchrobotern den Abfluss zu unterbinden. Ferner setzt sie Chemikalien (Corexit) ein, um das Öl aufzulösen.

Video          Ölkatastrophe weit grösser als angenommen

29. April

Erste Ausläufer des Ölteppichs tauchen vor Inseln im Mississippi-Delta (Louisiana) auf. Die US-Regierung erklärt die Ölverschmutzung zur nationalen Katastrophe und setzt neue TiefseeBohrungen aus.

Video          US-Ölkatastrophe bringt Obama in Bedrängnis

2. Mai

US-Präsident Obama besucht die betroffene Region und verspricht der Bevölkerung Hilfe. Nach Louisiana und Florida rufen auch die Bundesstaaten Alabama und Mississippi den Notstand aus.

Video          Nachrichten Ausland

8. Mai

Der Versuch, das offenstehende Bohrloch mit einer riesigen Stahlglocke zu verschliessen und so das Öl abzupumpen, scheitert. Eiskristalle verstopfen die Öffnungen.

Video          US-Kongress knöpft sich Verantwortliche der Ölpest vor

11. Mai

Bei einem Hearing des US-Senats machen sich die Vertreter der beteiligten Firmen BP America, Transocean und Halliburton (die für die Verschalung des Bohrloches zuständig war) gegenseitig für die Katastrophe verantwortlich.

16. Mai

Nach mehreren Fehlschlägen gelingt es Experten, ein Absaugrohr in die defekte Steigleitung einzuführen und einen kleinen Teil des Öls auf ein Schiff abzupumpen.

17. Mai

Der für die Kontrolle der Tiefsee-Bohrungen zuständige Abteilungsleiter der US-Behörde für Mineralienförderung (MMS), Chris Oynes, tritt zurück. Zuvor hatte Präsident Obama die Lizenz-VergabePraxis der Behörde und das Sicherheits-Regime für Tiefseebohrungen kritisiert.

Video          Viel mehr Öl ausgelaufen als BP behauptet

20. Mai

Im Bundesstaat Louisiana wird dickflüssiges Schweröl angespült und in die empfindlichen Sumpfgebiete des Marschlandes getrieben. In den Medien wird über mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen bei den Tiefseebohrungen spekuliert.

Video          BP wird nicht Herr der Lage

25. Mai

Wegen der Ölpest rufen die USA in Louisiana, Mississippi und Alabama den Fischereinotstand aus. Der Fischfang kann mit Bundesmitteln unterstützt werden.

Video          Mission «Top Kill» auf gutem Weg

26. bis 30. Mai

BP versucht, mit zähem Schlamm und Zement das leckgeschlagene Bohrloch zu stopfen («Top Kill»-Methode), was aber misslingt. Nun soll ein Steigrohr zur Quelle am Meeresgrund abgesägt und auf die Öffnung eine Kuppel gestülpt werden. Dort soll ein Grossteil des Öls aufgefangen und durch eine Leitung zu einem Schiff geleitet werden.

Video          Schlimmste Ölpest der USA

27. Mai

Obama entlässt die Chefin der Behörde für MineralienManagement (MMS), Elizabeth Birnbaum.

Video          BP platziert Behälter über Ölleck

4. Juni

Den Ingenieuren gelingt es, einen Behälter über dem Leck zu platzieren. Allerdings strömt weiterhin Öl ins Meer, nur ein kleiner Teil kann kontrolliert zu einem Schiff abgeleitet werden. Ölklumpen erreichen inzwischen die Strände von Florida.

10. Juni

Allein in Louisiana haben inzwischen mehr als 70 Menschen ärztliche Hilfe gesucht - wegen Übelkeit, Kopfschmerzen, entzündeten Augen und Atembeschwerden. Mindestens 1100 ölverschmierte Vögel wurden gefunden, der grösste Teil von ihnen tot.

Video          Öl könnte Strände bald verpesten

11. Juni

Wissenschafter der US-Geologiebehörde gehen davon aus, dass täglich bis zu 5400 Tonnen Öl aus dem Bohrloch schiessen könnten.

Video          Ölteppich in Louisiana angekommen

16. Juni

In seiner ersten Rede aus dem Oval Office wendet sich Obama direkt an die Nation. Die Ölpest werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. In ihrer Energiepolitik müssten die USA eine Wende einleiten. BP zahlt 20 Milliarden Dollar in einen unabhängigen Entschädigungsfonds.

17. Juni

BP-Chef Tony Hayward (Bild) muss sich einem sechsstündigen Kreuzverhör im US-Kongress stellen.

22. Juni

Ein US-Gericht erklärt ein von Obama verhängtes Verbot von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko für nichtig.

Video          Supertanker soll Öl absaugen

30. Juni

Der im Golf von Mexiko tobende Tropensturm «Alex» entwickelt sich zum Hurrikan. Darunter leiden die Bemühungen zur Eindämmung der Ölpest.

13. Juli

BP stülpt einen 68 Tonnen schweren Zylinder über die Quelle. Zwei Tage später ist sie komplett verschlossen. Parallel arbeitet der Konzern an einem Nebenzugang zum Hauptbohrloch.

Video          Ölausfluss im Golf von Mexiko gestoppt

15. Juli

Erstmals seit drei Monaten fliesst kein Öl mehr in den Golf von Mexiko. Den BP-Experten gelingt es, alle Ventile des neuen Auffangzylinders zu schliessen.

Die Zeiger am Bohrloch gehen auf Null, ob das Leck ganz dicht ist, bleibt ungewiss Bilder vom Bohrloch, unkomm.

18. Juli

Die Tests mit der provisorischen Abdeckkappe werden um weitere 24 Stunden verlängert. Die Belastungsphase wird durch BP ausgedehnt, weil die gelieferten Messdaten für das endgültige Verschliessen der Quelle genutzt werden können.

Video          Glaubenskrieg um Ölleck-Dichtung

19. Juli

Das Ölleck bleibt dicht, allerdings tauchen neue Bedenken auf. Die Wissenschaftler sorgen sich um den zu geringen Druck in den Abdeckventilen. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Öl an einer anderen Stelle aussickert.

21. Juli

Um die Schäden bezahlen zu können, verkauft BP für sieben Milliarden Dollar Öl- und Gasfelder in den USA, Kanada und Ägypten.

Tropensturm «Bonnie» nähert sich Bohrloch

22. Juli

Wegen eines drohenden Tropensturms wird die Entlastungsbohrung zur endgültigen Versiegelung des Lecks für rund drei Tage unterbrochen.

Video          BP verliert Milliarden und den Konzern-Chef

27. Juli

BP erklärt den Rücktritt von Vorstandschef Tony Hayward zum 1. Oktober 2010, seine Nachfolge übernimmt der Amerikaner Bob Dudley.

Ölleck vor endgültiger Versiegelung

3. August

Bisher sind 780 Millionen Liter Öl aus dem Bohrloch geflossen. Laut Forschern bedeutet dies, dass die Katastrophe im Golf von Mexiko die grösste Ölpest aller Zeiten ist. BP führt die letzten Vorbereitungen für die Operation «Static Kill» durch. Damit soll das Bohrloch endgültig versiegelt werden.

Video          Ölleck wurde gestopft

4. August

BP meldet Erfolg der Operation «Static Kill», bei der schwerer Schlamm in die Steigleitung im Meeresboden gepumpt wurde, um das Leck zu versiegeln.

5. August

BP beginnt mit der dauerhaften Versiegelung des Bohrlochs. Dabei wird Zement in den Bohrschacht gepumpt.

4. September

BP hat ein defektes, 450 Tonnen schweres Sicherheitsventil auf dem Bohrloch ausgetauscht. Um das Leck für immer zu stopfen, sollen mit der Operation «Bottom Kill» nun auch noch von unten Schlamm und Zement in die Quelle tief unter dem Meeresboden gepumpt werden.

Video          Öl-Leck in Mexiko endgültig verschlossen

19. September

Die Aktion «Bottom Kill» ist beendet. Das Öl-Leck ist endgültig verschlossen.

Video          Schon wieder explodiert eine Ölbohrinsel

8. November

Rund vier Monate nach dem Untergang der BP-Plattform «Deepwater Horizon» hat sich erneut eine Explosion auf einer Ölplattform im Golf von Mexiko ereignet.

16. November

Knapp sieben Monate nach Beginn der Ölkatastrophe ist das Fischen im Golf von Mexiko fast überall wieder erlaubt. Die Behörden haben weitere rund 22'000 Quadratkilometer für den Fang freigegeben.

Video          Klagen eingereicht

15. Dezember

Das US-Justizministerium hat gegen den Ölkonzern BP und acht weitere Unternehmen eingereicht. In dem Verfahren will die US-Regierung in vollem Umfang Schadenersatz in Milliardenhöhe für die Bekämpfung der Ölpest.

6. Januar 2011

Die Ölpest im Golf von Mexiko war die Folge von vermeidbaren Fehlern der an der Bohrung beteiligten Unternehmen und Aufsichtsbehörden.Zu diesem Schluss kommt eine von Präsident Barack Obama eingesetztes unabhängiges Expertengremium zur Untersuchung der grössten Umweltkatastrophe der USA. Demnach resultierten die Fehler zumeist aus Entscheidungen der Firmen, mit denen Zeit- und Kosten eingespart werden sollten.