Schweiz
Die Psychologie der Fahrerflucht
Auch vier Tage nach dem tödlichen Bootsunfall auf dem Bielersee fehlt vom Täter und seinem Boot jede Spur. Ein Mensch stirbt, der Täter flüchtet. Er leistet weder erste Hilfe noch zeigt er Verantwortung für die Tat. «10vor10» spricht mit Experten über das Phänomen «Fahrerflucht».
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Wie kann ein Mensch, nachdem er einen Unfall verursacht hat, einfach weiterfahren? Zeit vergeht: Wird er sich stellen? Und wenn ja: Wann? Josef Sachs, der renommierte forensische Experte der Aargauer Psychiatrischen Klinik Königsfelden, hat «10vor10» die Faktoren erklärt, die das Handeln nach begangener Fahrerflucht bestimmen.
Vom Schock zum Selbstschutz
Er diagnostiziert zwei Phasen der Fahrerflucht: «Kurz nachdem der Unfall passiert ist, steht der Verursacher unter Schock - man spricht von akuter Belastungssituation.» Das Denken könne kurzzeitig aussetzen, der Verantwortliche stelle sich selber in den Vordergrund und nicht seine Tat - eine Art Selbstschutz.
Wenn er dann realisiert, was passiert ist, setzt das rationale Denken ein. «Der Täter beginnt, Vor- und Nachteile abzuwägen. Das Kritische ist hier der Faktor Zeit: Je länger er unentschlossen ist, desto kleiner die Wahrscheinlichkeit, dass er sich tatsächlich stellt», sagt Sachs.
Mit Ablauf der Zeit überwiege das Gefühl von Peinlichkeit, sich erst so spät zu stellen. Gleichzeitig stellt sich eine Art Hoffnung ein, nicht erwischt zu werden.
Ist der Unfall innerhalb einer Gruppe passiert oder kennen mehrere Beteiligte den Unfallhergang, setzt eine Art Gruppendynamik weiteren Druck auf. «Jeder versucht, sich selbst möglichst wenig Schuld zuzuweisen. Selbst jene, die die volle Verantwortung tragen, neigen dazu, Verantwortung abzuschieben und den Unfall zu bagatellisieren», so Sachs weiter.
Sollten mehrere Leute in den Unfall am Bielersee involviert sein, ist die Chance grösser, dass sich jemand melde, solange das Handeln innerhalb einer Gruppe nicht abgesprochen sei. Entscheidend ist, ob es einen informellen Führer der Gruppe gibt, der den Takt vorgibt.
Fahrerflucht bei jedem 20. Unfall
Die Strassenopfer-Stiftung Road Cross unterhält ein Beratungstelefon für Opfer im Verkehr. Diese Hotline können auch jene nutzen, die durch eigenes fahrlässiges Verhalten in einen Unfall involviert sind.
Isabell Femminis von Road Cross zeichnet ein Bild dieser meist anonymen Täter nach einer Fahrerflucht: «Es gibt Fälle, wo sich Leute melden, sie hätten wahrscheinlich einen Unfall verursacht, aber das sei ihnen zum Teil erst nach drei Tagen bewusst geworden. Ich rate den Leuten, dass das mildernde Umstände haben kann, wenn sie sich jetzt bei der Polizei melden.»
Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung geht etwa jeder 20. Unfall, bei dem Personen zu Schaden kommen, mit einer Fahrerflucht einher. «Es gibt wenige Menschen, die solche Unfälle über eine lange Zeit verleugnen oder verdrängen können», sagt Sachs. Im Normalfall werde eine Person, die Fahrerflucht begangen habe, irgendwann darüber sprechen wollen.
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S. Fritsche, Appenzell
)
(saschafritsche
Verfasst am: 19.7.2010 12:25
Ausland
Der Fahrer kann auch aus dem Ausland stammen,... mehr
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M. webs, basel
)
(schnoogeloch
Verfasst am: 16.7.2010 11:54
Viel Kraft dem Freund!!
Es ist einfach nur traurig und ich kann fast... mehr
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N. Vinh, Arbon
)
(EV
Verfasst am: 16.7.2010 9:40
Ich weiss was du letzten Sommer getan hast
Dieses Drama wird früher oder später... [1] mehr
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