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International

Verschwundener iranischer Atomphysiker ist aufgetaucht

Dienstag, 13. Juli 2010, 12:13 Uhr, Aktualisiert 13:03 Uhr

Der verschwundene iranische Atomphysiker Schahram Amiri hält sich offenbar in der pakistanischen Botschaft in Washington auf. Das meldet das iranische Radio. Laut der iranischen Regierung ist der Atomphysiker vor einem Jahr vom US-Geheimdienst CIA entführt worden.

Bild Mann schaut aus Fenster der Pakistanischen Botschaft in Washington
Pakistanische Botschaft in Washington reuters

«Vor einigen Stunden hat Schahram Amiri Zuflucht in der pakistanischen Botschaft gefunden, welche in Washington die Interessen des Iran vertritt. Amiri wird so schnell wie möglich in den Iran zurückkehren», meldete das iranische Radio am Dienstagmorgen.

Schahram Amiri ist vor einem Jahr in Saudi-Arabien verschwunden, als er sich zu einer Pilgerreise nach Mekka aufmachte. Die Regierung in Teheran wirft Saudi-Arabien vor, den Atomphysiker festgenommen und an die USA ausgeliefert zu haben. Anfang dieses Monats hat das iranische Aussenministerium der Schweizer Botschaft in Teheran angebliche Beweise übergeben, die bestätigen sollen, dass Amiri vom US-Geheimdienst CIA entführt worden ist. Die Schweiz vertritt im Iran die Interessen der USA.

Diplomatische Beziehungen

Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 haben die USA und Iran ihre direkten diplomatischen Beziehungen abgebrochen. In Teheran vertritt die Schweizer Botschaft die Interessen der USA. In Washington hingegen vertritt die Pakistanische Botschaft die Interessen des Iran.

In den vergangenen Wochen sind mehrere widersprüchliche Videodokumente zum Fall Amiri aufgetaucht. Anfang Juni strahlte das iranische Fernsehen eine Video aus, in dem ein Mann, der sich als Amiri ausgab und beteuerte, er sei von den USA entführt und gefoltert worden.

In einem zweiten Video, wenige Wochen später, gab derselbe Mann an, er hätte «aus den Händen der Agenten des amerikanischen Geheimdienstes» fliehen können und halte sich im US-Bundesstaat Virginia auf.

Der amerikanische Sender ABC hingegen berichtete Mitte März, Amiri sei in die USA geflüchtet und übergelaufen, er arbeite nun mit dem CIA zusammen.

Der Atomstreit

Der Iran hat nach eigenen Angaben schon zwanzig Kilogramm angereichertes Uran hergestellt. Zudem arbeite das Land an der Herstellung von Brennstäben. Bis September könne sich der Iran selbst mit Brennmaterial für seinen Forschungsreaktor in Teheran versorgen, sagte Ali Akbar Salehi, Chef des Atomprogramms, vergangenen Sonntag gemäss der Nachrichtenagentur Isna.

Noch im Mai schien mit Hilfe der Vermittlung von der Türkei und Brasilien ein Durchbruch im Atomstreit mit dem Iran in Sicht, doch die Einigung auf einen Kompromiss scheiterte. Anfang Juni haben die Vereinten Nationen dann die Sanktionen gegen den Iran verschärft.

Iran wird verdächtigt, unter dem Vorwand der zivilen Nutzung der Atomkraft am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Teheran dementiert dies. Der iranische Präsident Ahmadinedschad beteuerte letzte Woche, dass diese Sanktionen der «arroganten» westlichen Kräfte den Prozess des iranischen Nuklearprogrammes nicht verlangsamen könnten.

Inzwischen hat sich auch der russische Präsident Dimitri Medwedew besorgt zum iranischen Nuklearprogramm geäussert. «Iran eignet sich mehr und mehr das Potenzial an, das im Prinzip dazu benutzt werden kann, Atomwaffen zu produzieren», sagte er. Medwedews Äusserungen sind ein Hinweis, dass Russland trotz bedeutender Wirtschaftsbeziehungen zum Iran allmählich die Geduld mit Teheran verliert.

(reuters/sda/honr)

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