International
Kritische Stimmen beim Gedenken an Haitis Bebenopfer
Ein halbes Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti ist der mehr als 250'000 Opfer der Naturkatastrophe gedacht worden. Präsident René Préval verkündete bei einer Gedenkfeier in der Hauptstadt Port-au-Prince, es beginne «nun offiziell die Phase des Wiederaufbaus». Hilfsorganisationen und die UNO kritisierten hingegen den schleppenden Wiederaufbau.
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Port-au-Prince war bei dem Beben am 12. Januar schwer zerstört worden; insgesamt wurden 1,3 Millionen Haitianer obdachlos.
Dank an die Hilfsorganisationen
Die Gedenk-Zeremonie fand in einem Zelt nahe der Ruinen des durch das Beben eingestürzten Präsidentenpalastes statt. Haitis Innenminister Paul-Antoine Bien-aimé eröffnete die Gedenkfeier und bedankte sich bei der internationalen Gemeinschaft und Hilfsorganisationen für ihren Einsatz nach dem Beben.
UNO-Bericht listet Mängel auf
Nach den jüngsten Zahlen der Vereinten Nationen starben bei dem Erdbeben 222'750 Menschen - zwei Prozent der Bevölkerung Haitis. Gut 300'000 Menschen wurden verletzt, etwa 2,3 Millionen obdachlos. Das seien Schätzungen der Regierung. «Aber die genaue Zahl der Toten und Verletzten werden wir nie erfahren», heisst es in einem soeben vorgelegten UNO-Report.
«Der Strom der Tausenden humanitären Helfer - viele von ihnen mit guten Absichten, aber nicht unbedingt professionell und gut informiert - waren eine Herausforderung bei der Koordinierung» der Hilfsmassnahmen, heisst es in dem Bericht des UNO-Nothilfebeauftragten John Holmes.
Neben weiteren Ministern der haitianischen Regierung und Vertretern der Vereinten Nationen war auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton anwesend. Auf Bitte von US-Präsident Barack Obama kümmert sich Clinton um Spenden für die Opfer des Erdbebens.
Kinder weiter von Krankheiten und Missbrauch bedroht
Hilfsorganisationen haben unterdessen den schleppenden Wiederaufbau in dem verarmten Karibikstaat kritisiert. Trotz massiver internationaler Hilfe leben noch immer 1,6 Millionen Menschen in Notlagern, die Hälfte davon sind Kinder.
Vor allem die Kinder seien «in hohem Masse von Krankheiten, Mangelernährung, Ausschluss von Bildung sowie Missbrauch und Gewalt bedroht», warnte das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF in einer in New York veröffentlichten Zwischenbilanz. Es rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, Schutz und Hilfe für die besonders benachteiligten Kinder zu verstärken.
Nothilfe muss weitergehen
«Die Kinder brauchen weiter dringend unsere Unterstützung. Zu viele leben immer noch unter inakzeptablen Bedingungen», erklärte die UNICEF-Leiterin in Haiti, Françoise Gruloos-Ackermans. Als grossen Erfolg der internationalen Hilfe werte UNICEF die Tatsache, dass es bisher gelungen sei, Hunger und Epidemien in Haiti zu verhindern.
Allerdings sei ein nachhaltiger Wiederaufbau noch lange nicht erkennbar. Nach Einschätzung von UNICEF muss die eigentliche Nothilfe noch mindestens 18 Monate weitergehen, damit die humanitäre Krise sich nicht verschärfe. Ministerien und öffentliche Verwaltungen seien nur eingeschränkt handlungsfähig.
(agenturen/halp)
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