Schweiz
Zehn Monate Tauziehen um Auslieferung Polanskis - eine Chronologie
Rund zehn Monate lang ist der 76-jährige polnisch-französische Filmemacher Roman Polanski in der Schweiz festgehalten worden. Nun hat sich die Schweiz gegen seine Auslieferung an sie USA entschieden. Hier die wichtigsten Etappen seines Hausarrests in der Schweiz:
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26. September 2009: Der 76-jährige Filmemacher Roman Polanski, der am 5. Zurich Film Festival für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte, wird bei seiner Einreise in Zürich festgenommen. Zuvor hatte das US-Justizministerium dem Bundesamt für Justiz (BJ) auf Anfrage bestätigt, dass ein Haftbefehl gegen den Regisseur aus dem Jahre 1978 wegen Vergewaltigung einer damals 13-Jährigen noch gültig sei.
Ende Sept. 2009: Die französische und die polnische Regierung sowie zahlreiche Kulturschaffende - darunter die Regisseure Woody Allen, Wim Wenders und Martin Scorsese - reagieren irritiert auf die Festnahme Polanskis und fordern seine Freilassung.
2. Oktober: Der frühere US-Staatsanwalt David Wells, der vor mehr als 30 Jahren den verantwortlichen Richter zu einer Haftstrafe für den Starregisseur gedrängt haben will, nimmt diese Aussage zurück.
4. Oktober: Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf verteidigt das Vorgehen ihres Bundesamtes bei der Festnahme Polanskis. Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hatte zuvor «mangelndes Fingerspitzengefühl» bei der Polanski-Festnahme kritisiert.
20. Oktober: Das Bundesstrafgericht weist eine Beschwerde von Roman Polanski gegen den Auslieferungshaftbefehl ab und verwehrt ihm die Haftentlassung wegen Fluchtgefahr. Zehn Tage später weist auch das BJ ein Haftentlassungsgesuch von Polanski ab.
22. Oktober: Die USA ersuchen formell um die Auslieferung von Roman Polanski. Das Auslieferungsgesuch stützt sich auf den US-Haftbefehl von 1978. Diesen hatte ein kalifornisches Gericht erlassen, weil Polanski entgegen seiner Zusicherung nicht vor dem Richter erschienen war.
23. Nov.: Das Bundesstrafgericht in Bellinzona heisst eine Beschwerde Polanskis gegen den BJ-Entscheid gut und entlässt ihn gegen eine Kaution von 4,5 Mio. Franken aus der Auslieferungshaft.
4. Dez. 2009: Polanski wird aus der Haft entlassen und in sein Chalet nach Gstaad BE verbracht. Dort steht er unter Hausarrest und muss eine elektronische Fussfessel tragen.
21. Dez. 2009: Ein kalifornisches Berufungsgericht weist einen Antrag der Polanski-Anwälte auf Einstellung des Vergewaltigungsverfahrens ab.
21. Feb. 2010: Wegen seines Hausarrests in Gstaad BE kann Roman Polanski den Silbernen Bären der Berlinale für seinen Politthriller «The Ghost Writer» nicht persönlich entgegennehmen.
23. April 2010: Ein kalifornisches Berufungsgericht weist Polanskis Antrag auf ein Verfahren in Abwesenheit ab. Auch der Antrag seines damaligen Opfers auf Verfahrenseinstellung wird abgewiesen.
2. Mai 2010: Polanski verschickt eine Medien-Erklärung «Ich kann nicht länger schweigen». Das Auslieferungsgesuch der USA beruhe auf einer Lüge. Seine 42-tägige Inhaftierung 1977 im kalifornischen Gefängnis von Chino habe der Strafe entsprochen, zu welcher er hätte verurteilt werden sollen, und die er folglich bereits verbüsst habe.
7./10. Mai 2010: Die Anklagebehörde im Fall Roman Polanski in Los Angeles lehnt die Herausgabe von unter Verschluss gehaltenen Protokollen aus dem Verfahren in den 70-er Jahren ab. Auch die umstrittenen Aussagen eines früheren Staatsanwalts werden nicht publik gemacht.
12. Mai 2010: Rund ein Dutzend Filmemacher machen sich am Filmfestival in Cannes für Polanski stark. Das Auslieferungsgesuch der USA gründe auf einer Lüge.
14. Mai 2010: Frankreichs Präsident Sarkozy telefoniert mit Bundespräsidentin Doris Leuthard und lässt sich über den Stand der Dinge in der Affäre Polanski informieren.
15./16. Mai 2010: Die britische Schauspielerin Charlotte Lewis erklärt, Polanski habe sie Anfang der 80er Jahre als Teenager sexuell missbraucht. Polanskis Anwälte wiesen Lewis' Anschuldigungen als Lüge zurück.
12. Juli 2010: Die Schweiz lehnt eine Auslieferung Polanskis an die USA ab. Polanski wird aus dem Hausarrest entlassen.
(sda/sprm)
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