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International

Über 27'000 verlassene Ölbohrlöcher im Golf von Mexiko

Mittwoch, 7. Juli 2010, 12:25 Uhr, Aktualisiert 15:32 Uhr

Es ist ein wahres Minenfeld unter Wasser: Im Golf von Mexiko verbergen sich mehr als 27'000 verlassene Öl- und Gasbohrlöcher. Weder Industrie noch Regierung kontrollieren, ob diese Löcher leck sind.

Wie eine Recherche der Nachrichtenagentur AP zeigt, liegen diese Bohrlöcher teilweise seit Jahrzehnten brach, die ältesten wurden bereits in den 1940er-Jahren verlassen.

Bild Mehrere Schiffe auf offenem Meer.
Golf von Mexiko: Während Bohrschiffe neue Löcher bohren, liegen Zehntausende brach. Reuters

Besonders Besorgnis erregend sind laut AP 3'500 «temporär verlassene» Borhlöcher. Für diese müssten die Ölkonzerne eigentlich innerhalb eines Jahres einen Plan für eine neuerliche Inbetriebnahme oder aber die dauerhafte Versiegelung präsentieren.

AP deckte allerdings auf, dass diese Vorschrift routinemässig umgangen wird und dass mehr als 1000 Bohrlöcher seit über zehn Jahren unversiegelt geblieben sind. Rund drei Viertel der vorübergehend verlassenen Bohrlöcher befinden sich seit über einem Jahr in diesem Status, viele sogar seit den 1950er- und 1960er-Jahren.

Zeitbomben auf dem Meer: Verlassene Ölbohrplattformen.

Oft Lecks bei verlassenen Bohrlöchern

Hinsichtlich der Gefahr der verlassenen Bohrlöcher für die Umwelt spricht AP von einem «Minenfeld». Denn in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass diese oft undicht seien.

So kämpfe die Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency laut eigenen Angaben im Seegebiet von Louisiana und Texas mit leckenden Bohrlöchern. Und die für Bodenschätze zuständige Behörde der US-Regierung rapportiere Probleme mit mehreren verlassenen Bohrlöchern weiter draussen im Golf.

Stillgelegte Bohrlöcher können wieder «erwachen»

Laut Experten kann sich in verlassenen Bohrlöchern neu Druck aufbauen – so, wie ein Vulkan wieder erwachen kann. Zudem greifen Wasser und der Druck des Untergrunds den Zement und die verlegten Rohre an.

Öl wird noch mehr als einen Monat weiter auslaufen

Vor zweieinhalb Monaten ist die Ölplattform «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko gesunken. Seither treten aus dem Leck in rund 1'600 Meter Tiefe jeden Tag bis zu 9 Millionen Liter Öl aus – und daran wird sich laut US-Behörden noch gut einen Monat lang nichts ändern.

Die Arbeiten an den zwei Entlastungsbohrlöchern kämen zwar etwas besser voran als erwartet, beenden könne man sie aber nicht vor Mitte August. Erst dann könne das Austreten des Öls verringert und dann das Leck gestopft werden.

Ölfirmen behaupten, korrekt versiegelte Bohrlöcher im Meer seien «nahezu ewig» dicht. Das sieht Roger Anderson, Geophysiker der Columbia Universität, anders. Der Zement der Versiegelung könne brechen oder schrumpfen, sagt er.

«Die grosse Frage ist, wie lange der Zement hält und wie lange es dauert, bis er oxidiert. Wir wissen das nicht einmal in Bezug auf unsere Gebäude, unsere Wolkenkratzer, die zu einem guten Teil aus Zement bestehen.»

Geophysiker Anderson zur Lebensdauer der Versiegelungen (O-Ton englisch).

Keine Kontrolle

Obwohl die Wahrscheinlichkeit von Lecks hoch ist, werden stillgelegte Bohrlöcher in der Regel weder von Industrie noch Regierung kontrolliert. Vom US-Innendepartement erhielt AP keine Antwort auf die Frage, warum die verlassenen Bohrlöcher nicht inspiziert würden.

Staatsbeamte schätzen, dass Zehntausende davon schlecht versiegelt seien – entweder weil sie veschlossen wurden, bevor die strikten Vorschriften für die Versiegelung erlassen wurden, oder aber weil die Ölfirmen diese umgangen hätten.

«Wir wissen nicht, was da in unseren eigenen Gewässern vor sich geht», sagt John Amos, dessen Firma Sky Truth sich auf die digitale Karthographierung ökologisch senisbler Gebiete spezialisiert hat.

Um weltaktivist John Amos über unbekannte Aktionen in den Gewässern (O-Ton Englisch).

Staat überwacht Versiegelung nicht

Die für Bodenschätze zuständige US-Behörde dokumentiert die Versiegelung von Bohrlöchern zwar, kontrolliert sie aber nicht. Statt dessen verlässt sie sich auf die Angaben der Ölfirmen.

So hat die Behörde laut AP auch nur vereinzelt Strafen wegen ungenügender Versiegelung ausgesprochen: In den Jahren 2003 bis 2007 wurden gerade mal sieben Unternehmen gebüsst.

(ape/ramf)

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B. Froehlich, Petra / Lesbos
(B.Froehlich Mann)
Verfasst am: 8.7.2010 3:07

Geld ist

der schlimmste Hirnkrebs, arbeitet mit der... mehr

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C. Minder, Bern

Verfasst am: 8.7.2010 1:35

Rücksichtslos

Allein die Tatsache, dass diese Ölfirmen... mehr

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D. Generation, Bern
(Generation Frau)
Verfasst am: 7.7.2010 20:18

Man könnte...

...meinen die Wirtschaft oder Erdöl sei ein in... mehr

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