International
China schweigt auch 21 Jahre nach dem Massaker
Peking, 3. Juni 1989, mehr als 4000 Studenten demonstrieren auf dem Platz des himmlischen Friedens für mehr Meinungsfreiheit und Demokratie. In den Morgenstunden rücken Panzer an und überrollen Menschen, Schüsse fallen, Panik bricht aus auf dem Tiananmen-Platz. Offiziell ist von insgesamt 300 toten Zivilisten und Soldaten die Rede. Amnesty International schätzt allerdings 700 bis 3000 Tote.
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Die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Platz des himmlischen Friedens sind immer streng, so auch am 21. Jahrestag, obwohl die Sicherheitskräfte nicht so aggressiv sind wie vor einem Jahr.
Es versammeln sich zahlreiche Touristen unter den wachsamen Augen der Sicherheitskräfte rund um den Tiananmen-Platz. Sie sind bereit, jeden Versuch dem 21. Jahrestag des Massakers der blutigen Demonstration für mehr Demokratie zu gedenken, im Keim zu ersticken.
«Konterrevolutionärer Aufruhr»
Bis heute hat die chinesische Regierung nie vollständig enthüllt was damals genau passierte, als die Armee die wochenlangen Studentenproteste mit Panzern überrollte. Für die Staatsmacht bleiben die Proteste ein «konterrevolutionärer Aufruhr». Der damals von der Parteiführung um Deng Xiaoping angeordnete Militäreinsatz sei zur «Stabilisierung» unverzichtbar gewesen, davon ist die Regierung auch heute noch überzeugt.
Dabei hatte alles sehr friedlich angefangen. Denn die 1980er-Jahre waren durch eine deutliche Lockerung der rigiden Parteiherrschaft geprägt. Die Hoffnung auf weitergehende politische Veränderungen waren geweckt. Doch am 15. April 1989 starb der 1987 entmachtete Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Hu Yaobang. Er hatte einen liberalen Kurs eingeschlagen und sich für politische Reformen ausgesprochen.
Führende Figur der Demokratiebewegung festgenommen
Einer der prominentesten Anführer der chinesischen Demokratiebewegung von 1989, Wu'er Kaixi, ist vor der chinesischen Botschaft in Tokio festgenommen worden.
Der 42-Jährige sei am Freitag, dem 21. Jahrestag des Tiananmen-Massakers, über den Stahlzaun der Botschaft geklettert, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Wu'er galt in China als die Nummer zwei der am meistgesuchten Anführer der Studentenproteste. Er floh 1989 nach Taiwan ins Exil.
Zuvor hatte Wu'er Kaixi der Nachrichtenagentur Kyodo gesagt, er wolle nach China zurückkehren und einen Dialog mit der kommunistischen Regierung ersuchen. Er wolle über das Tiananmen-Massaker reden.
Tiananmen-Platz, Zentrum des Protests
Hus Tod löste spontane Trauerkundgebungen aus, die in die Proteste für mehr Demokratie, Pressefreiheit und gegen Korruption mündeten. Der Protestbewegung schlossen sich zuletzt Hunderttausende in ganz China an. Herzstück der Proteste blieb der Tiananmen-Platz in Peking, wo sich den Studenten – viele davon im Hungerstreik – mehr und mehr auch «einfache » Bürger Pekings anschlossen.
Am 19. Mai kam der Parteichef der Kommunistischen Partei, Zhao Ziyang, zu den Demonstranten auf den Platz und flehte sie unter Tränen an, den Protest aufzugeben – vergeblich. Was die Menschen nicht wussten: Ihr Ende war bereits beschlossene Sache.
In der Nacht des Massakers wurden viele von Panzern überrollt oder erschossen. Nicht nur in Peking, auch in anderen Städten wurden die Proteste brutal niedergewälzt. Die Schätzungen reichen von mehreren Hundert Toten bis zu mehreren Tausend.
Weltweite Empörung
Die internationale Gemeinschaft reagierte 1989 schockiert auf die blutige Niederschlagung des Protests in China. So verzichtete das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) darauf, sich an der Feier zum 62. Geburtstag der Volksbefreiungsarmee vertreten zu lassen. An der Einladung der chinesischen Botschaft im August 1989 war lediglich der Chef des Militärprotokolls anwesend. Staatsekretär Klaus Jacobi begründete die Absage gegenüber der Tagesschau des Schweizer Fernsehens damit, das EDA wolle nicht nur rhetorisch, sondern auch durch Taten zum Ausdruck bringen, dass es das Vorgehen der chinesischen Armee nicht billige.
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