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Nach Selbstmord-Serie reagiert Apple-Zulieferer mit Lohnerhöhungen

Montag, 31. Mai 2010, 6:55 Uhr, Aktualisiert 09:54 Uhr

Die Mitarbeiter des von einer Selbstmord-Serie erschütterten weltgrössten Elektronik-Herstellers Foxconn sollen rund 20 Prozent mehr Gehalt erhalten. Die Lohnerhöhung sei seit längerem geplant, sagte ein Sprecher der taiwanischen Foxconn-Mutter Hon Hai Precision Industry. Seit Anfang Jahr hatten sich mindestens zehn Angestellte des Unternehmens das Leben genommen.

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Citigroup-Analysten zufolge könnten Hon Hais Lohnkosten durch die Lohnerhöhungen im Quartal um umgerechnet rund 100 Millionen Franken steigen.

Bei einer Belegschaft von etwa 420'000 Menschen in der Fabrik im chinesischen Shenzhen entspricht dies einem monatlichen Mehrverdienst von rund 75 Franken pro Mitarbeiter. Die Angestellten würden damit auf ein Monatsgehalt von etwa 460 Franken kommen.

Kunden: Apple, Sony Ericsson und Hewlett-Packard

In diesem Jahr haben sich bei dem Unternehmen bislang zehn Mitarbeiter umgebracht. Kritiker machen schlechte Arbeitsbedingungen dafür verantwortlich. Die Foxconn-Arbeiter leben in einem Wohnkomplex auf dem Fabrikgelände und arbeiten in Schichten rund um die Uhr, um die neuesten Produkte für die grossen Tech-Konzerne zu fertigen.

Neben Apple zählen unter anderem Hewlett-Packard und Sony Ericsson zu den Abnehmern. Hinter den Computern und technischen Spielzeugen der reichen Welt wie iPhone oder Playstation stecken allerdings viele traurige Schicksale armer chinesischer Wanderarbeiter.

Hoffnungslosigkeit und Isolation

Die Serie von Selbstmorden beim weltweit grössten Elektronik-Hersteller Foxconn in China wirft ein Schlaglicht auf ihre harschen Arbeitsbedingungen, persönliche Isolation weit weg von ihren Familien und letztendlich auch auf ihre Hoffnungslosigkeit. Der Freitod seiner Mitarbeiter stellt auch das Produktionsmodell des taiwanesischen Herstellers infrage, der Arbeit und Wohnen in Fabrikstädten vereint.

Ausserdem schädigt die Kontroverse die Reputation von Weltmarken wie Apple, Dell, Hewlett-Packard oder Sony, die alle bei Foxconn fertigen lassen.

Offener Brief von Wissenschaftlern

Nirgendwo wird soviel produziert und exportiert wie in China. Mehr als 100 Millionen Wanderarbeiter versorgen die «Werkbank der Welt» mit immer neuen Arbeitskräften.

Nach den Selbstmorden heben neun chinesische Sozialwissenschaftler in einem offenen Brief besonders das Schicksal der jungen Arbeiter hervor, die keine Beschäftigung auf dem Lande finden. Sie sehen keine andere Option, als in den Städten nach Jobs zu suchen, die aber schlecht bezahlt und ohne Aussicht auf eine Zukunft sind. «In dem Moment, wo sie wenig Möglichkeiten sehen, durch harte Arbeit in den Städten ein Zuhause zu bauen, bricht die Bedeutung ihrer Arbeit in sich zusammen», heisst es. «Der Weg nach vorne ist blockiert, der Rückzug versperrt.»

Ernste Identitätskrisen der Wanderarbeiter

«Gefangen in dieser Situation steht die neue Generation der Wanderarbeiter vor einer ernsten Identitätskrise, was die psychologischen und emotionalen Probleme noch verstärkt», warnen die Experten in ihrem Schreiben.

Wer sich intensiver mit den sozialen und strukturellen Bedingungen auseinandersetze, verstehe die Ausweglosigkeit der Foxconn-Beschäftigten besser. «Chinas Entwicklungsstrategie über 30 Jahre hat nicht nur ein Wirtschaftswunder geschaffen, sondern auch regionale Ungleichgewichte verschärft, die Stagnation der Gehälter verlängert und Wanderarbeiter ihrer Rechte beraubt.»

«In jeder Schicht fertigen wir 4000 Computer»

Aktivisten machen vor allem die harschen Arbeitsbedingungen für die Selbstmorde verantwortlich. «Das Unternehmen muss eine gründliche Untersuchung des Lebens an seinen Produktionslinien einleiten - nicht nur noch mehr oberflächliche, kurzfristige Reparaturen vornehmen», forderte die in New York ansässige Organisation China Labor Watch, die schon länger Probleme bei Foxconn anprangert und Arbeiter zu den Selbstmorden befragt hat.

«Wir sind extrem müde, haben ungeheuren Druck», berichteten Betroffene. «Wir beenden einen Arbeitsvorgang alle sieben Sekunden.» Dafür sei Konzentration nötig. «In jeder Schicht (zehn Stunden) fertigen wir 4000 Dell-Computer - alles im Stehen.»

Mindestlohn: Rund 150 Franken

17 der 25 interviewten Arbeiter führten die Selbstmorde auf den hohen Arbeitsdruck zurück, wie China Labor Watch berichtete. Arbeiter haben nur einen Tag pro Woche frei, legen dann oft noch Überstunden ein. Vor und nach der Schicht, die mit Überstunden zehn oder zwölf Stunden dauern, gibt es noch unbezahlte Mitarbeitersitzungen, berichtet die Organisation.

Es wird der vorgeschriebene Mindestlohn von 900 Yuan (heute 150 Franken) monatlich bezahlt. Für Überstunden gibt es 7,8 Yuan (1,30 Franken) und 10,34 Yuan (1,75 Franken) am Wochenende.

Militärischer Stil und mangelnder Respekt

Der Exekutivdirektor von China Labor Watch, Li Qiang, hält mehrere Gründe für die Selbstmorde für möglich: «Foxconns militärischen Verwaltungsstil, mangelnden Respekt der taiwanesischen Manager für chinesische Arbeiter und Strategien, die darauf abzielen, nur kurzfristige Jobs zu schaffen.»

Empörung löste ein Video aus, das Wachleute in schwarzen Uniformen zeigt, die im August Arbeiter in dem Foxconn-Werk in Peking brutal verprügelten. Überhaupt haben taiwanesische Arbeitgeber in China nicht den besten Ruf, so dass Zeitungen der demokratischen Inselrepublik schon einen «Verhaltens-Kodex» mit fortschrittlichen Arbeitsstandards fordern, um Ausbeutung zu unterbinden.

Völlig isolierte Arbeiter

Es gibt auch Klagen über den Mangel an persönlichen Beziehungen zwischen Beschäftigten, die meist in Wohnheimen auf dem Werksgelände unterkommen. Es sind kleine Städte mit Supermarkt, Restaurant, Buchladen und Internetcafé.

In der Fabrik in Shenzhen, wo es die Serie von Selbstmorden gab, arbeiten mehr als 300'000 Beschäftigte. Die Arbeiter leben hier völlig isoliert, ohne soziales Netz, kennen sich kaum untereinander. Eine Arbeiterin sagte der «China Daily»: «Wir verbringen die Freizeit meist mit Schlafen und Surfen im Internet - wir gehen selten raus.»

(agenturen/halp)

Kommentare aktiv...

J. Lorber, Zürich
(JeffLorber Mann)
Verfasst am: 1.6.2010 8:12

Hallo

Mehr Geld ist ja schön und gut. Aber wie sieht... mehr

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N. Binsberger, St. Gallen
(NBinsberger Frau)
Verfasst am: 1.6.2010 2:24

Lohnerhöhungen?

Ein Menschenleben ist unbezahlbar.

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H. Müller

Verfasst am: 31.5.2010 14:35

Spät und falsch

Also, 1. Ist diese "Neuigkeit" schon... mehr

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