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Mutloser Nationalrat bei CO2-Gesetz

Montag, 31. Mai 2010, 18:36 Uhr, Aktualisiert 01.06.2010, 8:12 Uhr

Nach über fünf Stunden Debatte am Montag steht die Totalrevision des CO2-Gesetzes heute erneut auf dem Programm des Nationalrates. Am Montag hatte er sich dafür ausgesprochen, bis ins Jahr 2020 gegenüber 1990 20 Prozent CO2 im Inland einzusparen. Ob heute bissigere Massnahmen beschlossenen werden, scheint ungewiss.

Insgesamt wurden die Vorschläge des Bundesrates vom Nationalrat eher abgeschwächt. So hatte er vorgeschlagen, dass ein Teil der Emissionen auch im Ausland kompensiert werden könnte. Damit unterlag er. Der Bundesrat war jedoch nicht der einzige Verlierer in der Grossen Kammer.

CO2-Gesetz im Nationalrat (10vor10, 31.05.2010)

SVP und FDP wollten schon gar nicht auf die Vorlage eintreten. Sie fürchten Nachteile für die Wirtschaft, mehr Abgaben und Steuern im Verkehr. «Das Gesetz kostet viel und bringt der Umwelt sehr wenig», sagte Filippo Leutenegger (FDP/ZH).

Noch am Freitag hatte sich Leutenegger in der «Arena» kooperativer geäussert. Sehen Sie >hier die ganze Sendung.

Schweiz zu unbedeutend bei Emissionen

Argumentiert wurde auch mit der weltweiten Vernetzung: Korrekturen des Klimawandels müssten weltweit erfolgen, nicht im Alleingang. Die Schweiz sei einzig für ein Promille der Klimagase verantwortlich, erklärte Hans Killer (SVP/AG). «Selbst null Emissionen würde die Entwicklung nicht stoppen.»

Ein Argument, das Umweltminister Moritz Leuenberger nicht gelten liess. Die EU habe dasselbe Reduktionsziel von 20 Prozent definiert. So könne auch nicht behauptet werden, «dass wir besondere Musterknaben spielen». Deutschland und Norwegen hätten eine Verringerung des CO2-Ausstosses um 40 Prozent beschlossen.

Bundesrat auf Linie von Volksinitiative

Eine Reduktion um 20 Prozent genügt gemäss Bundesrat nicht, um die globale Klimaerwärmung auf zwei Grad zu beschränken. Dafür müsste der Ausstoss von Treibhausgasen massiver verringert werden.

Derart nämlich, wie es die Volksinitiative «Für ein gesundes Klima» vorschlägt. Sie fordert eine Reduktion der landesweiten Treibhausgasemissionen von mindestens 30 Prozent. Die Totalrevision des CO2-Gesetzes ist der indirekte Gegenvorschlag zur Initiative und Fortsetzung der schweizerischen Klimapolitik ab 2012.

Nichtstun ist nicht der Weg

Der Nationalrat folgte den mahnenden Argumenten, die für eine Vorsorgepolitik plädierten. Erst in 50 bis 100 Jahren wisse man, ob die Wissenschafter teilweise oder vollständig Recht hatten, sagte Martin Bäumle (glp/ZH). «Dann ist es jedoch zu spät, zu handeln.»

Ausserdem profitiere auch die Wirtschaft von der Wertschöpfung im Inland. Nichts tun, wie das die Rechte wolle, koste, mahnte Eric Nussbaumer (SP/BL). «Nichtstun heisst nicht, dass unser Land entlastet wird. Nichtstun heisst, die Kosten des eintretenden Klimawandels unserer Bevölkerung zu übertragen.»

Bild Schilder gegen CO2
Darüber, dass der CO2-Ausstoss reduziert werden muss, ist man sich einig. Die Frage stellt sich, auf welche Art und Weise und in welchem Ausmass. reuters / symbolbild

Mit 102 Stimmen gegen 80 beschloss der Nationalrat Eintreten auf die Debatte. Mit 117 Stimmen gegen 67 wies er einen Rückweisungsantrag zurück.

Immer mehr Zahnlücken

Zwar winkte der Rat in der Folge Massnahmen durch, die dazu dienen, dass CO2-Emissionen aus Gebäuden, die mit fossilen Energieträgern beheizt werden, vermindert werden.

Doch schon die nächste Massnahme, die Verminderung des CO2-Ausstosses von Neuwagen auf 130 Gramm CO2 pro Kilometer per Ende 2015 wurde abgeschwächt. Der Nationalrat beschloss, den Wert auf 150 Gramm CO2 pro Kilometer zu setzen.

Dies obwohl Bundesrat Moritz Leuenberger deutlich gemacht hatte, dass er, der Nationalrat, die Zielvorgabe der CO2-Reduktion in der Schweiz «mutig erhöht» habe, indem die Emissionen nicht im Ausland kompensiert werden dürfen.

Rechte konnte sich nicht durchsetzen

In der über fünf Stunden andauernden Debatte wurde zahlreiche Minderheitsanträge der SVP und zum Teil der FDP abgelehnt. Doch auch die Grünen konnten sich mit ihren Wünschen nicht durchsetzen. Mehrheitlich wurde dem Bundesrat Folge geleistet.

Bisher verwehrte der Nationalrat ihm nur die Kompetenzübertragung bei der Koordination von Anpassungsmassnahmen, die sich als Folge der erhöhten Treibhausgaskonzentrationen ergeben könnten.

Doch weitere Knackpunkte stehen an: Die Kommission will nicht, dass die Möglichkeit geschaffen wird, eine CO2-Abgabe auf Treibstoffen einzuführen. Zu diskutieren geben wird auch die Fortsetzung der CO2-Abgabe auf Brennstoffen.

Der Ständerat wird voraussichtlich in der zweiten Sessionswoche über die Vorlage befinden.

(sda/fres/hues)

Kommentare aktiv...

U. Rothenbuehler, Bern
(Arcus5 Mann)
Verfasst am: 1.6.2010 13:39

Wissenslücken der Menschheit

Es will ja wohl niemand behaupten, dass die Erde... mehr

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O. toneatti, bern
(olgar Mann)
Verfasst am: 1.6.2010 13:18

Grosse Sprüche in der Arenasendung,

kneifen wenn es ernst wird. Also, immer schön... mehr

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G. Bossert, Safenwil
(GaBo Frau)
Verfasst am: 1.6.2010 11:23

GENAU SO SOLLTE MAN ES SICH VORSTELLEN

DüRFEN, DASS GERADE ELTERN SICH EIN... mehr

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