Inhalt

International

Russland zelebriert sich selbst

Sonntag, 9. Mai 2010, 13:25 Uhr, Aktualisiert 16:09 Uhr

Am Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland hat Russland zum ersten Mal auch Soldaten der damaligen Verbündeten über den Roten Platz in Moskau defilieren lassen. Die Feier zum 65. Jahrestag war so aufwändig wie noch nie - denn an keinem anderen Tag ist das eigene Volk so geeint.

Videoplayer
Russland nutzt die Feier auch um seine militärische Stärke zu demonstrieren (Tagesschau, 09.05.10)

Mehr zum Thema

Artikel bewerten

  • Durchschnittliche Bewertung: 4
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Artikel teilen

Mit einer Parade von über 10'000 Soldaten, dutzenden Panzer und drei Interkontinental-Raketen demonstrierte Moskau am Jahrestag Stärke.

In einem hoch symbolischen Akt haben auch Soldaten aus Grossbritannien, Frankreich, Polen und den USA vor den Mauern des Kremls defiliert. Dass Truppen aus Mitgliedsländern der Militärallianz NATO an der Feier aufmarschieren, ist eine Premiere und alles andere als selbstverständlich, sieht Russland in der NATO doch eine Bedrohung für die eigene Sicherheit.

Bild Medwedew, Hu Jintao, Merkel und Putin stehen vor pompöser Dekoration.
Auf der Ehrentribüne: Der russische Präsident Medwedew, der chinesische Präsident Jintao, die deutsche Kanzlerin Merkel und der russische Ministerpräsidenten Putin. keystone

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete die russische Einladung zu den Siegesfeiern als grosse Ehre. Die Geste zeige, dass Russland und Deutschland aus der Geschichte gelernt hätten und nun in Frieden und Freundschaft lebten.

Drohende Kriege könnten nur gemeinsam vermieden werden, sagte auch der russische Präsident Dimitri Medwedew. In seiner Ansprache würdigte er den damaligen Beitrag der Alliierten im Kampf gegen die Nazis, betonte aber auch die Führungsrolle der Russen.

Bild
Ein ungewohntes Bild: Britische Militärs defilieren auf dem Roten Platz in Moskau. reuters

Das Bild des starken Siegers

Die Siegesfeier hat auch eine wichtige vereinende Bedeutung für Russland selbst. «Es flossen Blut und Tränen. Aber der Krieg hat uns zu einem starken Staat gemacht», sagte Medwedew vor Tausenden Soldaten.

Die Regierung mache sich zu Nutze, dass das Volk so geschlossen hinter diesem Feiertag stehe, sagt dazu die liberale Politologin Maria Lipmann von der Moskauer Carnegie-Stiftung: «Die Machthaber wollen mit der Feier ein Bild vermitteln von einem starken russischen Staat, der ja international nie mächtiger war als am Ende des Zweiten Weltkrieges.» Die negativen Seiten der sowjetischen Geschichte und Kriegsverbrechen Stalins würden dabei gern verdrängt.

Allerdings hatte der russische Präsident Dmitri Medwedew im Vorfeld des Jahrestags die wieder aufflammende Verehrung für Stalin verurteilt und ungewöhnlich kritische Worte für den damaligen Heeresführer gefunden: Stalin habe «Verbrechen in grosser Zahl» an seinem Volk begangen, das könne nicht verziehen werden.

(sda/afp/frac/bami)

Kommentare aktiv...

D. Wohret, saas almagell
(d.wohret Mann)
Verfasst am: 10.5.2010 5:56

Blut und Tränen

fliessen noch immer im Kaukasus, wo... [1]  mehr

Zustimmen — 11 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 3 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

E. Anmerkender, Deutschland
(Anmerkender Mann)
Verfasst am: 10.5.2010 2:19

Leider verquickten die Sowjets

ihren grossen Anteil an der Befreiung Europas vom... mehr

Zustimmen — 6 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 5 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

M. Michael, Zürich
(MeierFCZ Mann)
Verfasst am: 9.5.2010 21:26

Der Staat als kapitalistisches Unternehmen

Sowjetische Dekoration, einheitliche... mehr

Zustimmen — 9 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 2 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

Dieser Artikel wurde archiviert. Die Kommentarmöglichkeit wurde deshalb deaktiviert. Vielen Dank für Ihr Interesse.