Schweiz
Orthodoxe Muslime unter Druck: Heikler Angriff der Justiz auf die Religionsfreiheit
Die Debatte um orthodoxe Muslime eskaliert. In Basel ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Muslim, der sich nicht vom Schlagen von Frauen distanziert – mit Verweis auf den Koran. Strafrechtler reagieren darauf mit Unverständnis, wie die «Rundschau» berichtet.
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Die Basler Justiz führt eine Strafuntersuchung gegen den Sekretär des Vereins «muslimische Gemeinde Basel». Aziz Osmanoglu hatte im SF-Dokumentarfilm «Hinter dem Schleier» das Schlagen widerspenstiger Ehefrauen mit dem Verweis auf einen Koranvers gerechtfertigt:
«Der Mann braucht Sex, darum kann er seine Frau, wenn sie sich weigert, im Extremfall schlagen. Es geht um die Familie – dass der Mann fremd geht, ist im Islam nicht erwünscht.»
Strafgesetz überstrapaziert
Viele orthodoxe Muslime nehmen die Koran-Verse aus dem Frühmittelalter wortwörtlich. Für Schlagzeilen gesorgt hat auch Nicolas Blancho, Präsident des Islamischen Zentralrats Schweiz, als er die Steinigung als Teil seines Glaubens rechtfertigte.
Die Schweizer Verfassung aber, so beteuern die Orthodoxen, würde über den Strafen der Scharia stehen. Aziz Osmanoglu sagt, in den zwölf Jahren ihrer Ehe habe er seine Frau nie geschlagen.
Sind fundamentalistische Aussagen ein Fall für die Justiz? In der «Rundschau» widerspricht Strafrechtsprofessor und SP-Nationalrat Daniel Jositsch: «Natürlich sind diese Äusserungen deplatziert, aber das Strafgesetzbuch ist nicht da, um jedes Problem in unserem Land zu lösen.» Das Strafrecht greife erst, wenn zu Gewalt aufgerufen werde.
Der Luzerner Islamwissenschaftler Andreas Tunger kritisiert die Mediendebatte der letzten Tage über die streng gläubigen Muslime als masslos übertrieben. Er erinnert daran, dass rund 400‘000 Muslime in der Schweiz leben. Nur jeder Zehnte praktiziert seinen Glauben. Und als fundamentalistisch gelten nur zwei bis drei Prozent.
Der Islamische Zentralrat erinnert Tunger an eine Jugend- und Protestbewegung: «Ich glaube nicht, dass diese Gruppe sich weiter radikalisiert, sondern dass sie eine kleine Nische im gesamten islamischen Spektrum bleibt.»
(sf/olsm)
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