Wirtschaft
Keine Überraschung an CS-GV - das ausführliche Protokoll
An der Generalversammlung der Credit Suisse im Zürcher Hallenstadion haben die Aktionäre den umstrittenen Vergütungsbericht 2009 wie erwartet angenommen. Zuvor hat VR-Präsident Hans-Ulrich Doerig zugegeben, dass die Grossbank Fehler gemacht hat. CEO Brady Dougan nahm zu den umstrittenen Boni Stellung. Hier das ausführliche Protokoll der Generalversammlung.
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15.00 Uhr: Doerig beschliesst die Generalversammlung
14.58 Uhr: Bestätigung der Revisionsstelle BDO AG
14.28 - 14.52 Uhr: Wiederwahl von Noreen Doyle, Aziz Syriani, David Syz und Peter Weibel. Neuwahl von Jassim Bin Hamad J.J. Al Thani und Robert Benmosche.
14.26 Uhr: Aktionäre segnen Anpassung der Statuten an das Bucheffekten-Gesetz ab
14.20 Uhr: Aktionäre nehmen Verwendung des Bilanzgewinns an
Zwei Franken Dividende pro Aktie
14.17 Uhr: Aktionäre erteilen den verantwortlichen Organen mit 97,74 Prozent die Décharge
14.15 Uhr: Ethos-Direktor Biedermann reagiert auf die Annahme des Vergütungsberichts
Wir verlangen nun von ihnen, dass sie eine schriftliche Konsultation aller Aktionäre über das Vergütungssystem durchführen. Wir sind überzeugt, dass dies dem VR helfen wird, das System anzupassen und die heutigen Exzesse zu verhindern.
14.14 Uhr: Genehmigung des Jahresberichts und der Jahresrechnung 2009
14.11 Uhr: Vergütungsbericht 2009 mit 66,23 Prozent angenommen
415 Mio. Aktien Ja, 182 Mio. Aktien Nein, 28. Mio. Aktien Enthaltungen
14.07 Uhr: Voten der Aktionäre sind beendet
14.04 Uhr: Aktionär
Grüssgott Idioten und Mega-Abzocker. Liebe Aktionäre, unterschreibt bitte die Initiative der Juso 12:1.
14.00 Uhr: Doerig nimmt Dougan in Schutz
Jetzt muss ich unseren Brady Dougan in Schutz nehmen. Die Resultate im letzten Jahr waren sehr gut.
Pfiffe im Saal
13.55 Uhr Aktionär an Doerig
Sie bereiten sich offenbar auf einen ehrenhaften Abgang vor, Herr Doerig. Aber weshalb machen Sie kein ausführliches Protokoll von dieser GV. Denn der grösste Teil der Aktionäre - der ja abwesend ist - weiss gar nicht, was hier vor sich geht.
13.49 Uhr: Juso-Präsident Cédric Wermuth tritt im Samichlaus-Kostüm auf
Sie mögen meinen Auftritt für lächerlich halten, aber lächerlich ist, dass Sie so viel verdienen. Herr Dougan, wenn Sie glauben, dass 90 Millionen Franken ein gerechter Lohn sind, dann glauben Sie wahrscheinlich noch an den Samichlaus.
Sie spielen mit unserem Geld, sie haben eine faktische Staatsgarantie. Wo ist Ihre Verantwortung, die Sie in Ihrer Rede erwähnt hatten?
13.43 Uhr: Aktionärin und Pfarrerin
Es kommt mir vor wie der grösste Bankraub der Geschichte.
13.40 Uhr: Nach viel Kritik etwas Lob
Älterer Aktionär schlägt sich mit Mikrofon und Hörhilfe herum
Es wurde so viel Negatives gesagt, deshalb möchte etwas Positives sagen. Nachdem es ja letztes Jahr nur 10 Rappen Dividende gab, gibt es nun wieder 2 Franken. Ich weiss nicht, wie ich ein ganzes Jahr mit 10 Rappen überleben konnte.
13.35 Uhr: Aktionär kritisiert Lohn-Politik
Das ist organisiertes Verbrechen, das ist Klau. Ich denke, Sie sollten sich etwas mehr um ihre Angestellten am Schalter kümmern, denn diese kümmern sich um die Kunden.
13.32 Uhr: Kritik am Verhalten im Fall Lehman
Ich bin ein ehemaliger Mitarbeiter der CS, mein Vater ist ein Lehman-Opfer. Ich finde das Verhalten der Bank diskriminierend. Einige Kunden wurden entschädigt, andere nicht.
Applaus
13.30 Uhr: Aktionär kritisiert Grösse der CS
Die CS hat ihre optimale Grösse schon lange überschritten. Grosse Firmen produzieren grosse Risiken. Das hat die Finanzkrise gezeigt.
Doerig irrt sich in der Redner-Liste und kündigt erst eine Frau an, merkt dann, dass es ein Mann ist. Doch es war ein ganz anderer Redner an der Reihe.
13.20 Uhr: Doerig nimmt Vergütungspraxis erneut in Schutz
Wir sind ein weltweit operierendes Unternehmen und können das Vergütungskonzept nicht nur der Schweiz anpassen.
13.15 Uhr: Aktionär schlägt Verzicht vor
Herr Dougan, ich bitte Sie, wir wollen Ihnen nichts wegnehmen. Aber wenn Sie auf die Hälfte verzichten, bin ich sicher, dass Sie über die Hälfte an Sympathie gewinnen. Das wäre doch eine super Investition.
13.05 Uhr: Doerig verteidigt das Engagement der CS
Wir versuchen auch im persönlichen Bereich Wert auf Umweltschutz zu legen: Ich habe ein umweltfreundliches Auto.
13.00 Uhr: Hans Hauri über Nachhaltigkeit
Sie schreiben Nachhaltigkeit gross, aber der Bereich Umwelt fehlt. Wenn Sie sich in diesen Fragen mehr engagieren, werden die Reputationsprobleme verschwinden.
12.52 Uhr: Aktionärin greift Geschäftsleitung und VR an
Es ist ein Anachronismus sondergleichen, dass dort auf dem Podium noch keine Frau sitzt. Sie sprechen von Frauenförderung etc., aber weshalb machen Sie es denn nicht?
Buh-Rufe und Pfiffe im Saal
12.47 Uhr: Aziz Syriani nimmt Stellung
Es wäre falsch, die Dividende mit den Boni in Relation zu bringen.
12.45 Uhr: die wohl kürzeste Aktionärs-Rede des Tages
Meine Damen und Herren, keine Boni ohne Dividende, Ende. Gelächter
12.40 Uhr: Aktionär empfiehlt sich als günstigere Alternative zu Dougan
Ich wäre gerne bereit, für nur zwei Millionen an der Spitze der CS zu stehen. Andere im Saal wohl auch, unsere Namen finden Sie im Telefonbuch. Applaus im Saal
12.34 Uhr:Aktionär Hans-Jacob Heitzmit einigen Zahlenbeispielen
Ich möchte diesen 90 Millionen, die Herr Dougan 2009 bezog, ein paar Zahlenbeispiele beifügen: Pro drei Arbeitstage bekommt Herr Dougan eine Million Franken. Ein Bundesrat verdient 400'000 Franken pro Jahr, Herr Dougan bekommt 225 Mal mehr. Arbeitet er auch 225 Mal mehr?
500'000 Näherinnen müssten in der Dritten Welt unter miserablen Umständen arbeiten, um Dougans Lohn zu erhalten. 3 Millionen Menschen sind von dieser Summe abhängig.
12.30 Uhr: Ein Aktionär wendet sich an Walter Kielholz
Herr Kielholz, Sie sind ein Brandstifter. Sie haben immer mehr Entschädigungen verlangt. Brauchen wir die Supermanager überhaupt? Grosser Gewinn, grosses Risiko, grosse Boni. Aber Verantwortung tragen, das ist ein Fremdwort.
Der Aktionär wendet sich an Brady Dougan, und verlangt, dass Dougan Deutsch lernen solle. Gelächter im Saal
12.20 Uhr: Aktionär René Zeyer kritisiert das Vorgehen der CS im Lehman-Fall
Shame on you, Mister Dougan! Übernehmen Sie Verantwortung. Schaffen Sie Vertrauen. Beweisen Sie, dass Sie ein Herz haben. Nehmen Sie ihr Portemonnaie und bezahlen Sie.
Kaufen Sie sich nicht eine Yacht oder ein Ferienhaus, Herr Dougan, kaufen Sie sich ein besseres Gewissen.
12.17 Uhr: VR-Präsident Doerig verteidigt sich gegen die Angriffe von Biedermann
In Sachen Kapital wird in den nächsten Jahren einiges gehen.
12.15 Uhr: Biedermann fordert ein Nein zum Vergütungsbericht 2009
12.13 Uhr: Dominique Biedermann von der Pensionskassen-Stiftung Ethos kritisiert die Vergütungssysteme der CS
Solche Vergütungspläne führen zu exzessiven Vergütungen und gefährden den sozialen Frieden.
Biedermann kritisiert ungenügende Transparenz bei der Vergütung und fordert höhere Eigenmittel.
12.11: Doerig über Depotstimmen
22 Votanten haben sich in die Rednerliste eingetragen. Ich übergebe das Wort an Herrn Biedermann.
Depotstimmen werden nicht verwendet. Hinter jeder Stimme steht eine Unterschrift eines Aktionärs.
12.10: Doerig klärt Aktionäre über ihre «Macht» auf
Die Stimmen der anwesenden Aktionäre entsprechen 2,3 Prozent des gesamten Aktienkapitals der CS.
2394 Aktionäre sind anwesend, sie vertreten 627'463'291 Stimmen
12.00: Aziz verteidigt PIP-Bonisystem
Wir stimmen heute nicht über den PIP ab. Trotzdem möchte ich darüber sprechen, da dieser in den Medien kritisiert wurde. Das gleiche Programm hätte in sieben von acht vergleichbaren Grossbanken zu keinerlei Boni geführt. Wir waren die erste Bank, welche die Regeln der G20 bezüglich der Vergütung beachtet hat.
11.50 Uhr: Ausführungen zum Vergütungsbericht 2009
Der Vorsitzende des CS-Vergütungsausschusses Aziz Syriani stellt die neue Vergütungsstruktur vor. Der Anteil gestaffelt ausbezahlter Boni ist grösser geworden. Im Schnitt beträgt das Verhältnis von fixem zu variablem Lohn 40 zu 60.
11.47 Uhr: Dougan beendet seine Rede
11.45 Uhr: CEO Dougan nimmt Stellung zum kontroversen Thema der Vergütung
Wir setzen alles daran, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und an das Unternehmen zu binden. Deshalb ist die Vergütungspolitik ein wichtiges Element. Es ist mir bewusst, dass es ein kontroverses Thema ist. Ich glaube, dass sich unser Modell in den vergangenen Jahren bewährt hat und uns geholfen hat, die Krise zu meistern.
11.40 Uhr: Dougan über die Folgen der Krise
Unsere Branche ist noch längst nicht zum Alltagsgeschäft zurückgekehrt. Die Folgen der Krise werden noch Jahre spürbar sein.
11.34 Uhr: Dougan zum Bankgeheimnis
Verschwiegenheit und Diskretion dürfen nicht missbraucht werden. Sorgfaltspflichten haben oberste Priorität. Aus diesem Grund unterstützen wir auch die Entscheidung des Bundesrats, die OECD-Standards noch umfassender zu übernehmen, und wir halten Doppelbesteuerungsabkommen für den richtigen Weg.
11.33 Uhr: Dougan über Regulierung
Die CS gehört zu den Nutzniessern der jüngsten Regulierungstrends. Unsere Wachstumsstrategie ist nicht von unversteuerten Vermögenswerten abhängig.
11.30 Uhr: Dougan spricht über das Geschäftsergebnis
11.23 Uhr: Brady Dougan ergreift das Wort
Mit der Krise haben sich die Erwartungen unserer Kunden, Aktionäre und der Öffentlichkeit grundlegend verändert. Wir haben aber rasch reagiert. Auch wir haben Fehler begangen, unser Ergebnis zeigt aber, dass wir auch einiges richtig gemacht haben.
11.10 Uhr: Doerig beendet seine Rede
Wir wollen gewinnen, liebe Aktionäre, zu ihrem Wohl, und dies nachhaltig.
Darf ich Sie darauf hinweisen, dass der Aktionärsapéro auch dieses Jahr erst nach Schluss der GV stattfinden wird?
11.02 Uhr: Plädoyer gegen Vorschriften und Regulierungen
Ich mache mir Sorgen über den Finanzplatz Schweiz, falls wir Regeln einführen, die das Wachstum hemmen und wichtige Entwicklungen blockieren. Ich vertraue auf helvetische Tugenden: gesunder Menschenverstand, geprägt von unserer DNA als Bergler und Bauern.
10.57 Uhr: Doerig räumt erneut Fehler ein
Doch wir haben diese Fehler über Jahrzehnte stets aus eigener Kraft korrigiert. Ohne jede Staatshilfe in 154 Jahren.
10.56 Uhr: Doerig über seine Vision
Wir wollen zur angesehensten Bank vorrücken.
10.50 Uhr: Doerig lobt die Arbeit seiner Mitarbeiter
10.47 Uhr: Doerig zu Steuerhinterziehung und Bankgeheimnis
Privatsphäre bleibt ein zentraler Pfeiler unseres Finanzplatzes. Banken sind kein verlängerter Arm der Steuerbehörden.
10.42 Uhr: Doerig weist Kritik zurück
Grosse Gesellschaften sind einfache Zielscheiben für vereinfachten Populismus. Die Grösse einer Bank darf nicht alleiniger Massstab sein. Grösse kann auch Stabilität bringen. «big enoug to cope», nicht nur «too big zu fail».
10.40 Uhr: Doerig gibt Fehler zu
In der ganz grossen Krise sind auch uns Fehler unterlaufen. Aus diesen Fehlern haben wir Lehren gezogen.
Die CS-Mannschaft ist am Ball, sie spielt in der obersten Liga, trotz einiger gelber und roter Karten.
Ich bin stolz, seit 37 Jahren für unsere CS zu arbeiten. Ich bin stolz, dass wir mit unserer aussergewöhnlichen Mannschaft Aussergewöhnliches erreichen.
(sf/sprm)
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