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Wieder SRG-Umfragen vor Abstimmungen

Samstag, 24. April 2010, 12:50 Uhr, Aktualisiert 21:01 Uhr

Die SRG SSR idée suisse wird künftig wieder Trendum­fragen vor eidgenössischen Abstimmungen publizieren. Generaldirektor Armin Walpen hat auf Empfehlung der Chefredaktoren-Konferenz SRG SSR beschlos­sen, den nach der Minarett-Abstimmung vom 29. November erlassenen Publikationsstopp aufzuheben.

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Publikationsstopp für SRG Trend-Umfragen aufgehoben (Tagesschau, 24.04.10)

Von der SRG SSR in Auftrag gegebene vertiefte Abklärungen haben unter anderem ergeben, dass die Diskrepanz zwischen den Resultaten der zweiten Minarett-Trendumfrage und dem Abstimmungsergebnis mit grosser Wahrscheinlichkeit auf ein «sozial erwünschtes» Antwortverhalten eines Teils der Befragten zurückzuführen ist.

Bild Eine Person legt einen Wahlzettel in die Urne.
Die SRG wird künftig bei Befragungen zu sensiblen Wahlvorlagen besondere Vorsichtsmassnahmen treffen. colourbox

Vorsichtsmassnahmen

Das heisst, dass Befürworter der Initiative ihre Zustimmung entweder durch Verweigerung von Angaben oder durch falsche Antworten verborgen haben. Die SRG SSR und gfs.bern werden künftig bei Befragungen zu sensiblen Vorlagen besondere Vorsichtsmassnahmen treffen.

Kurz nach der Abstimmung über die Initiative «gegen den Bau von Minaretten» vom 29. November 2009 hatte die SRG SSR angesichts der Diskrepanz der letzten Trendumfrage und dem tatsächlichen Abstimmungsergebnis entschieden, vertiefte Abklärungen einzuleiten und vorläufig keine Umfragen mehr zu publizieren.

Eine erste externe und unabhängige methodische Überprüfung ergab, dass die Befragung nach international anerkannten Standards und nach bestem heute verfügbaren Wissen und Know-how durchgeführt worden ist.

Eine medial-politische Vertiefungsstudie der Universität Zürich, Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) unter der Leitung von Prof. Kurt Imhof, kommt nun zum Schluss, dass die Befragung in einem Meinungsklima stattfand, das ein «sozial erwünschtes» Antwortverhalten von Befürwortern der Initiative stark begünstigt hat.

Kritik an «classe politique»

Ein weiterer Hauptbefund der FÖG-Studie besagt, dass der sogenannte Argumente-Test in der Umfrage zwar die meisten Themen in der öffentlichen Debatte richtig erfassen konnte, nicht aber die latent vorhandene Haltung von Befürwortern der Initiative, «ein Zeichen gegen die classe politique» zu setzen. Dies war laut FÖG neben dem korrekt befragten Argument, es gelte «ein Zeichen zu setzten gegen die zunehmende Verbreitung des Islams», das zweitwichtigste Argument der Initiativ-Befürworter in der öffentlichen Diskussion.

Laut FÖG haben SRG SSR und gfs.bern die Befunde der Umfrage durchaus differenziert kommuniziert. So wurde ausdrücklich festgehalten, die Meinungsbildung verlaufe atypisch für eine Initiative und der Ausgang der Abstimmung sei «unsicher». Eine systematische Medienauswertung ergab aber laut FÖG, dass diese Befunde der Umfrage in den Medien nur ungenügend aufgenommen wurden und dass fast die Hälfte der Medienberichte den Eindruck vermittelten, das Ergebnis der Abstimmung stehe schon fest.

Massnahmen bei künftigen Umfragen

Die SRG SSR und gfs.bern werden unter Berücksichtigung dieser Analyse bei künftigen Trendumfragen mit ähnlichem Konfliktmuster wie bei der Minarett-Initiative zusätzliche publizistische und methodische Begleitmassnahmen treffen. Dazu gehören nicht nur die wesentlich stärkere Beachtung eines möglichen «sozial erwünschten» Antwortverhaltens von Befragten, sondern auch Umfrage-Begleitstudien zum verbesserten Einbezug der Argumente und des Meinungsklimas. Diese Massnahmen haben zum Ziel, grössere Diskrepanzen zwischen dem Umfrageresultat und dem tatsächlichen Abstimmungsergebnis möglichst zu vermeiden.

Besonderes Gewicht soll künftig auch auf die differenzierte Vermittlung der Umfrage-Ergebnisse gelegt werden: die Zahlen sind das eine, deren Wertung das andere. Insbesondere gilt es noch stärker zu unterstreichen, dass es sich bei Trendumfragen nicht um «sichere Prognosen» handelt, sondern um Momentaufnahmen zu einem bestimmten Zeitpunkt vor der Abstimmung.

Die SRG SSR hat – wie schon früher angekündigt – eine weitere externe Studie in Auftrag gegeben, die sich mit der Frage beschäftigt, welche Wirkungen SRG-SSR-Umfragen auf die Entscheidungsfindung bei Abstimmungen haben. Diese auf lange Sicht angelegte Studie setzt die Schwerpunkte auf den Meinungsbildungsprozess und die Mobilisierung der Stimmenden.

(sf)

Kommentare aktiv...

R. Anderegg, Buchs
(karthago_77 Mann)
Verfasst am: 25.4.2010 12:58

So nicht!!

Vom GFS sollten auf SF DRS überhaupt keine... mehr

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D. Wohret, saas almagell
(d.wohret Mann)
Verfasst am: 25.4.2010 6:36

Wie sehen denn bitte

"besondere Vorsichtsmassnahmen" gegen... mehr

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B. moser, wichtrach
(berni11 Mann)
Verfasst am: 24.4.2010 18:19

Es ist einfach unglaublich!!!

Was Walpen und Linken mit unseren Zwangsabgaben... mehr

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