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International

Ostermarschierer richten Blick nach Afghanistan

Sonntag, 4. April 2010, 6:13 Uhr

Einen Tag nach der Tötung von drei Bundeswehrsoldaten haben Tausende Friedensaktivisten bei den traditionellen Ostermärschen in Deutschland für einen Afghanistan-Abzug demonstriert. Bei den grössten Veranstaltungen in Stuttgart und München versammelten sich jeweils rund 1500 Menschen, wie Ostermarsch-Sprecher Willi van Ooyen in Frankfurt am Main mitteilte.

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Ostermärsche für Afghanistan-Abzug

Insgesamt habe es Aktionen in 34 Städten gegeben. Demnach entsprachen die Teilnehmerzahlen etwa dem Niveau des Vorjahres.

«Stimmung im Grundsatz sehr pazifistisch»

Die bundesweiten Aktionen signalisierten, dass es eine breitorganisierte Friedensbewegung gebe: «Wir haben eine Stimmung, die im Grundsatz sehr pazifistisch ist», sagte van Ooyen.

In diesem Jahr feiern die Ostermärsche ihren 50. Geburtstag. Es sei eine nach wie vor «lebendige Bewegung mit langem Atem und angesichts des friedenspolitischen Versagens der Bundesregierung ein dringend notwendiges Korrektiv», erklärte das Netzwerk Friedenskooperative.

Für den Tod der drei Bundeswehr-Soldaten am Karfreitag nahe Kundus machte die Bewegung die «zynische und uneinsichtige Politik» der Bundesregierung verantwortlich: «Es muss umgehend mit dem Abzug der Truppen begonnen werden», hiess es.

Von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kämen lediglich Durchhalteparolen, welche «die absolute Ratlosigkeit der Bundesregierung» zeigten, kritisierte das Netzwerk Friedenskooperative. Es werde weitere tote Kämpfer auf beiden Seiten «und vor allem auch immer wieder Opfern unter der Zivilbevölkerung» geben.

«I like peace - Krieg ist mies» und «Abrüstung statt Militarisierung der EU - für ein friedliches Europa», hiess es auf Transparenten. Beim Ostermarsch «Rhein Ruhr» zogen in Düsseldorf nach Polizeiangaben rund 500 Teilnehmer durch die Innenstadt zum Rathaus.

Zwischenfall in Leipzig

In Leipzig kamen bis zum Nachmittag etwa 300 Demonstranten zusammen. Dort gab es laut Polizei einen Zwischenfall, als sechs Leute in Blauhemden der DDR-Jugendorganisation FDJ an dem Marsch teilnehmen wollten. Diese mussten das FDJ-Emblem überkleben.

In Wiesbaden demonstrierten knapp 200 Menschen, in Michelstadt im Odenwald und in Bremen jeweils etwa 250. Weitere Aktionen fanden etwa in Braunschweig, Ramstein, Saarbrücken, Kiel und Duisburg statt.

Die Ostermärsche entstanden in Westdeutschland 1960 nach britischem Vorbild und etablierten sich als politische Protestaktion der Friedensbewegung gegen Atomwaffen. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall des Ostblocks hat das Interesse nachgelassen.

Rüstungsexporte und Atomwaffen im Fokus

Am Ostersonntag wollen die Ostermarschierer auch die deutschen Rüstungsexporte und die Forderung nach einer Abschaffung von Atomwaffen in den Mittelpunkt rücken. Unter anderem soll in Büchel in der Eifel für den Abzug der dort lagernden US-Atombomben demonstriert werden.

Im westfälischen Gronau sind Proteste gegen die dortige Urananreicherungsanlage geplant. In Köln startet eine Motorrad-Friedensfahrt. In der brandenburgischen Kyritz-Ruppiner Heide ist eine Demonstration an dem Areal geplant, das bis vor kurzem als «Bombodrom» vorgesehenen war. Am Montag sind laut zentralem Ostermarschbüro bundesweit etwa 15 Aktionen geplant.

(agenturen/halp)

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