Schweiz
Imam am Freitagsgebet: «Andersgläubige sind niedriger als Tiere»
Die SF-Dokumentarfilm-Redaktion (DOK) hat fünf Freitagspredigten von arabischen Moscheen in der Schweiz ausgewertet. Drei davon waren ideologisch heikel: In Genf wetterte ein Imam gegen die Dekadenz des Westens. In Biel verglich ein Prediger die aktuelle Situation der Schweizer Muslime mit jener von Muslimen in Palästina und Afghanistan und in Basel bezeichnete ein Imam Andersgläubige als «niedriger als das gläubige Tier».
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DOK hat zusammen mit einem arabischen Übersetzer die Freitagsgebete besucht.
«In dieser Gesellschaft beschimpft man Leute mit islamischen Kleidern, welche die Reize bedecken», sagte der Marrokaner Youssef Ibram, Imam an der Moschee der saudi-arabischen Botschaft in Genf, am Freitagsgebet für Diplomaten. Leichte Bekleidung und die Tendenz, sich immer mehr zu entblössen, würden aber als Ausdruck der Aufklärung und Zivilisation gesehen. «Wenn du deine Blicke nicht senkst, wirst du zum Anhänger von Satan», so Ibram weiter.
Vor sechs Jahren verliess Ibram unter Druck die arabische Zayed Moschee in Zürich, weil er die Steinigung als Teil der islamischen Rechtsordnung Scharia gutgeheissen hatte. Später präzisierte er, die Scharia gelte nicht in der Schweiz.
«Einer Hetzkampagne ausgesetzt»
In der Rahman-Moschee in Biel predigt seit rund zehn Jahren ein Imam aus Algerien: «Vor einigen Jahren glaubten wir Muslime in Europa und Amerika, friedlich und sicher zu leben. Uns würde nicht passieren, was den islamischen Gesellschaften in Palästina, Irak und Afghanistan passiert. Jetzt aber sind wir Muslime in der Schweiz einer Hetz-Kampagne ausgesetzt», sagte der Imam am Freitagsgebet.
«Wenn der Imam tatsächlich so reden würde, müsste ich sagen, dass ich nicht mit allen Inhalten einverstanden bin», kommentiert Nicolas Blancho, Präsident des umstrittenen islamischen Zentralrat Schweiz und Vizepräsident der Rahman-Moschee die Predigt gegenüber der Redaktion DOK.
«Niedriger als das gläubige Tier»
Die heikelste Predigt stammt aus der arabischen Ar-Rahma-Moschee in Basel: «Ohne die Botschaft Mohammeds anzuerkennen, ist die ganze Menschheit auf dem Irrweg. Sie ist niedriger als ein Tier. Der Mensch, der Allah mit Absicht nicht anerkennt, ist niedriger als das gläubige Tier.»
Der Imam ist ein Tunesier, der seit über 20 Jahren mit seiner Familie in der Schweiz lebt und als Autohändler arbeitet. Zu seiner Predigt, die auf einen heiklen Koran-Vers anspielt, wollte er gegenüber der Redaktion keine Stellung nehmen.
Was ist ein Imam?
Das Gebet in einer Moschee wird von einem Imam geleitet, der vor den übrigen Gläubigen unmittelbar an der Gebetsnische steht. Er rezitiert Koranverse. Ein Imam ist kein «Geistlicher», vielmehr kann jeder Gläubige, der den Ritus des Gebets beherrscht, diese Aufgabe wahrnehmen. Oftmals sind jedoch ausgebildete Religionsgelehrte in dieser Funktion tätig. (wikipedia)
Grenzfälle
Der Nachrichtendienst des Bundes darf Imame nicht abhören. «Bei Aussagen, die bestimmte Volksgruppen systematisch herabsetzen können, beispielsweise im Vergleich mit Tieren, könnte allenfalls der Tatbestand einer rassistischen Diskriminierung vorliegen», sagte Vizedirektor Jürg Bühler. Es sei klar, dass es oft um Grenzfälle gehe. «Das erlaubt aber nicht die systematische Überwachung der Schweizer Moscheen», sagte Bühler weiter.
Eine Verschärfung der Gesetze, welche dem Nachrichtendienst erlaubt hätte, Moscheen bei Aufrufen zu Gewalt oder Terror abzuhören, hat das Parlament letztes Jahr verworfen. Eine zwei Jahre alte Studie, die der Sicherheitsausschuss des Bundesrates in Auftrag gegeben hatte, geht von mindestens acht radikalen Predigern aus.
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