Schweiz
Streit um «Schwarze Liste» für pädophile Priester
Der Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK), Norbert Brunner, empfindet «echtes Bedauern» über die neuen Missbrauchsfälle, die jüngst publik wurden. Handlungsbedarf sieht er indes nicht, wie er der «NZZ am Sonntag» erklärte. Derweil wird der Ruf nach einer «Schwarzen Liste» für pädophile Priester immer lauter und ein Kirchenrechtler fordert «kein Pardon» für Schuldige.
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Bischof Brunner verweist im Interview mit der «NZZ am Sonntag» auf bestehende Richtlinien der Kirche, die auch weiterhin Missbrauchsfälle nicht automatisch zur Anzeige bringen will.
Scharfe Kritik eines Oberstaatsanwalts
Eine Regelung, die der Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich, Andreas Brunner, in dem Blatt kritisiert. Ohne Anzeigen seien den Untersuchungsbehörden die Hände gebunden, betont er.
An sich wäre die Kirche gehalten, Anzeige zumindest in jenen Fällen zu erstatten, wo eine Handlung eindeutig strafbar ist; etwa in Fällen von sexuellen Handlungen an Kindern. «Ich sehe nicht ein, warum sich die Kirche hier anders verhalten sollte als ein Sportverein oder ein Kinderheim», so Brunner.
Notwendig sei in der Kirche ein Kulturwechsel in dem Sinne, dass grundsätzlich Strafanzeige zu erstatten sei. Das hätte nach Ansicht des Oberstaatsanwalts auch präventive Wirkung.
Spaltung der Bischofskonferenz?
Die Forderung nach einem Zentralregister für fehlbare Priester scheint die Schweizer Bischofskonferenz bereits zu spalten. Nach dem Bekanntwerden neuer Fälle sexuellen Missbrauchs drängt Martin Werlen, Abt des Klosters Einsiedeln und Bischofskonferenz-Mitglied, in der «SonntagsZeitung» auf ein «zentrales Register in Rom, weil sich zeigt, dass Versetzungen von Priestern nicht nur innerhalb eines Landes geschehen». Werlen gehört dem SBK-Gremium «Sexuelle Übergriffe in der Pastoral» an, das 2002 gegründet wurde.
Doch bei SBK-Präsident Norbert Brunner stösst die Register-Forderung auf Ablehnung: «Ich sehe die Zweckmässigkeit nicht», sagte er der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche»: «Es ist Aufgabe eines jeden Bistums, zu prüfen, ob eine Person den fachlichen und moralischen Ansprüchen entspricht, bevor sie eingestellt wird.»
CVP: «Berufsverbot» für fehlbare Priester
Auch die CVP fordert mittlerweile eine «Schwarze Liste» für pädophile Priester. «Wer Kinder missbraucht, darf nicht mehr mit Kindern arbeiten», fordert CVP-Präsident Christophe Darbellay im «Sonntag». Gegenüber Pädophilen müsse «ein Berufsverbot» verhängt werden: «Mit einer Schwarzen Liste kann man das Berufsverbot umsetzen», schlussfolgert er.
Auch CVP-Vizepräsidentin Ida Glanzmann will ein zentrales Melderegister für fehlbare Priester: «Jetzt braucht es eine schwarze Liste.» Damit solle sichergestellt werden, dass pädophile Priester von Kindern ferngehalten werden.
Zustimmung für ein solches Projekt signalisiert auch der Generalvikar im Bistum Chur, Roland-Bernhard Trauffer, der sich im «Sonntag» für eine Schwarze Liste ausspricht. «Persönlich wäre ich einverstanden, wenn Übergriffe vermieden werden können», so Trauffer.
Kein Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch?
Zwischen dem Zölibat und solchen Taten gebe es aber «keinen Zusammenhang», erklärt er weiter. Sexuelle Gewalt werde in über 95 Prozent der Fälle von Männern verübt, die in Ehen oder festen Partnerschaften leben.
Eine Untersuchung zeige, dass die Wahrscheinlichkeit, dass nicht-zolibatär lebende Männer zu Missbrauchstätern werde, 36 mal höher sei als bei katholischen Priestern. Der öffentliche Sündenbock-Rexflex sei jedoch vorhanden «und das verdeckt viele tägliche Abgründe». Es brauche mehr Aufklärung und Prävention, so Trauffer.
Kirchenrechtler: Schuldige Priester feuern
Eine «Black List» für Pädophile gibt es bereits an den Schweizer Schulen. Seit zwei Jahren müssen die Kantone der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) melden, wenn Lehrer wegen Pädophilie verurteilt wurden. Ein Eintrag in das zentrale Melderegister sei mit einem Berufsverbot verbunden.
Adrian Loretan, der bekannte Professor für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht, spricht nach den neuesten Enthüllungen zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche Klartext: Es genüge nicht «zu warten, bis Opfer Klage vor einem staatlichen Gericht erheben. Dazu sind die Fälle zu gravierend. Da gibt es kein Pardon», hält der 50-jährige Loretan gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag» fest.
Rütteln am Zölibat als Auswahlkriterium
Und fügt hinzu: «Priester, die sexuellen Missbrauch begangen haben, müssen von allen Ämtern enthoben werden, da sie durch ihr Verhalten für die kirchliche Gemeinschaft schweren Schaden verursache haben».
Zudem stelle sich immer dringender die Frage, «ob das Zölibat für leitende Personen in der Kirche als entscheidendes Auswahlkriterium richtig ist».
(sf/halp)
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M. Wartenberg, Basel
)
(qwasy
Verfasst am: 21.3.2010 20:25
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E. Huwiler, Baar
)
(Lisi1
Verfasst am: 21.3.2010 16:25
Schwarze Liste
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T. Berger, Bern
)
(tommyboy
Verfasst am: 21.3.2010 12:28
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