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Pädophiler Priester: Bistum Basel wusste alles

Mario Poletti
Freitag, 19. März 2010, 11:04 Uhr, Aktualisiert 22:36 Uhr

Das Bistum Basel hat genau Bescheid gewusst, dass ein Pater bei seinen früheren Einsätzen in Deutschland und Österreich wiederholt sexuellen Missbrauch an Knaben verübt hatte. Das Bistum Basel bestätigt entsprechende Recherchen von «10vor10».

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Bistum wusste von Missbrauchsvorwürfen

Der Kommunikationsbeautragte des Bistums Basel, Giuseppe Gracia, bestätigt schriftlich: «Als der Pater in den Dienst übernommen wurde, wussten die Verantwortlichen des Bistums Basel offenbar, dass er die vorherigen Einsatzorte wegen unerlaubter sexueller Handlungen hatte verlassen müssen.»

«Unvertretbare Fehleinschätzung»

Dennoch stimmte die Bistumsleitung in Absprache mit den Ordensvorgesetzten dem Einsatz als Aushilfspriester, später als Pfarrhelfer, unter folgenden Auflagen zu: «ärztliche Behandlung und Begleitung durch den zuständigen Pfarrer als Vorgesetzten und geistlichen Vater», schreibt Gracia weiter.

Das Bistum Basel bezeichnet die Anstellung «aus heutiger Sicht als unvertretbare Fehleinschätzung», schreibt Garcia weiter. Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe die Bistumsleitung aber keine Kenntnis davon, dass der Priester während der 16 Jahre seines Einsatzes im Bistum Basel pädophile Übergriffe verübt habe.

Interview mit Walter Müller, Informationsbeauftragter der Schweizer Bischofskonferenz

Informations-Offensive

Die römisch-katholische Kirche ist in den letzten Tagen wegen der jüngst bekannt gewordenen Missbrauchsfälle massiv unter Druck geraten. In einem Interview mit der «Tagesschau» betonte Walter Müller, Informationsbeauftragter der Schweizer Bischofskonferenz, am Donnerstag, man wolle Klarheit und Transparenz schaffen. Die Kirche wolle sich der Opfer annehmen. Diese würden ermutigt, Anzeige zu erstatten. Wenn ein Vorfall bekannt werde, gehe man sofort an die Öffentlichkeit.

Pater kein unbeschriebenes Blatt

Gestern Abend zeigte «10vor10» ein Polizeidokument aus Österreich, welches besagt, dass der Pater von Anfang an Knaben missbrauchte und dass die Ordensvorgesetzten von Anfang an Beischeid wussten und ihn trotzdem immer wieder in der Knabenbetreuung einsetzten.

Katholische Kirche reagiert auf Missbrauchsvorfälle

Im Polizeidokument heisst es wörtlich: «Pater (...) soll Ende der 60er-, anfangs der 70er-Jahre vom deutschen Kloster Birnau wegen wiederholtem sexuellem Missbrauch ins Gymnasium Mehrerau versetzt worden sein und dort über einen längeren Zeitraum die Missbrauchshandlungen zum Nachteil von Schülern fortgesetzt haben.»

Bild Klosterkirche Birnau am Bodenseee, Luftaufnahme
Klosterkirche Birnau am Bodensee: Hier soll der Pate zu Beginn der 70er-Jahre wiederholt sexuellen Missbrauch begangen haben. keystone

Was wusste das Bistum Chur?

Der Pater war schliesslich von 1971 bis 1987 im Bistum Basel tätig, in der Pfarrei Baden (AG) - und hat dort auch einen Kinderchor gegründet. Seit 1992 ist der Mann Priester in Schübelbach (SZ), das zum Bistum Chur gehört.

Unklar ist, ob das Bistum Chur damals von der Leitung des Bistums Basel über die Vorgeschichte des Paters informiert worden war.