Schweiz
Islam-Experte zu Gaddafi-Aufruf: «Muslime werden schmunzeln»
Reinhard Schulze, Islamwissenschaftler der Uni Bern, sieht Muammar Gaddafis Aufruf zum Dschihad («Heiliger Krieg») als relativ ungefährlich. Der libysche Staatschef nutze gerne halbinternationale Foren, wie jenes in Bengasi, um seine Weltsicht den Führern der islamischen Welt zu präsentieren, sagte Schulze in «10vor10». «Gaddafi nimmt die Schweiz zum Anlass, um sich als Führer der islamischen Welt darstellen zu können.»
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Gaddafis Aufruf zum Dschihad sei sicherlich nicht unmittelbar gefährlich, weil er in Europa kaum über Anhängerschaft verfüge, so Reinhard Schulze gegenüber «10vor10». «Die meisten Muslime werden sicherlich eher schmunzeln.»
Gaddafi werde weniger ernst genommen, als dieser sich das wünsche. Zum Kampf gegen die Schweiz würden sich so keine Muslime in Europa bewegen lassen. Laut Schulze will Gaddafi in Libyen Stärke zeigen. Dies, bevor er neue Verhandlungen um Max Göldi aufnehme.
Abidi: Kein Recht zum Dschihad-Aufruf
Muammar Gaddafi ist laut dem Islam-Experten Hasni Abidi aus religiöser Sicht gar nicht berechtigt, um zum «Heiligen Krieg» aufzurufen. Zudem hätten die Worte des libyschen Machthabers kein Gewicht in der arabischen Welt, sagte Abidi, der in Genf das Forschungszentrum für arabische Länder leitet.
Gaddafi hatte zuvor bei einer Rede in der libyschen Küstenstadt Bengasi zum Dschihad gegen die Schweiz aufgerufen, weil diese mit ihrem Minarett-Verbot «die Häuser Allahs» zerstöre. Diese Äusserungen habe Gaddafi in einem bilateralen Zusammenhang gemacht, sagte Abidi im Hinblick auf die derzeitigen Spannungen zwischen der Schweiz und Libyen.
Seiner Einschätzung nach habe die Schweiz also nicht zu befürchten, dass Gaddafis Aufruf von islamistischen Gruppen erhört werde - zumal Libyen auf der Seite der USA Organisationen wie die El Kaida bekämpfe und selber einiges zu befürchten habe.
(sf/sda/godc)
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