Kultur
«Band der hässlichen Leute» entert Europa
Die Dave Matthews Band ist eines der eigentümlichsten Phänomene der jüngeren Rockgeschichte: 1991 auf dem Höhepunkt der Grunge-Welle gegründet, fiel sie mit zwei Jazzern und einem Geiger sowie einem am liebsten Folk singenden Sänger durch alle Raster. Mit unermüdlichen Tourneen in den USA erspielte sie sich aber eine loyale Anhängerschaft.
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Allein von den acht Studioalben wurden 35 Millionen Stück verkauft. «Als wir anfingen, schien es ziemlich unwahrscheinlich, dass wir ein Publikum finden», sagt der 43-jährige Matthews. «Uns verfolgt immer noch ein merkwürdiges Gefühl, das alles nicht glauben zu können.»
Mitte Februar kommt er mit seiner Band nach Europa, unter anderem nach Österreich, Italien und Deutschland.
Durch den Hintereingang ins Theater geschlüpft
«Ich habe immer das Gefühl, dass diese Band durch den Hintereingang ins Theater geschlüpft ist», versucht Matthews, die Einzigartigkeit dieser Erfolgsgeschichte zu erklären. Und auch eine Schar gut aussehender junger Männer, die in den 90er Jahren von populären Boygroups zu Superstars wurden, sei seine Band nie gewesen.
«Irgendwie sind wir die Band der hässlichen Leute. Wir können nicht sagen, dass unser Aussehen uns nach oben gebracht hat. Wir waren mindestens schlecht gekleidet. Jetzt, wo wir älter werden, fangen alle an, gleich hässlich auszusehen....», grübelt Matthews.
Warum spielen wir, was wir spielen?
Dabei wisse er gar nicht wirklich, warum seine Band das spielt, was sie spielt. «Ich war damals ein grosser Grunge-Fan, ich mochte alle Arten Musik. Das gilt auch für alle anderen in der Band. Dann fingen wir aber an, eher zwischen Folk- und Rockmusik zu spielen. Mein Schlagzeuger (Carter Beauford) spielte aber Fusion bis hin zu astreinem Jazz. Mein Saxofonist, mein verstorbener Saxofonist (LeRoi Moore), spielte auch einfach Jazz. Als wir zusammen spielten, gab es eine Reaktion, eine Chemie, die eine gewisse Art Offenheit erzeugte. Und das hat sich verändert und weiter entwickelt. Es ist aber immer noch das Ergebnis dieser Konfusion.»
Unberechenbare Band
Man könnte auch sagen: Die Dave Matthews Band ist unberechenbar, spielt kein Konzert wie das andere, hat bis heute nicht ihre unbändige Spielfreude und Lust am Experimentieren verloren.
Ihr jüngstes Album «Big Whiskey & the GrooGrux King» (Warner) ist dafür ein treffendes Beispiel - Folk meets Rock meets Jazz auf einer tanzbaren Ebene, nie akademisch und doch unglaublich gekonnt.
Live-Alben ohne Ende
«Ich fühle mich mit der Musik und dem Publikum verbunden, aber auf sonderbare Art und Weise abgekoppelt von dem, was man Musikindustrie nennt», sagt Matthews, dessen Band seit Jahren ganz oben in der Bestenliste der umsatzstärksten Live-Acts in den USA auftaucht.
Sein Geschäftsmodell ist von Anfang an anders: Neben unermüdlichen Touren setzte er von Anfang an darauf, viele Live-Alben zu produzieren. 14 offizielle Veröffentlichungen sind es inzwischen. Immer noch sei es für ihn die pure Freude, Musik zu machen, der Zusammenhalt und der Spass in der Band sei grossartig.
In Europa kennt uns das Publikum nicht so genau
«Ich freue mich auf Europa und darauf, vor einem Publikum zu spielen, das uns nicht so genau kennt», betont Matthews.
Dabei ist er sich der Toleranz der einzelnen Bandmitglieder komplett bewusst: «Wenn wir zusammen spielen, ist da immer noch diese Offenheit, Carter kann seinen Jazz spielen und ich einen schrulligen Folksong singen. Aber aus welchem Grund auch immer kommt das immer auf eine nette Art zusammen. Das ist das Glück einer Alchemie, in der uns unsere Unterschiede zusammengebracht haben - und nicht die Suche nach einer gemeinsamen Basis. Diese Basis ist da, obwohl wir so unterschiedlich sind.»
Mittlerweile kopieren auch die ganz Grossen der Musikbranche das DMB-Modell, möglichst viele Live-Aufzeichnungen zu veröffentlichen. Auch ein Paul McCartney hat in diesem Jahrzehnt genauso viele Live- wie Studioproduktionen veröffentlicht - jeweils drei.
«Die Leute wollen direkter an die Live-Erfahrung erinnert werden», erklärt Matthews den Trend. «Direkter mit der Konzerterfahrung verbunden zu sein ist mehr und mehr das, was Musik sein wird. Und hoffentlich führt das dazu, dass mehr Leute selbst Musik machen. Es ist eines der Missgeschicke der massenproduzierten Musik, dass sie unabsichtlich Menschen entmutigt hat, selbst ein Instrument zu lernen. Jeder sollte ein Instrument spielen können! Vor hundert Jahren hatten viel mehr Leute eine Ahnung, zumindest sangen sie.»
Tausende kommen mit Velo zum Gig
Matthews und seine Band haben Präsident Barack Obama in dessen Wahlkampf unterstützt, beim Thema Klimawandel versucht er, seinen durch das Touren mit schweren Lastwagen und Bussen erheblichen «CO2-Fussabdruck» mit Gegenmassnahmen zu verkleinern.
«Ich bin ein enormer Verschmutzer», sagt er. Um das zu mindern, gibt er seinen Fans Anreize, «grüner» zu den Konzerten zu reisen: CDs oder einen Rabatt bekommt, wer Fahrgemeinschaften nutzt oder mit dem Fahrrad kommt. «Letztes Jahr hatten wir bei einem Konzert 60'000 Leute, und viele von denen - ich habe keine genaue Zahl - kamen mit dem Fahrrad.»
Matthews-Tour als Öko-Tripp
Busse und Lkw würden mit Biodiesel betankt, der Tourtross reise mit eigenen Recycling-Stationen, das Essen werde möglichst vor Ort aus heimischer Produktion bezogen.
Er investiere in Windkraftanlagen, unterstütze Bildungsprojekte, um Umweltbewusstsein zu schaffen. «Ich bin noch lange nicht zufrieden, ich denke, wir können noch viel mehr tun. Zufrieden werde ich sein, wenn wir den Planeten wieder ins Gleichgewicht bringen.»
(halp)
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S. Mächler, Netstal
Verfasst am: 10.2.2010 16:32
auf SF1?
Gab's eigentlich ein Bericht zur Band auf SF1?... mehr
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S. Mächler, Netstal
Verfasst am: 10.2.2010 16:25
DMB auch hierzulande!
Herzlichen Dank für das tolle Interview mit... mehr
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