International
In einem kleinen Dorf lauert eine globale Gefahr
Das neben einer Schlammpiste gelegene kambodschanische Dorf O'treng besteht aus einer Handvoll Bambushütten auf krummen Holzstelzen am Rand von Maisfeldern. Aber der Ort an der Grenze zu Thailand ist die Heimat einer besonders gefährlichen Form von Malaria, gegen die ein Medikament nach dem anderen versagt. Nun haben Mediziner hier erstmals Hinweise auf eine Resistenz gegen das einzige weltweit erschwingliche Medikament entdeckt.
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Sollte auch Artemisinin seine Wirkung verlieren, gibt es keinen guten Ersatz mehr im Kampf gegen die Parasitenkrankheit, die jährlich rund eine Million Menschen tötet. Deshalb wollen Mediziner eine Ausbreitung des resistenten Erregers unbedingt verhindern.
«Das ist kein gewöhnliches Problem», warnt der Malaria-Experte Nick White von der Mahidol-Universität in Bangkok. «In den letzten Jahren sind Millionen Kinder gestorben, viele von ihnen durch resistente Erreger. Und wir wissen, dass die Resistenzen aus der gleichen Gegend stammen.»
Fast jeder Erreger resistent
Fast jeder Malaria-Erreger in Westkambodscha ist inzwischen gegen Arzneien resistent. Und hier brauchen Patienten inzwischen nach Einnahme von Artemisinin fast doppelt so lange zur Genesung wie anderswo - statt der typischen 48 Stunden sind es bis zu 96.
Mücken verbreiten die resistenten Malariastämme schnell von Hütte zu Hütte, von Dorf zu Dorf und auch von Land zu Land. Deshalb gerät O'treng ins Blickfeld von Gesundheits- und Hilfsorganisationen, die die neue Variante der alten Krankheit stoppen wollen.
Eingewickelt in einen Sarong liegt Chhien Rern fiebrig schwitzend und zitternd in ihrer Hütte. Vor drei Tagen suchte die 51-Jährige nach Arbeit, als sie sich plötzlich schlecht fühlte. Also ging sie in den nächsten Laden und fragte nach einem Malariamittel.
Der Verkäufer gab ihr eine Packung Pillen. «Nachdem ich sie genommen hatte, fühlte ich mich eine Weile besser», erzählt die Frau. «Dann wurde ich wieder krank.» Als Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Fieber immer schlimmer wurden, überredete ihre Tochter sie dazu, die nächste Klinik im 20 Kilometer entfernten Grenzstädtchen Pailin aufzusuchen. Die Ärzte dort vermuten, Chhien Rern habe gefälschte Medikamente bekommen.
Resistente Krankheitserreger entstehen vor allem dann, wenn Menschen zu wenig Medikamente nehmen, die Mittel zu früh absetzen oder wie oft in Südostasien gefälschte Präparate verwenden, die aber Spuren der echten Arznei enthalten.
Weil Mücken die entstandenen resistenten Stämme schnell weitertragen, können Arzneifälschungen zur weltweiten Verbreitung resistenter Formen führen.
Im benachbarten Laos ergab jüngst eine Studie, dass 88 Prozent der gehandelten Artemisinin-haltigen Präparate gefälscht sind. Was noch schlimmer ist: 15 Prozent der Fälschungen enthielten Spuren des Mittels, was eine Resistenz erst ermöglicht.
Viele Präparate stammen aus China, von wo sie auf Schmugglerpfaden nach Laos, Thailand, Vietnam und Kambodscha geschafft werden. Aber die Mittel erreichen auch andere Kontinente.
Handel mit Arznei-Fälschungen boomt
In Afrika boomt der Handel mit Fälschungen. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergab dort im Jahr 2003, dass je nach Präparat 20 bis 90 Prozent der Malaria-Arzneien nicht den Vorgaben entsprachen.
Zusammen mit Interpol bildete die WHO daraufhin eine Sondertruppe und beschlagnahmte in Asien und Afrika Millionen falscher Pillen gegen Malaria, Tuberkulose, HIV und andere Krankheiten. Aber Mitarbeiter sprechen von einem Tropfen auf den heissen Stein.
«Es gibt keine juristische Durchsetzung des Verbots», klagt David Sintasath, Mitarbeiter des Malaria-Konsortiums in Bangkok. «Wenn gefälschte Medikamente entdeckt werden, nimmt man sie den Händlern nur weg. Das hilft einen Monat, bis zur nächsten Lieferung.»
Die neue Resistenz gegen Artemisinin beunruhigt Mediziner auch deshalb, weil keine neuen Medikamente in Sicht sind. Katastrophal wäre eine Ausbreitung des Erregers nach Afrika, wo schon jetzt 2000 Kinder pro Tag an Malaria sterben.
Unwahrscheinlich ist das keineswegs: Vor 50 Jahren breitete sich eine Resistenz gegen den Malariawirkstoff Chloroquin von Kambodscha aus durch Wanderarbeiter über Birma zunächst nach Indien und von dort nach Afrika aus. Und zehn Jahre später zogen Erreger, die gegen Sulfadoxin-Pyrimethamin immun waren, über die gleiche Route.
Eine Wiederholung hätte katastrophale Folge, mahnt Malaria-Experte Nick White: «Wir brauchen jetzt eine konzertierte Aktion.»
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W. Quiring, Oberursel
Verfasst am: 8.2.2010 12:11
Damit verdient China viel Geld
Leider ist es so, dass China auf (fast?) allen... mehr
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A. Ka, Iraq
)
(an.ka
Verfasst am: 5.2.2010 9:25
China
Warum ist das mächtige China nicht in der Lage... [1] mehr
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