Inhalt

Erdbeben in Haiti

UNO: Schuldenerlass und «Marshall-Plan» für Haiti

Freitag, 29. Januar 2010, 11:19 Uhr, Aktualisiert 17:25 Uhr

Die UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) hat zu einem Schuldenerlass für Haiti aufgerufen. Die Schulden des von einem Erdbeben zerstörten, bitterarmen Karibikstaates beliefen sich auf eine Milliarde Dollar. Derweil gehen den Ärzten und in den Kliniken angesichts der zahllosen Verletzten die Medikamente aus.

Ohne Schuldenerlass sei die nächste Schuldenkrise für Haiti vorprogrammiert, argumentierte die UNCTAD in einem Communiqué.

Bild Ein Mann liegt vor einem zerstörtem Haus.
Aufgrund der Zerstörung in Haiti fordert die UNO weitergehende Hilfe. reuters

Die Schäden an Infrastruktur und der Wirtschaft durch das Beben beliefen sich auf mindestens 15 Prozent des Bruttonationalprodukts (BNP). Deshalb brauche die haitianische Regierung genügend Luft, um Reformen und Anpassungen umsetzen zu können.

Nach dem Erdbeben hatten mehrere Schuldner, darunter internationale Finanzinstitutionen, Haiti vorübergehend vom Schuldendienst befreit. Dies genügt nach Ansicht der UNCTAD jedoch nicht.

Wie nach dem 2. Weltkrieg

Für Haiti brauche es zudem eine Art Marshall-Plan, forderte die Organisation. Es brauche ein langjähriges Engagement der internationalen Gemeinschaft und massive Investitionen, um Haiti wieder auf die Beine zu bringen. «Die Herausforderungen, vor denen Haiti heute steht, sind vergleichbar mit jenen in Europa von 1947.»

Marshall-Plan

Der Marshall-Plan ist nach damaligen US-Aussenminister George C. Marshall benannt, auf dessen Initiative der Plan zurückgeht. Es war das wichtigste Wiederaufbauprogramm der USA für das durch den zweiten Weltkrieg zerstörte Westeuropa. Mit Hilfe des Plans erlebte Europa bereits in den 1950er-Jahren einen starken Aufschwung.

Gemäss der UNCTAD braucht es für Haiti zunächst rasche Investitionen in die Bildung, die Gesundheit sowie in Wasser- und Abwassersysteme.

Investitionen in die Landwirtschaft

Die UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom rief zudem zu grossen Investitionen in die haitianische Landwirtschaft auf. 700 Millionen Dollar seien für einen umfassenden Aufbauplan nötig, erklärte die FAO in ihrem Aufruf an die Geberstaaten.

Das vom haitianischen Agrarministerium aufgestellte Sonderprogramm sehe vor, in den kommenden 18 Monaten die vom Erdbeben beschädigte landwirtschaftliche Infrastruktur zu reparieren.

Die Versorgungslage des Landes bei Lebensmitteln sei bereits vor dem Beben «sehr anfällig und Haiti in einem hohen Masse abhängig von Einfuhren» gewesen, erklärte ein FAO-Krisenmanager in Haiti.

Die Regierung habe einen guten Aufbauplan für das dringend Notwendige ausgearbeitet. Als erstes seien 32 Millionen Dollar nötig, um vor der im März beginnenden Pflanzzeit Saatgut, Dünger und landwirtschaftliches Gerät zu beschaffen.

Medikamenten-Engpass

In einigen Krankenhäusern in Haiti gibt es derweil kaum noch elementarste Dinge wie Antibiotika und Schmerzmittel, berichteten Mediziner. «Man sieht die Leute hierher kommen, und sie stehen an der Schwelle des Todes», sagte die Ärztin Nancy Fleurancois. Die gebürtige Haitianerin ist aus den USA in ihre Heimat zurückgekehrt, um zu helfen.

Bild Kinder mit Essnäpfen warten auf Lebensmittel
Während die Lebensmittel-Lieferungen allmählich besser funktionieren, harzt es immer noch mit der Verteilung von Medikamenten. reuters

«Weitere Hilfe ist nötig», erklärte sie gegenüber einer UNO-Delegation. Die freiwillige Helferin behandelt in dem beschädigten Krankenhaus der Küstenstadt Jacmel zusammen mit ihren Kollegen täglich 500 Patienten.

Für viele sei es der erste Besuch bei einem Arzt seit dem verheerenden Beben vom 12. Januar. Man brauche dringendst Antibiotika und chirurgische Hilfsmittel, sagte sie.

Zerstörte Infrastruktur

Nach Angaben von Helfern steht die Lieferung von Medikamenten generell nur an dritter Stelle hinter Lebensmitteln und Zelten. Der Grund, warum es bei all diesen dringend benötigten Dingen zu Engpässen kommt, ist stets der gleiche: Der Bedarf ist gewaltig, und es ist nicht möglich, die Vorräte schnell genug nach Haiti zu bringen und in dem Staat mit seiner zerstörten Infrastruktur zu verteilen.

(apn/sda/gmue/hesa)

Kommentare aktiv...

B. Scheidegger, Bern

Verfasst am: 29.1.2010 17:05

Höchste Zeit

für die Pharmas, genügend geeignete Medis zu... [1]  mehr

Zustimmen — 8 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen

Heiklen Inhalt melden antworten

M. Weber, Basel

Verfasst am: 29.1.2010 14:59

Haiti ist...

....ein Gradmesser unserer momentanen... mehr

Zustimmen — 9 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 8 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

M. hurni, Bern

Verfasst am: 29.1.2010 13:12

guten tag sie herren.

in 10vor10 wurde gesagt, dass der göttibatzen... mehr

Zustimmen — 3 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 9 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

Dieser Artikel wurde archiviert. Die Kommentarmöglichkeit wurde deshalb deaktiviert. Vielen Dank für Ihr Interesse.