Kultur
Maria Becker wird 90
Maria Becker feiert ihren 90. Geburtstag. Die letzte lebende Legende der grossen Zürcher Schauspielhaus-Ära während des Dritten Reichs hat noch viel vor. In der nächsten Schauspielsaison produziert sie mit ihrem Sohn Benedict Freitag «Mutter schafft mich».
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Der Titel lässt sich nicht auf die Wirklichkeit übertragen: Becker und ihr jüngster Sohn arbeiten seit 1982 im Tournéetheater «Schauspieltruppe Zürich» zusammen. Maria Becker hatte das freie Ensemble 1956 zusammen mit ihrem damaligen Mann, dem Schauspieler und Regisseur Robert Freitag und beider Kollegen Will Quadflieg gegründet.
Auch nach ihrer Scheidung kooperierten Becker und Freitag bis in die 90er Jahre produktiv weiter. Zeitweise spielte auch Sohn Oliver Tobias und Roberts Bruder Otto mit.
Zur Gründung der freien Theatertruppe war es unter anderem deshalb gekommen, weil das Zürcher Schauspielhaus nach dem erfolgreichen Ensemblekonzept der Kriegsjahre in den 50er Jahren vermehrt auf Gaststars setzte. Altgediente Publikumslieblinge wie Maria Becker erhielten dadurch nicht mehr genug Rollen.
Mit der «Schauspieltruppe Zürich» dagegen gastierte Becker in ganz Europa erfolgreich. Eine Amerika-Tournée 1969 mit Stücken von Frisch und Dürrenmatt war vollständig ausverkauft und erntete enthusiastische Kritiken.
Aber auch am Schauspielhaus zieht Maria Becker noch immer: Als sie 2007 in Molières «Tartuffe» die keifende Mutter spielte, erhielt sie jeweils Auftrittsapplaus - etwas, was es heute fast nur noch am Broadway gibt, wenn ein Hollywoodstar auftritt.
Von Nazis gepiesackt
Maria Becker wurde am 28. Januar 1920 in Berlin als Tochter des Schauspielerpaars Maria Fein und Theodor Becker geboren. Als ihre schönste Zeit bezeichnet sie das Internat auf der Nordseeinsel Juist, wo sie zum ersten Mal Theater spielen durfte. Das Institut war eine moderne Reformschule und wurde von den Nazis geschlossen.
Die Mutter, eine katholisch getaufte Jüdin, erhielt Auftrittsverbot und floh mit der Tochter nach Wien, wo die erst 16-jährige Maria das Max-Reinhardt-Seminar besuchte. 1938 kam die Schauspielelevin über London in die Schweiz, wo sie Oskar Wältherlin für das Schauspielhaus engagierte.
Innert weniger Jahren spielte sie die grossen tragischen Frauenrollen von Elektra über Johanna von Orléans, Maria Stuart, Iphigenie bis Penthesilea, wobei ihr das Einfühlungsvermögen in die Seele der Figur stets wichtiger war als der gestische Ausdruck.
Mit Brechts epischem Lehrtheater hatte sie deshalb nach eigenem Bekunden immer etwas Mühe. Ihre Darstellung der Shen Te in der Uraufführung von «Der gute Mensch von Sezuan» war 1943 dennoch ein Achtungserfolg.
Erster weiblicher Mephisto
Ab Mitte der 60er Jahre nahm Becker neben der Arbeit in der freien «Schauspieltruppe» Engagements an den grossen deutschsprachigen Bühnen an und liess sich auch häufiger auf Theaterexperimente ein, etwa 1977 als erster weiblicher Mephisto in Michael Degens Inszenierung des «Faust». Und 1994 zeigte sie am Schauspielhaus als «Alte Dame», dass sie auch das Groteske beherrschte.
Neben Schauspiel und Regie für die «Schauspieltruppe» hält Maria Becker - die auch die sonore Synchronstimme von Anna Magnani war - Lesungen und Diktionskurse.
An ihrem Geburtstag freilich darf sie sich zurücklehnen: Das Zürcher Schauspielhaus veranstaltet ihr zu Ehren «Eine Theater- und Klangchronik», auf der andere ihre Sprechkunst beweisen müssen: Neben Sohn Benedict etwa auch die Schauspielerinnen Katharina von Bock und Anne-Marie Kuster.
(sda/olsm)
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R. Di Dario, Basel
Verfasst am: 28.1.2010 10:54
Happy Birthday!
Liebe Maria. Falls Du das liest - ich wünsche... mehr
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