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Minarett-Umfrage: Weshalb Befragte manchmal lügen

Mirjam Spreiter
Dienstag, 26. Januar 2010, 14:18 Uhr, Aktualisiert 14:31 Uhr

Die gestern veröffentlichte Vox-Analyse zur Anti-Minarett-Initiative hat deutlich gemacht, wer für die Initiative gestimmt hat. Weshalb die gfs.bern-Umfrage im Vorfeld daneben lag, bleibt unklar. Ein Grund ist laut Politologe und Mitautor der Vox-Studie Hans Hirter, dass die Befragten nicht die Wahrheit gesagt haben. Hirter erklärt im Interview mit «tagesschau.sf.tv», wie es dazu kommen kann, dass Befragte bei Umfragen lügen.

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Politologe Hans Hirter ist Mitautor der Vox-Analyse zur Minarett-Initiative

Hans Hirter, wieso kommt es vor, dass die Befragten bei Meinungsumfragen nicht die Wahrheit sagen?

Einführend ist zu sagen, dass es nie eine Mehrheit ist, die lügt. Im aktuellen Beispiel war es vielleicht eine von zehn Personen, die nicht zuverlässig war. Die Thematik hat zu tun mit der Theorie der sozialen Erwünschtheit, d.h. der Befragte sagt, was er denkt, was die Person von ihm hören will.

Dabei gibt es für unsere Zeit zwei Einschränkungen: Erstens ist die Interview-Situation bei Telefon-Befragungen anonymer, zweitens ist die Ausländer-Thematik salonfähiger als früher, als nur die kleinen Rechts-aussen-Parteien Ausländer-feindliche Fragen thematisierten. Seitdem die SVP als grösste Partei der Schweiz diese Themen besetzt, stehen die Leute zu ihrer Meinung. Trotz diesen zwei Einschränkungen aber kann die soziale Erwünschtheit noch einen Einfluss haben.

Bei welchen Themen kann es vorkommen, dass Befragte lügen?

Das kann man nicht sagen. Es kommt nicht auf das Thema an. Wenn eine Abstimmung noch nicht sehr bekannt ist, kann es sein, dass die Leute eine Antwort geben, obwohl sie sich noch nicht entschieden haben.

Kann es sein, dass die Leute bei Ausländer-Themen eher lügen?

Sicherlich nicht, denn hier funktioniert die Meinungsbildung gut. Die Leute stehen zu ihrer Meinung.

Was haben die Befragten davon, wenn sie eine Antwort geben, obwohl sie noch unentschlossen sind?

Es ist sozial erwünscht, eine Meinung zu haben.

Gibt es weitere Beispiele für diese Problematik in der Politikwissenschaft?

Vor allem im Ausland stellt man bei Nachwahl-Befragungen oft fest, dass die Leute angeben, für den Sieger gestimmt zu haben, auch wenn es nicht stimmt. Die Leute wollen zu den Gewinnern gehören. Das gilt aber nicht für die Schweiz. Ich vermute, dass hier das Siegerimage weniger wichtig ist als beispielsweise in den USA. In der Schweiz stehen die Verlierer dazu, zur Minderheit zu gehören.

Was man ebenfalls feststellen kann ist, dass die Stimmbeteiligung bei Befragungen nach Abstimmungen und Wahlen immer höher ist, als sie es wirklich war. Das lässt sich auch wieder mit der sozialen Erwünschtheit erklären. Es ist sozial erwünscht, an den Abstimmungen oder Wahlen teilzunehmen.

Wie wurde diese Problematik, dass Befragte nicht immer die Wahrheit sagen, entdeckt?

Dies wurde sichtbar an den Umfragen nach Abstimmungen oder Wahlen, beispielsweise bei der Vox-Analyse. Zu diesem Zeitpunkt hat man ja die Resultate und sieht genau, wenn es Abweichungen gibt.

Gibt es Kontrollmechanismen für die Interpretation von Umfragen, wenn vermutet wird, dass die Befragten lügen könnten?

Dafür gibt es die statistische Fehlerquote bei jeder Umfrage, die sagt, das Resultat kann plus/minus 2 bis 3 Prozent daneben liegen. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Leute ehrlich antworten. Die wenigen, welche lügen, sind innerhalb dieser Fehlerquote. Zudem kann es auch vorkommen, dass Leute die Vorlage nicht verstehen, aber auch dies ist in der statistischen Fehlerquote enthalten.

Bei den Vor-Analysen muss man aber aufpassen. Es ist wichtig, dass man sie als Moment-Aufnahme versteht und nicht als Prognose. An der Methodik der Umfragen muss man nichts ändern.

Gibt es Umfragen, die nun in Frage gestellt werden müssen?

Nein, eigentlich nicht. Wenn man die Umfragen vor den Abstimmungen wirklich als Moment-Aufnahme ansieht. Man kann sich fragen, ob diese nötig sind, aber das ist eine medienpolitische Frage.

Kommentare aktiv...

D. Schmid

Verfasst am: 28.1.2010 16:44

Ich bin gerne

ein Gutmensch. Lieber als ein schäfischer... mehr

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M. Wurmdichnicht, Schneck und Wurm

Verfasst am: 27.1.2010 19:10

Fragestellung.

Ich bin mehrmals telefonisch befragt worden. Die... [1]  mehr

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P. Mauler, Bern

Verfasst am: 27.1.2010 14:05

Na ja

ich lüge weil es Spass macht und anstelle von... mehr

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