Erdbeben in Haiti
In Haiti droht eine humanitäre Katastrophe
Fast zwei Wochen nach dem Erdbeben in Haiti verlassen immer mehr Überlebende die Hauptstadt Port-au-Prince, während sich die Staaatengemeinschaft bemüht, eine internationale Geberkonferenz zu planen. Die EU will ferner rund 300 paramilitärisch ausgebildete Polizisten nach Haiti schicken.
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Über 235'000 Menschen sind in die ländlichen Provinzen geflüchtet, teilte das UNO-Koordinationsbüro für humanitäre Angelegenheiten in Genf mit. Die Flüchtlinge finden bei Verwandten oder Freunden Unterschlupf. In den 591 Lagern in Port-au-Prince befinden sich mittlerweile über 800'000 Menschen, wie eine neue Untersuchung der UNO ergab.
Mangel an Zelten und Wasser
Es brauche noch zusätzliche Zelte und Material für die provisorischen Unterkünfte, hiess es weiter. Die humanitären Organisationen verteilten Lebensmittel an rund 500'000 Personen. Bedürftig seien aber zwei Millionen Haitianer, teilte die UNO mit.
Mangel herrsche auch beim Wasser: An 115 Abgabestellen verteilt die UNO Wasser an 235'000 Menschen, nötig wäre jedoch das Doppelte. Die Überbelastung des Flughafens in Port-au-Prince verzögert die humanitäre Hilfe weiterhin.
Gemäss UNO landen täglich 130 bis 150 Flugzeuge in der haitianischen Hauptstadt. Die weniger dringenden Güter werden über den Flughafen im Nachbarstaat Dominikanische Republik abgewickelt. Doch auch dieser stösst an Kapazitätsgrenzen. Der Verkehr zwischen dem Flughafen und Port-au-Prince sei zudem schwierig, hielt die UNO weiter fest.
Internationale Geberkonferenz geplant
Knapp zwei Wochen nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti kommen die Aussenminister zahlreicher Staaten zu einem Vorbereitungstreffen für eine grosse internationale Geberkonferenz zusammen. Dabei soll unter anderem der bisherige Verlauf des Hilfseinsatzes zur Sprache kommen, wie der gastgebende kanadische Aussenminister Lawrence Cannon sagte.
An dem Treffen in Montreal nehmen der kanadische Ministerpräsident Stephen Harper, sein haitianischer Kollege Jean-Max Bellerive, Aussenminister aus mehr als einem Dutzend Staaten sowie 14 internationale Organisationen teil. Vor einem Treffen mit Bellerive sagte Harper am Sonntag, die vor seinem Kollegen liegende Aufgabe sei unvorstellbar.
Aussenminister Cannon sagte, bei dem Treffen in Montreal handele es sich nicht um eine Geberkonferenz. «Es soll sicherstellen, dass wir einen Aktionsplan haben» und die Koordination kurzfristig besser funktioniere. Er erwarte, dass Ort und Zeitpunkt der geplanten grossen Geberkonferenz im Lauf des Treffens bekanntgegeben würden.
Harsche Kritik an Hilfsbemühungen
Der Leiter des italienischen Katastrophenschutzes hält derweil die internationale Hilfe für Haiti für gescheitert. Der militarisierte Ansatz der USA sei ineffektiv und gehe an den Bedürfnissen der Menschen vorbei, erklärte am Sonntag Guido Bertolaso, der 2009 die Hilfe nach dem Erdbeben in den Abruzzen geleitet hatte und dafür allseits gelobt worden war.
Was dringend gebraucht werde, sei ein ziviler Koordinator der Hilfe, erklärte Bertolaso. Einzelne Länder und Hilfsorganisationen sollten aufhören, ihren Beitrag in den Vordergrund zu spielen oder vor Kamerateams zu posieren. «Unglücklicherweise gibt es dieses Bedürfnis, vor den Kameras gut auszusehen, statt sich darauf zu konzentrieren, was unter den Trümmern ist», sagte Bertolaso im Sender RAI.
Die US-Militäroperation in Haiti nannte er gut gemeint, aber ineffektiv. Es sei eine beeindruckende Schau der US-Macht, habe aber leider nichts mit der Realität der Menschen zu tun.
EU-Polizisten sollen helfen
Die Europäische Union will mit rund 300 paramilitärisch ausgebildeten Polizisten für mehr Sicherheit in Haiti sorgen. Die EU-Aussenminister berieten in Brüssel über die Entsendung der «Europäischen Gendarmerietruppe» in das Erdbebengebiet.
Die Vereinten Nationen hatten die EU informell um Hilfe für die UNO-Mission MINUSTAH gebeten, um die Lage in dem verwüsteten Karibikstaat zu stabilisieren. Da in Haiti neben Kreolisch auch Französisch gesprochen wird, will vor allem Frankreich Polizisten entsenden.
Daneben hätten sich auch Italien, Spanien, die Niederlande, Portugal und Rumänien bereit erklärt, Beamte für solch eine Mission zu stellen, sagte der spanische Aussenminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Miguel Angel Moratinos.
Kritik aus Deutschland und Grossbritannien
Grossbritannien und Deutschland stehen der Entsendung einer europäischen Polizei-Einheit in die Erdbebenregion in Haiti skeptisch gegenüber. «Ich bin nicht sicher, ob das der zwangsläufig richtige Weg ist», sagte der britische Europaminister Chris Bryant in Brüssel.
Grossbritannien sehe keine Notwendigkeit, ein paar hundert Polizeibeamte in das Katastrophengebiet zu schicken, da bereits 10'000 US-Soldaten vor Ort seien, hiess es. Auch Deutschland will sich vorerst nicht beteiligen, wie Aussenminister Guido Westerwelle am Rande des EU-Aussenrats in Brüssel sagte.
(agenturen/horm)
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M. Wurmdichnicht, Schneck und Wurm
Verfasst am: 25.1.2010 18:42
"Paramilitärisch"
... heisst in diesem Zusammenhang einfach... mehr
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