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Am Samstag sollten mindestens weitere 500 Afrikaner - die meisten im Besitz einer Aufenthaltsgenehmigung - zum Verlassen des Ortes bewegt werden.
Am Freitag waren bei einer Hetzjagd auf Einwanderer neun Afrikaner verletzt worden, zwei von ihnen schwer. Insgesamt gab es nach amtlichen Angaben in der Stadt Rosarno 37 Verletzte, davon 18 Polizisten.

Wie die Zeitung «La Repubblica» berichtete, wurden in der Nacht über 300 Einwanderer vom Lager in einer verlassenen Fabrikhalle in Rosarno unter dem Applaus von Einwohnern weggebracht. Sie befinden sich nun in Auffangzentren der Ortschaften Crotone bzw. Siderno. Von Seiten der Einwohner Rosarnos wurden Forderungen laut, die Migranten abzuschieben.
Angriffe mit Autos und Schrotflinten
Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Polizei meldete, waren zwei Einwanderer durch Schüsse mit Schrotflinten leicht verletzt und in ein Krankenhaus in Polistena gebracht worden. Zwei weitere wurden durch Schläge mit Eisenstangen schwer verletzt. Laut Ansa fuhren Einwohner der Stadt ausserdem fünf Afrikaner absichtlich mit ihren Autos an.
Rund hundert mit Knüppeln und Eisenstangen bewaffnete Einwohner von Rosarno bauten Barrikaden in der Nähe eines Lokals, wo viele Einwanderer einkehren. Einige Einwohner hatten Kanister mit Benzin dabei, andere besetzten das Rathaus. Rund 2000 Einwanderer demonstrierten mit einer Sitzblockade im Zentrum der Stadt.
Die Unruhen begannen laut Ansa am Donnerstagabend, nachdem Einwanderer mit einem Luftgewehr beschossen wurden. Anschliessend kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Einwanderer steckten Autos in Brand und zertrümmerten Fensterscheiben.
Sklavenähnliche Verhältnisse
Die in der Landwirtschaft eingesetzten afrikanischen Arbeiter sind nahe der 15'000-Einwohner-Stadt Rosarno unter äusserst schlechten Bedingungen in Gehöften untergebracht. Vielfach gibt es dort kein warmes Wasser und keinen Strom. Die meisten Einwanderer haben keine gültigen Papiere.
Vertreter des UNO-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) zeigten sich über die Unruhen besorgt und warnten vor weiteren Übergriffen gegen Flüchtlinge und Asylsuchende. Eine UNHCR-Sprecherin äusserte die Befürchtung, dass es zu weiteren Hetzjagden auf die Einwanderer kommen könnte. Abgesandte ihrer Organisation würden demnächst in Rosarno eintreffen, um sich ein Bild von der Lage zu machen.
Appell des UNO-Flüchtlingskommissariats
Die Behörden müssten die Verantwortlichen finden die Gewalt gegen die Einwanderer, unter denen auch politische Flüchtlinge seien. Es müsse sofort ein Dialog über die inhumanen Lebensumstände der Flüchtlinge begonnen werden, sagte die Sprecherin.
Nach Angaben der Gewerkschaft CGIL leben rund 50'000 Migranten in Italien unter ähnlich schlechten Bedingungen wie in Rosarno.
Der italienische Präsident Giorgio Napolitano erklärte, die Gewalt müsse ohne Verzögerung beendet werden.
Innenminister: Zu viel Toleranz
Innenminister Roberto Maroni von der fremdenfeindlichen Lega Nord erklärte, die Spannungen seien «das Ergebnis von zu viel Toleranz gegenüber illegaler Einwanderung». Polizeichef Antonio Manganelli kündigte nach einer Unterredung mit Maroni die Entsendung zusätzlicher Polizisten nach Rosarno an.
(sf/sda/bers)
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