Klimakonferenz
UNO: Hoffnungsschimmer fürs Klima
Vor der entscheidenden Schlussrunde ist Bewegung in die Weltklimakonferenz gekommen. Bei einem Sondertreffen beauftragten die politischen Spitzen der mehr als 20 wichtigsten Länder und Regionen in der Nacht ihre Unterhändler, bis zum Morgen die wesentlichen Streitpunkte zu klären und somit die Weichen für eine Einigung zu stellen.
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Um 8.00 Uhr sollten dann die Staats- und Regierungschefs und andere Spitzenvertreter der mehr als 190 Länder zu den Schlussverhandlungen zusammenkommen.
Kurz darauf wird auch US-Präsident Barack Obama in der dänischen Hauptstadt erwartet. Gipfel-Gastgeber Lars Løkke Rasmussen äusserte sich optimistisch. «Die Staatenlenker sind nach Kopenhagen gekommen mit dem Gefühl, dass wir etwas Bedeutendes erreichen sollten.»
Die Unterhändler sollten sich auf eine politische Erklärung einigen, die dem Plenum als Verhandlungsgrundlage dienen soll. Die Europäische Union hatte zu dem Mini-Gipfel eingeladen, nachdem am Donnerstag die knapp zweiwöchigen UNO-Klimaverhandlungen an den tiefen Gräben zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu scheitern drohten.
Zu den Streitpunkten zählen die Finanzierung von Klimamassnahmen in den Entwicklungsländern und die Reduktionsziele für den Ausstoss von Kohlendioxid (CO2) in den Industriestaaten.
Der EU-Ratsvorsitzende und schwedische Regierungschef Fredrik Reinfeldt zeigte sich zuversichtlich. «Es ist noch nicht vorbei», sagte er. «Es war ein sehr konstruktives Treffen.»
Obamas Sprecher Robert Gibbs machte klar, dass es aus Sicht Washingtons besser sei, auf der Mammutkonferenz kein Ergebnis zu erreichen, als eine inhaltslose Übereinkunft.
Laut einer internen Rechnung der Vereinten Nationen bedeuten die bisher von Industrie- und Entwicklungsländern gemachten Zusagen einen Anstieg der durchschnittlichen Temperatur um drei Grad.
Jeder Anstieg über zwei Grad kann einem Bericht von UNO-Wissenschaftlern zufolge aber zu einem katastrophalen Anstieg des Meeresspiegels, zum Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten sowie zu gravierenden Auswirkungen auf die Landwirtschaft in vielen Ländern führen.
Obama soll auch zu Gesprächen mit dem chinesischen Premier Wen Jiabao zusammentreffen. Die USA und China, die gemeinsam fast für die Hälfte aller Treibhaus-Emissionen verantwortlich sind, verhandeln seit Monaten bilateral über das Klimaabkommen.
Washington verlangt von Peking Zusagen für die internationale Kontrolle von Klimazielen, was China bislang grundsätzlich ablehnt. Allerdings zeigte der chinesische Delegationsleiter He Yafei guten Willen. «Wir versprechen, unsere Aktionen überprüfbar zu machen», sagte er. Jede internationale Überprüfung müsse aber «auf freiwilliger Basis» erfolgen, niemand dürfe Chinas Souveränität gefährden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hält eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad für die wichtigste Messlatte des Gipfels.«Gelingt das nicht, dies für alle als geltende Verpflichtung zu erreichen, (...) ist die Klimakonferenz in Kopenhagen gescheitert», sagte Merkel im Bundestag vor ihrer Abreise.
Insgesamt ringen mehr als 10'000 Delegierte um ein Abkommen, um die gefährliche Erderwärmung auf 2 Grad zu deckeln. Alles darüber hinaus wird dem Weltklimarat IPCC zufolge nicht mehr beherrsch- und finanzierbar.
Den Plan, diesen Freitag einen rechtsverbindlichen Klimavertrag zu beschliessen, der am 1. Januar 2013 das Kyoto-Protokoll ablösen und diesmal auch für die USA sowie alle Schwellen- und Entwicklungsländer gelten könnte, hat die Staatengemeinschaft angesichts der stockenden Vorverhandlungen schon vor Monaten aufgegeben.
Stattdessen soll ein politisch verbindliches Abkommen unterzeichnet werden, das aber bereits die wichtigsten Auflagen für jedes Land enthalten und in den Folgemonaten zum Vertrag weitergesponnen werden sollte.
Bei dem Staatsbankett am Donnerstagabend protestierten zwei Greenpeace-Aktivisten gegen den schleppenden Verlauf der Verhandlungen.
Das in Abendroben gekleidete Paar entrollte auf dem roten Teppich zwei Transparente mit der Aufschrift «Politiker reden, Führungspersönlichkeiten handeln». Sie wurden von Sicherheitskräften aus dem Saal entfernt.
(agenturen/halp)
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