Klimakonferenz
US-Charmeoffensive am Klimagipfel
Die USA wollen aus der Rolle der Bösen und Verweigerer raus. Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen versuchen sie es deshalb mit einer geballten Charmeoffensive. Mit insgesamt sechs Kabinettsmitgliedern kommen die USA zum Klimagipfel, darunter Aussenministerin Hillary Clinton.
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Hinzu kommen prominente Politiker wie Arnold Schwarzenegger, Senator John Kerry, die Präsidentin des Abgeordnetenhauses Nancy Pelosi und Friedensnobelpreisträger Al Gore, die auf dem Gipfel für ein Klimaabkommen warben. Und dann wartet der gesamte Gipfel noch auf den «Heilsbringer» - Barack Obama.
Clinton brachte bei ihrem ersten Auftritt in Kopenhagen auch direkt etwas mit. Die USA erklärten sich erstmals bereit, in einen Topf von 100 Milliarden Euro für die Entwicklungsländer mit einzuzahlen. Mit diesem Geld soll es den Entwicklungsländern ermöglicht werden, sich an den Klimawandel anzupassen: etwa mit umweltfreundlicher Technologie oder mit Deichen gegen steigende Wasserpegel.
Der politische Leiter der Umweltorganisation Germanwatch, Christoph Bals, sagte, die Frage der langfristigen Finanzierung sei eines der Haupthindernisse bei den Verhandlungen gewesen. Er nannte Clintons Ankündigung deshalb auch ein «ganz, ganz positives Zeichen», das in dieser Frage endlich Bewegung bringe.
Dadurch kämen die EU und die anderen wieder unter Druck, etwas auf den Verhandlungstisch zu legen. Die Hilfsorganisation Oxfam zeigte sich «von Herzen erfreut»: «Wenn solche Hilfszusagen auf den Tisch kommen, könnte uns das tatsächlich einer globalen Klimaeinigung näher bringen.»
In einem Punkt zeigen sich die Amerikaner aber weiterhin als Verweigerer: Ihre Klimaziele fallen noch weit hinter die der Europäer zurück.
Sie bieten zwar wohlklingende 17 Prozent Verringerung des CO2-Ausstosses, doch bezogen auf das Jahr 2005, und dies sind umgerechnet auf das Referenzjahr 1990, das in Kyoto festgelegt wurde und an das sich die Europäer halten, nur magere 4 Prozent. Die EU bietet 20 Prozent und wäre auch bereit, auf bis zu 30 Prozent zu gehen, wenn andere mitziehen.
Der smarte US-Delegationsleiter Todd Stern lässt das nicht gelten. Stern, der bereits unter Bill Clinton gearbeitet hatte und sich auf dem Gipfel immer wieder gerne mit den Chinesen anlegte, rechnet vor, dass die Europäer gar nicht so gut aussehen, wenn man 2005 als Basisjahr nimmt.
Dann würden sie nämlich bis zum Jahr 2020 ihre Emissionen nur magere 13 zurückschrauben - also deutlich weniger als die USA. Und überhaupt hätten die Amerikaner ja auch weitere Reduzierungen angeboten: bis 2025 um 30 Prozent und bis 2030 um 42 Prozent.
Bei den klassischen Reduktionszielen können die Amerikaner auch nicht mehr bieten, schliesslich hängt das Gesetz mit der 17-Prozent-Grenze noch im Senat fest, und Obama kann darüber nicht einfach hinwegsehen.
Doch nach Ansicht von Beobachtern könnte Obama noch ein wenig mehr auf den Tisch legen, indem er noch Gelder für die Rettung des Regenwalds dazupackt. Dies kann mit bis zu 10 Prozent angerechnet werden, und damit kämen die USA auch fast auf 30 Prozent Reduktion, meint Bals.
Nachdem Clinton nun bereits mit einem erstes Angebot der Amerikaner «good will» zeigte, richten sich nun ab Freitag alle Augen auf Obama.
(sda/muei)
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