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Klimakonferenz

Kampf ums Klima: Chaos in Kopenhagen

Mittwoch, 16. Dezember 2009, 12:37 Uhr, Aktualisiert 22:38 Uhr

Klima-Aktivisten haben am Mittwoch kurzzeitig den streng gesicherten Weltklimagipfel in Kopenhagen unterbrochen und das Podium gestürmt. «Klima-Gerechtigkeit jetzt» riefen die beiden Aktivisten - eine Frau und ein Mann - mehrfach. Zuvor hatte eine Gruppe von Demonstranten versucht, das Konferenzzentrum zu stürmen. Die Stimmung in Dänemarks Hauptstadt lädt sich zunehmend auf.

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Aktivisten überrennen Polizisten

Die beiden Aktivisten hatten die Bühne in der Haupthalle des Bella-Konferenzzentrums nach einer Rede des senegalesischen Präsidenten Abdoulaye Wade erobert. Anschliessend wurden sie von Sicherheitsleuten weggebracht.

Viele Delegierte aus Entwicklungsländern applaudierten, als die Umweltschützer ihre Botschaft ins Publikum riefen. Australiens Klima-Ministerin Penny Wong, die nach Wade auf der Rednerliste stand, kommentierte trocken, ihre Rede werde wohl «nicht so interessant wie diese Interaktion gerade eben» sein.

Für den Klimagipfel herrscht in der dänischen Hauptstadt ein enormes Sicherheitsaufgebot. Auch das Bella Center ist durch eine Art Sicherheits-Schichtsystem geschützt. Die Strassen rund um den Tagungsort und die dort liegende U-Bahn-Station waren geschlossen.

Die dänische Polizei blieb am Mittwoch bei ihrer betont harten Linie gegen die Demonstranten und stoppte den Versuch eines «Sturms» von 1500 Demonstranten auf das Konferenzgebäude resolut.

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Polizeichef Per Larsen: «Wir setzen Schlagstöcke nur ein, wenn wir wirklich unter Druck gesetzt werden. Wir wurden hier kräftig provoziert.»

Nach Behördenangaben wurden etwa 250 Teilnehmer der Aktion festgenommen, in Fesseln gelegt und in einen Massenarrest gebracht.

Die Gesamtzahl der Festgenommenen seit Beginn der Demonstrationen zum Klimagipfel mit vergleichsweise wenig Krawallen ist damit auf über 1500 gestiegen.

«Wir haben angekündigt, friedlich zu sein, und ihr reagiert mit Gewalt. Schämt euch.»
Festgenommener Demonstrant in Kopenhagen zu Polizeibeamten.

Die Demonstranten warfen den Sicherheitskräften Überreaktion vor: «Wir haben angekündigt, friedlich zu sein, und ihr reagiert mit Gewalt. Schämt euch», rief einer der Festgenommenen den Polizisten zu. Polizeichef Per Larsen entgegnete: «Wir setzen Schlagstöcke nur ein, wenn wir wirklich unter Druck gesetzt werden. Wir wurden hier kräftig provoziert.»

Zu Beginn der Demonstration hatte eine kleine Gruppe als gewaltbereit eingestufter Demonstranten ausserhalb der genehmigten Hauptdemonstration versucht, den Zaun zum Bella Center zu überklettern. Sie wurden festgenommen.

Fünf Demonstranten gelang es, eine Absperrung zu überwinden und mit Luftmatratzen kurz auf einem Kanal Richtung Sperrgebiet zu paddeln. Sie liessen sich ohne Widerstand in Polizeigewahrsam nehmen.

Aus dem Inneren des Tagungszentrums versuchten mehreren hundert offiziell zugelassene Gipfelteilnehmer und -beobachter, sich mit den Demonstranten vor dem Eingang zu vereinen. Sie wurden am Verlassen des Gebäudes gehindert.

Umgekehrt wurden am Mittwoch erneut tausende akkreditierte Vertreter von nichtstaatlichen Organisationen nicht in das Konferenzzentrum gelassen. Sie legten Protest ein. Auch Abgeordneten des Europaparlamentes wurde der Zutritt verweigert.

Das UNO-Klimasekretariat als Veranstalter begründete den Ausschluss mit «Überfüllung». Ursache sei der unerwartet grosse Ansturm von Regierungsvertretern, weshalb der Zugang für Vertreter nichtstaatlicher Organisationen eingeschränkt werde.

Bild Links eine Reihe von Polizisten, rechts eine brüllende Demonstrantin.
Hitzige Debatten am Rande des Klimagipfels - und wechselseitige Vorwürfe der Eskalation. reuters

Die globalisierungskritische Organisation Attac protestierte gegen die massive Verletzung des Menschenrechts auf freie Meinungsäusserung, wie es in einer Erklärung heisst.

Sie fordert die deutsche Bundesregierung und die anderen Regierungsdelegationen beim Gipfel auf, sich offiziell bei der dänischen Regierung dafür einzusetzen, das Menschenrecht auf freie Meinungsäusserung und Demonstrationsfreiheit zu respektieren.

«Was wir hier in Kopenhagen erleben, hat mit dem rechtsstaatlichen Gebot der Verhältnismässigkeit nichts mehr zu tun. Jeglicher friedlicher Protest wird mit Polizeigewalt erstickt.»
Hendrik Sander, Attac

Man protestiere «aufs Schärfste gegen das Vorgehen der dänischen Polizei in Kopenhagen gegen friedliche Demonstranten und den Ausschluss der Delegationen von Nichtregierungsorganisationen (NGOs)» vom UNO-Klimagipfel.

«Was wir hier in Kopenhagen erleben, hat mit dem rechtsstaatlichen Gebot der Verhältnismässigkeit nichts mehr zu tun. Jeglicher friedlicher Protest wird mit Polizeigewalt erstickt. Die Grenze vom Rechts- zum Präventivstaat ist überschritten", so Hendrik Sander von Attac

Insgesamt hatten sich für die Konferenz mehr als 40'000 Menschen angemeldet. Offiziell kann das Bella Center aber nur 15'000 Menschen aufnehmen.

(agenturen/sf/halp)

Kommentare aktiv...

U. Rothenbühler, Lützelflüh

Verfasst am: 17.12.2009 10:31

Sorgen um den Mensch

Mir macht das Klime keine Sorge, denn dies ist... mehr

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M. Koller, Luzern

Verfasst am: 17.12.2009 8:56

Auseinandersetzungen

Bisher sind es realtiv kleine Gruppen, welche auf... [1]  mehr

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S. o Nicht, Nein

Verfasst am: 17.12.2009 8:10

und

auch die Aktivisten sind vermutlich wie unser BR... mehr

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