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Die Pilgerfahrt nach Mekka – ein gefährliches Ritual

Mittwoch, 25. November 2009, 12:31 Uhr, Aktualisiert 13:39 Uhr

Die Schweinegrippe ist in diesem Jahr die grösste Gefahrenquelle für die Millionen Muslime, die traditionell nach Mekka pilgern. In der Vergangenheit kam es aber immer wieder zu hunderten Toten wegen Feuer oder Massenpanik. Und auch sonst führt der Grossanlass immer wieder zu diversen Problemen.

Bei der Pilgerreise nach Mekka treffen jedes Jahr Millionen von Menschen zusammen - das führt immer wieder zu Unfällen mit hunderten Toten. keystone

Mit Plastiktaschen und Thermoskannen bepackt ziehen die Pilger durch den Flughafen von Istanbul. Die frommen muslimischen Männer tragen das weisse Pilgergewand, die Frauen farbige Kopftücher. Sie kommen aus Usbekistan und der chinesischen Uiguren-Provinz Xinjiang.

Sie sind auf der «Reise ihres Lebens». Mit der türkischen Fluggesellschaft Turkish Airlines wollen sie nach Saudi-Arabien fliegen, um die grosse Wallfahrt, den «Hadsch», zu absolvieren, der am Donnerstag seinen Höhepunkt erreicht.

Kein Platz für europäische Fluggäste

Das Gedränge ist gross, obwohl dieses Jahr wegen der Angst vor der Schweinegrippe weniger Pilger nach Mekka reisen als sonst. Letztes Jahr hatten fast drei Millionen «Hadschis» die beschwerliche Reise nach Mekka und Medina auf sich genommen.

Dieses Jahr haben sich nur etwa 1,6 Millionen Pilger aus dem Ausland und rund 500'000 Muslime aus Saudi-Arabien für die Wallfahrt angemeldet. Die Pilger aus Usbekistan und China, die das Flugzeug in Richtung Dschidda besteigen, lassen sich jedoch nicht abschrecken. Die meisten von ihnen sind alt, haben lange für die Reise gespart.

Das Nachsehen haben an diesem Abend vier europäische Reisende, die ebenfalls Tickets für den Flug nach Dschidda gekauft hatten. Sie dürfen nicht mitfliegen: «Dieser Flug ist reserviert für Pilger», teilt ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft den verblüfften Reisenden mit.

Unglücke forderten tausende Menschenleben

Der Airline-Angestellte bietet ihnen ersatzweise Sitze auf der nächsten Maschine an, die in die 850 Kilometer von Dschidda entfernte Hauptstadt Riad fliegt. «Was soll ich in Riad? Ich komme aus Basel und muss in Dschidda eine PVC-Fabrik in Betrieb nehmen», schimpft ein Schweizer Ingenieur. Doch es hilft nichts.

Denn in den Wochen vor dem islamischen Opferfest herrscht in Saudi-Arabien Ausnahmezustand. «Bis zum Opferfest gibt es auf Inlandflügen keine freien Plätze mehr», sagte ein Reisebürobesitzer der saudi-arabische Zeitung «Arab News».

Genau dieser Ausnahmezustand führte bereits in der Vergangenheit immer wieder zu grossen Unglücken. 1990 brach in einem Fussgängertunnel eine Panik aus – über 1400 Pilger wurden von den fliehenden Menschenmassen totgetrampelt. Ein ähnliches Bild im Jahr 2006: Durch eine Massenpanik starben in Mina bei Mekka über 360 muslimische Pilger, mehr als 250 wurden verletzt.

Im Dezember 1975 explodierte in einem Zeltlager ein Gaszylinder. Im Feuer kamen 200 Menschen ums Leben. 1997 brach ebenfalls in einem Zelt ein Feuer aus, bei dem 343 Pilger starben. 1500 wurden verletzt.

(sda/gern)

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